Software sucht nach aggressiven Nutzern

Twitter geht schärfer gegen Mobbing und Hassrede vor

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Twitter will mit einer Software Hasskommentare aufspüren.

San Francisco - Twitter wurde immer wieder vorgeworfen, nicht schnell und konsequent genug auf Nutzer zu reagieren, die andere beleidigen oder angreifen. Jetzt soll sich das ändern.

Twitter verschärft weiter sein Vorgehen gegen Belästigungen, Mobbing und Hassrede und wird künftig auch von sich aus aktiv. Der Kurznachrichtendienst will Computer nach Profilen suchen lassen, von denen aus andere Nutzer angegriffen werden.

Sie sollen von Software an ihrem Verhalten erkannt werden. Unabhängig davon kündigte Facebook am Mittwoch an, in den USA testweise künstliche Intelligenz zum Erkennen von Selbstmord-Absichten einzusetzen, um den Nutzern helfen zu können.

Die Software könne in Facebook-Beiträgen Muster ausfindig machen, die auf Suizid-Gedanken hinwiesen, hieß es. Solche Posts sollen dann von Mitarbeitern geprüft werden, die Hilfe anbieten können. Die Möglichkeit, entsprechende Beiträge an Facebook zu melden, wird jetzt auch in die Livestreaming-Plattform Facebook Live integriert.

Twitter will mit Hilfe von Algorithmen typisches missbräuchliches Verhalten erkennen - etwa, wenn von einem Profil massenhaft Nutzer angeschrieben werden, die ihm nicht folgen. Solchen Twitter-Konten werden dann für eine Zeit Einschränkungen auferlegt: Zum Beispiel können ihre Tweets nur von den Nutzern gesehen werden, die ihnen folgen.

"Es wurde deutlich, dass Twitter einen Teil der Last von den Nutzern nehmen muss - und eingreifen, noch bevor sie etwas melden", sagte Twitter-Managerin Sinéad McSweeney der Deutschen Presse-Agentur zu den am Mittwoch angekündigten Neuerungen. Bisher verließ sich Twitter - wie auch viele andere Online-Dienste - vor allem auf Beschwerden der Nutzer.

Eine weitere Neuerung ist, dass Nachrichten und auch Unterhaltungen mit bestimmten Begriffen oder Sätzen von Nutzern komplett aus ihrer Timeline ausgeblendet werden können. Die Nutzer können entscheiden, ob die Sperre einen Tag, eine Woche, einen Monat oder unbeschränkt gelten soll. Bei der ersten Vorstellung einer solchen Funktion im November galt sie nur für Benachrichtigungen. Hier baut Twitter die Filter-Auswahl aus. So können künftig auch Benachrichtigungen zu Nachrichten von Profilen ohne Foto oder mit nicht bestätigten E-Mail-Adressen blockiert werden. Es gehe darum, die Leute zu stoppen, die extra Twitter-Konten anlegten, um andere anzugreifen.

Nutzer, die sich beschweren, werden jetzt permanent über den Status der Bearbeitung informiert. Im Benachrichtigungs-Spalte bekommen sie etwa eine Bestätigung, wenn die Beschwerde eingeht, sowie Angaben zu eventuellen Maßnahmen, die Twitter ergriff. Solche ausführlichen Informationen seien ein Wunsch der Nutzer gewesen, betonte McSweeney.

"Es wird Fehler geben", räumte die Twitter-Managerin ein. Es werde vorkommen, dass fragwürdige Inhalte auf der Plattform bleiben - und genauso, dass zu Unrecht Maßnahmen gegen Nutzer eingeleitet würden. "Wir haben nicht den Luxus, unsere Fehler verstecken zu können." Twitter lerne aber dazu und solche Fehler sollten auch nicht die Fortschritte verdecken. Zugleich wolle Twitter nicht zuviel über sein Vorgehen verraten, damit sich aggressive Nutzer nicht darauf einstellen könnten.

Twitter wurde schon länger vorgeworfen, nicht hart genug Mobbing, Belästigungen und aggressives Verhalten zu bekämpfen, auch wenn der Kurznachrichtendienst in den vergangenen Jahren immer wieder seinen Kurs dagegen verschärft hatte. Gerade im zum Teil schmutzig geführten US-Präsidentschaftswahlkampf kam das Thema zuletzt immer wieder auf.

Dem Kurznachrichtendienst machen ein verlangsamtes Wachstum und fortlaufende Verluste zu schaffen, die Aktie ist im Keller. Twitter-Chef Jack Dorsey will das Steuer mit einem konsequenteren Fokus auf Live-News und Video herumreißen.

dpa

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