Inhalte ausgewählter Anbieter werden nicht mehr ins Datenvolumen eingerechnet

Telekom macht aus dem Internet eine Zwei-Klassen-Gesellschaft

Telekom-Kunden werden bald noch mehr Freude mit Matthias Schweighöfer haben: Auch der Amazon-Dienst, auf dem die Serie "You Are Wanted" läuft, ist Teil des StreamOn-Angebots.

Demnächst können Telekom-Kunden Videos und Musik ohne Ende streamen. Doch die schöne neue Netzwelt ist für Kritiker wie den Kasseler Piraten-Politiker Volker Berkhout das Ende der Gleichheit im Internet.

Wer viel Musik oder Videos auf seinem Smartphone streamt, weiß, dass das Internet nicht grenzenlos ist. Dienste wie Spotify bieten Zugriff auf Millionen Songs, aber wenn man ein paar ganze Alben außerhalb eines W-Lan-Netzes gehört hat, ist Schluss mit der Vielfalt. Die allermeisten Tarife bieten nur ein bestimmtes Datenvolumen. Ist das aufgebraucht, wird die Bandbreite bis Ende des Monats gedrosselt. Streamingdienste wie Spotify oder Netflix sind dann praktisch nicht mehr zu nutzen.

Für Mobilfunk-Kunden der Telekom soll das nun ein Ende haben. Ab dem 19. April können sie in Magenta-Tarifen die kostenlose Option StreamOn dazubuchen. Inhalte von ausgewählten Anbietern zählen dann nicht mehr zum begrenzten Datenvolumen. Musik und Videos gibt es somit tatsächlich bis zum Geht-nicht-mehr. Doch an diesem Szenario der schönen neuen Netzwelt ist ein Kulturstreit entbrannt. Kritiker wie der Kasseler Piraten-Politiker Volker Berkhout mahnen, dass das ehemalige Staatsunternehmen damit die Netzneutralität untergrabe: "Das ist ein gefährliches Zeichen."

Der Kasseler Piraten-Politiker Volker Berkhout.

Digitalexperte Berkhout sieht durch das neue Angebot ein Grundprinzip des World Wide Web in Gefahr: "Eine Idee des Internets war von Anfang an, dass alle Inhalte gleich behandelt werden." Bei der Telekom sind nun jedoch manche gleicher. StreamOn gilt für bislang 20 ausgewählte Dienste - von Youtube über Netflix, Amazon Prime und Apple Music bis zu Sky Go und der ZDF-Mediathek. Andere wie die ARD und Spotify fehlen indes noch. Dabei hatte die Telekom mit dem Musikstreaming-Branchenführer aus Schweden 2012 bereits ein ähnliches Angebot geschnürt, um Kunden von der Konkurrenz anzulocken.

Nun will sie mit anderen Unternehmen "den deutschen Mobilfunkmarkt revolutionieren", wie Unternehmens-Chef Niek van Damme großspurig ankündigte. In den USA hat die Telekom auf diese Weise den Markt schon vor drei Jahren aufgemischt. T-Mobile kooperiert dort mit 120 Unternehmen, deren Inhalte nicht ins Datenvolumen eingerechnet werden.

In Deutschland stellt sich für Pirat Berkhout die Frage, welche Firmen dabei sein können und welche nicht. Der Kasseler Politiker befürchtet Nachteile für Start-ups und kleinere Firmen, die in den Markt einsteigen wollen. Zwar beteuert die Telekom, dass StreamOn grundsätzlich für alle interessierten Anbieter offen sei, aber der Grünen-Netzpolitiker Konstantin von Notz zweifelt an der Aussage und fordert daher, dass die Bundesnetzagentur das Angebot prüft. Sein SPD-Kollege Henning Tillmann warnt sogar vor dem Zwei-Klassen-Internet: "Das fördert Monopole und schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland."

Berkhout schaut auf Nachbarländer wie die Niederlande, die das sogenannte Zero Rating, also die Nichtanrechnung von Daten ins entsprechende Volumen, im vorigen Jahr verboten hat. Mit der Folge, dass die Mobilfunkanbieter ihr Datenvolumen für alle Kunden deutlich erhöhten. "In Deutschland wird der Verbraucher dagegen ganz schön gemolken", sagt Berkhout.

Einem Telekom-Kunde, der sich nur gemolken, sondern auch "hart verarscht" fühlte, weil Spotify nicht zum StreamOn-Angebot zählt, wie er twitterte, hat das Unternehmen immerhin Hoffnungen auf ein vorläufiges Happy-End gemacht. "Wir führen derzeit Gespräche mit Spotify, damit eine Partnerschaft für StreamOn realisiert wird", lautete die Antwort des Konzerns.

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