Unternehmen sammelt viele Informationen

Datenkrake Facebook: Was die Macher des sozialen Netzwerks über mich wissen

HNA-Volontärin Anne Palka wollte herausfinden, welche Daten Facebook eigentlich von ihr gesammelt hat. Das Ergebnis war zwar teilweise überraschend, aber nicht zufriedenstellend. 

Das soziale Netzwerk Facebook ist kostenlos. Dass ich als Mitglied stattdessen mit meinen Daten bezahle, ist ein offenes Geheimnis. Nach dem Datenskandal bei Facebook kündigen viele Nutzer unter dem Twitter-Hashtag #DeleteFacebook an, ihr Konto zu löschen. Das kommt für mich nicht in Frage. Dennoch wollte ich bereits vor einiger Zeit herausfinden, was Facebook über mich weiß. 

Das Ergebnis in Kurzfassung vorab: Ich habe einige Dinge erfahren, die mich überrascht haben. Interessant sind vor allem Informationen über mich, die ich nie selbst eingegeben habe, die Facebook aber schlussfolgert oder "heimlich" erhebt. Trotz meiner Mails an Facebook und die Datenschutzbehörde bin ich aber noch weit davon entfernt, eine vollständige Übersicht über die Daten zu haben, die das soziale Netzwerk über mich speichert. 

Facebook muss persönliche Daten herausgeben

Dabei habe ich rechtlich einen Anspruch darauf. Das ist in der europäischen Datenschutzrichtlinie geregelt und auch in der Datenschutzgrundverordnung, die ab Mai 2018 anzuwenden ist. Facebook ist zwar ein amerikanisches Unternehmen, für die deutschen Nutzer ist aber die Tochtergesellschaft "Facebook Inc." mit Sitz in Irland zuständig. Damit gilt das EU-Recht. 

Facebook-Nutzerdaten im Zip-Ordner downloaden

Wie komme ich also an meine Daten? Facebook verweist auf ein Download-Tool. Bei den allgemeinen Kontoeinstellungen gibt es ganz unten die Funktion: "Lade eine Kopie deiner Facebook-Daten herunter." Nach einigen Klicks und Eingaben meines Passworts kann ich schließlich mein "Archiv herunterladen" – und ein Zip-Ordner landet auf meinem Computer. 

Facebook Download-Tool

Er ist 8,23 Megabyte groß und beinhaltet vor allem html-Dokumente. Als ich die Datei mit dem Namen "index" öffne, kann ich mich im Browser durch die Geschichte meiner Facebook-Aktivitäten klicken. Zunächst bin ich ein bisschen enttäuscht. Facebook weiß noch, dass ich mich am 29. April 2013 registriert habe, teilt mir mit, welche Seiten mir gefallen, in welchen Gruppen ich Mitglied bin und welche Seiten ich verwalte. Die interessanten Informationen verstecken sich in Unterpunkten.

Das denkt Facebook über mich

Facebook hat sich gemerkt, welche Freunde ich aus meiner Liste gelöscht habe, von wem ich Freundschaftsanfragen abgelehnt habe und hat von ganz allein eine "Friend Peer Group" herausgefunden: Universität. 

Ich erschrecke mich ein bisschen, als ich auf den Unterpunkt "Nachrichten" klicke. Anfang 2017 habe ich mein Postfach durchforstet und alle alten Nachrichten gelöscht. Ganz oben präsentiert mir die Datei aus dem Zip-Ordner aber genau diese Unterhaltungen. Dort ist das Chat-Protokoll ganz genau aufgeschlüsselt, wann ich was und wem geschrieben habe und wann mir was von wem geantwortet wurde. Teilweise hatte es einen Grund, warum ich die Nachrichten loswerden wollte. Dabei schreibt Facebook auf einer Seite zum Daten-Download: "Informationen und Inhalte, die du gelöscht hast, sind nicht verfügbar, da diese von den Facebook-Servern gelöscht werden." Anscheinend nicht. 

Außerdem im Dokument mit meinen Daten sind gefühlt endlose Listen aller IP-Adressen, mit denen ich irgendwann einmal angemeldet war, anhand dieser Adressen mein ungefährer Standort, Informationen zu den verwendeten Geräten sowie exakte Daten und Uhrzeiten meiner An- und Abmeldungen. 

Den Unterpunkt zum Thema "Werbung" finde ich besonders interessant. Aus meinen Angaben und Aktivitäten folgert Facebook, dass beispielsweise Werbung zu den Themen Germany, Journalism, Social Media, Unicycling, Technical University Dortmund, Wuppertal und HNA gut bei mir ankommen könnte – das ist richtig. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass ich "Munchkin (card game)" nicht kenne, bis mir einfällt, dass mir die Seite eines Streetfood-Wagens mit dem Namen "Der kleine Munchkin" gefällt. Außerdem ist mir rätselhaft, warum ich Frösche mögen sollte. Ich war nur einmal mit der Organisation "Frosch Reisen" im Urlaub. Da hat Facebook mich wohl falsch kategorisiert. 

Ganz unten werden Werbepartner mit meinen Kontaktdaten genannt. Bei mir gibt es einen einzigen Eintrag, Spotify. Allerdings habe ich die beiden Konten niemals aktiv miteinander verbunden, sondern lediglich unter der gleichen Mailadresse registriert. 

Download-Tool für Daten ist unvollständig

Als ich die Informationen über mich durchgeschaut habe, die Facebook mir per Download zur Verfügung stellt, denke ich: Das kann doch noch längst nicht alles sein. Was ist beispielsweise mit Einträgen, die ich auf den Seiten von Freunden oder in Gruppen geschrieben habe? Sie tauchen dort nicht auf. 

Auch weitere Daten werden verschwiegen. Das ist durch den Wiener Juristen Maximilian Schrems bekannt geworden, der schon mehrfach gegen Facebook klagte. Er hat mit langem Hin und Her die Herausgabe seiner Daten bewirkt und bekam ein Dokument mit Daten, die ausgedruckt mehr als 1200 Seiten füllen würden. Das ist ein Umfang, den Stasi-Akten von Spitzenpolitikern erreichten. In dem Dokument sind wesentlich mehr Daten aufgeführt als im Download-Tool, allerdings geht Schrems davon aus, dass trotzdem noch viele fehlen, beispielsweise zum Tracking auf anderen Internetseiten oder zu Netzwerkanalysen zwischen Profilen.

Das Recht bei den Behörden einfordern

Maximilian Schrems hat eine Anleitung erstellt, wie Nutzer ihre Daten am besten bei Facebook einfordern sollten. Ich habe es versucht – und bin gescheitert. Zuerst habe ich eine Mail an die Datenanforderungs-Adresse von Facebook geschrieben und mich auf die entsprechenden rechtlichen Festlegungen bezogen. Als Antwort kam eine Mail mit einem Link zum Download-Tool und einer Erklärung, wie das funktioniert. An diesem Punkt war ich aber schon. Also wiederholte ich meine Anfrage mit dem Hinweis, dass ich wirklich alle Daten haben möchte. Antwort: "Wie wir dir in unserer letzten Mail bereits mitgeteilt haben...". 

Der nächste Schritt war eine schriftliche Anfrage an Facebook. Als ich davon einige Zeit nichts mehr gehört hatte – übrigens bis heute nicht – habe ich eine formale Beschwerde bei der irischen Datenschutzbehörde eingereicht. Seit einem halben Jahr warte ich auf die Antwort. Laut der Anleitung von Maximilian Schrems wären die nächsten Schritte, der Behörde mehrfach Druck zu machen und ansonsten eine Beschwerde gegen sie bei der EU einzureichen. 

Nach einigen Datenschutz-Affären bin ich mir mittlerweile gar nicht mehr so sicher, dass ich wirklich alles wissen will, was Facebook mit meinen Daten macht. Aber das kann ja auch nicht die Lösung sein.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Friso Gentsch

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