Kurznachrichtendienst auf dem absteigenden Ast?

Twitter-Chef verliert vier Top-Manager auf einmal

Aktie im Keller, Nutzer-Zahlen kommen nicht in Gang - Twitter kämpft mit Problemen. Jetzt gehen auch noch vier Schlüsselfiguren der Konzerns. Ist Twitter auf dem absteigenden Ast?

Beim Kurznachrichtendienst Twitter steht ein halbes Jahr nach der Rückkehr von Mitgründer Jack Dorsey an die Spitze ein massiver Umbau der Chefetage an. Vier Top-Manager verlassen das Unternehmen, wie Dorsey in der Nacht zu Montag per Twitter bestätigte. Dazu gehören Produktchef Kevin Weil und der für Software-Entwicklung zuständige Alex Roetter. Beide waren mehr als fünf Jahre für das Unternehmen tätig. Außerdem gehen Personalchef Brian Schipper und Katie Stanton, die Partnerschaften mit Medien betreute. Stanton wurde von Dorsey besonders für ihre Arbeit in Japan, Irland und Großbritannien gelobt. In zwei Tweets vom Sonntag betonte Dorsey zudem seine Dankbarkeit gegenüber allen scheidenden Schlüsselfiguren. "Alle vier werden eine wohlverdiente Auszeit nehmen. Das sind phänomenale Leute!", schreibt Dorsey in einer längeren Erklärung, die er einem Tweet als Screenshot angehängt hatte. In dem Tweet schreibt Dorsey: "Ich hatte wirklich gehofft, zu einem späteren Zeitpunkt in dieser Woche mit den Twitter-Mitarbeitern zu sprechen, aber ich mache es jetzt, um die Sache richtig zu stellen." 

Dorsey betonte, alle vier verließen die Twitter-Chefetage auf eigenen Wunsch. In Medienberichten hatte es zuvor geheißen, einige seien herausgedrängt worden. Gerade der Job des Produkt-Chefs bei Twitter hatte sich in den vergangenen Jahren zu einem Schleudersitz entwickelt. Weil, der den Posten im Herbst 2014 übernahm, war der fünfte Manager in dieser Rolle in fünf Jahren. Zuerst hatte das US-Portal ReCode über die Abgänge der Manager berichtet. Ob die Führungsspitze wirklich freiwillig - beinahe gleichzeitig - gegangen ist, oder doch gefeuert wurde, ist bisher nicht bekannt.

Twitter kämpft gegen Abschwung

Twitter macht ein stark verlangsamtes Wachstum der Nutzerzahlen zu schaffen, die Aktie ist im Keller. Dorsey will das Steuer herumreißen, indem es einfacher werden soll, den Dienst zu nutzen. Unter anderem könnte dafür die Beschränkung auf 140 Zeichen pro Nachricht fallen. Außerdem startete Twitter unter seiner Regie das Angebot Moments zum Bündeln von Tweets zu aktuellen Ereignissen und ersetzte die Favoriten-Sternchen bei Tweets, die ein Nutzer hervorheben will, durch rote Herzen. Dorsey setzte auch einen Stellenabbau in Gang.

Die Twitter-Führungsspitze im Überblick

Mit dem Abgang der Manager steigt die Rolle des Technik-Chefs Adam Messinger, der künftig auch für Produktentwicklung, Design und Forschung verantwortlich sein wird. Der für das operative Geschäft zuständige Adam Bain übernimmt kommissarisch das Personal-Ressort und das Mediengeschäft. Dorsey wolle auch rasch personelle Änderungen im Verwaltungsrat durchsetzen, schrieb das Wall Street Journal. In den USA kontrolliert das Gremium nicht nur das Management, sondern bestimmt auch maßgeblich die Strategie.

Auch der Chef der zum Konzern gehörenden Kurzvideo-Plattform Vine, Jason Toff, geht, wie er bei Twitter schrieb. Er werde bei Google an Anwendungen für virtuelle Realität arbeiten, bei denen Nutzer mit speziellen 3D-Brillen in virtuelle Welten eintauchen. Toff hatte bereits früher bei dem Internet-Konzern gearbeitet. (dpa/dob)

Hier bedankt und verabschiedet sich Jack Dorsey von den scheidenden Managern:

An diesem Tweet hängt eine längere Erklärung des Twitter-Bosses zu den Entwicklungen in seinem Unternehmen:

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