Unternehmen sperrt Nutzer wegen ungewöhnlicher Namen

Wenn Facebook Isis und Phuc Dat Bich nicht glauben will

Isis Anchalee Wenger und Phuc Dat Bich kennen sich zwar nicht, haben aber dasselbe Problem: Ihre Facebook-Profile wurden von dem sozialen Netzwerk gesperrt. Der Grund? Ihre Namen.

Die Software-Ingenieurin Isis Anchalee Wenger meldete sich vor einigen Tagen über Twitter zu Wort und kritisierte Facebook dafür, dass ihr Profil gesperrt worden sei. „Facebook denkt, dass ich eine Terroristin bin“, schrieb Wenger bei dem Kurznachrichtendienst. Das Unternehmen hatte die US-Amerikanerin offenbar wegen ihres Vornamens als Unterstützerin der Terrormiliz Isis („Islamischer Staat im Irak und Syrien“) ausgemacht. Auch ihr eingescannter Ausweis überzeugte Facebook zunächst nicht, die Seite wieder zu aktivieren.

Allein ist Wenger mit diesem Problem nicht: Facebook geht in diesen Tagen rigoros gegen Profile vor, die mit dem Terrornetzwerk Islamischer Staat zusammenhängen könnten. So haben zahlreiche Frauen mit dem Namen Isis derzeit mit Sperrungen zu kämpfen. Dabei ist der Vorname durchaus beliebt – verweist er doch auf die ägyptische Göttin der Geburt und Wiedergeburt.

Ärger wegen seines Namens hatte auch der Australier Phuc Dat Bich. Bei dem 23-Jährigen mit vietnamesischen Wurzeln interpretierte das Unternehmen den Namen Phuc Dat Bich als eine Form des englischen Schimpfwortes „Fuck that bitch“ (übersetzt: „Fick die Schlampe“). Der Australier schickte mehrfach ein Foto seines Passes zur Identifikation an Facebook – wurde zwischenzeitlich aber immer wieder gesperrt. Schließlich postete er das Ausweis-Foto in seiner Chronik in dem Netzwerk und schrieb dazu, dass er von dem Vorgehen enttäuscht sei. Der Beitrag wurde mehr als 82.800 Mal geteilt.

Laut Facebooks Geschäftsbedingungen müssen Nutzer sich unter einem „authentischen Namen“ anmelden. Das Problem: Neben den automatischen Filtern des Netzwerkes kann jeder Nutzer einen anderen melden, wenn er meint, dass dieser ein Pseudonym verwendet. Immer wieder werden deshalb Accounts zu Unrecht gesperrt. Oft dauert es Wochen, bis der Betroffene wieder Zugriff auf seinen Account bekommt. Es passiert aber auch, dass Profile dauerhaft gesperrt bleiben – wenn Facebook der Nachweis nicht ausreicht. Bilder, Videos und Beiträge sind dann für immer verloren.

Isis Anchalee Wenger und Phuc Dat Bich blieb das erspart: In ihren Fällen lenkte Facebook ein und schaltete die Profile wieder frei.

Hintergrund: Klarnamen-Pflicht ist umstritten

Die Klarnamen-Pflicht bei Facebook wird von Datenschützern schon lange kritisiert. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar gehört zu denen, die die Regel kippen wollen. Seiner Meinung nach verletze sie das Recht der Nutzer auf Anonymität.

Das soziale Netzwerk hält dagegen, dass Nutzer durch die Klarnamen-Pflicht eher auf Beleidigungen und Hasskommentare verzichten. Allerdings hat die Debatte um die Flüchtlingswelle gezeigt, dass Nutzer auch unter ihrem realen Namen mit Bild und frei zugänglichen Angaben zu Wohnort und Arbeitgeber Hassbeiträge schreiben.

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