Kampf der Giganten: Yahoo verklagt Facebook

New York - Nur Wochen vor dem Börsengang des sozialen Netzwerks Facebook hat der Internetkonzern Yahoo seine Drohung wahr gemacht und Facebook verklagt.

In der am Montag eingereichten Klage wirft Yahoo Facebook vor, ohne entsprechende Lizenzabkommen zehn patentierte Technologien im Zusammenhang mit Werbung, Datenschutzkontrolle sowie sozialen Netzwerken genutzt zu haben. Bereits im vergangenen Monat drohte Yahoo Facebook eine Klage an, sollte keine Einigung erzielt werden. Zunächst blieb unklar, welche Summe Yahoo von dem Sozialen Netzwerk verlangt.

Facebook teilte mit, man sei enttäuscht über Yahoo und werde sich energisch gegen diese „rätselhaften Aktionen“ wehren. „Wir sind enttäuscht, dass mit Yahoo ein langjähriger Geschäftspartner von Facebook und ein Unternehmen, das von seiner engen Beziehung mit Facebook deutlich profitiert hat, sich entschieden hat, auf ein Gerichtsverfahren zu setzen“, teilte Facebook mit. Viele Inhalte auf den Yahoo-Seiten sind mit Facebook verknüpft.

Sehr wahrscheinlich wird auch dieser Patentstreit wie so viele zuvor mit einer außergerichtlichen Einigung oder dem Abschluss eines Lizenzvertrags enden. Allerdings verdeutlicht er einen wunden Punkt von Facebook. Ende 2011 waren lediglich 56 Patente auf das soziale Netzwerk registriert. Verglichen mit anderen großen Technologieunternehmen eine sehr geringe Zahl. Yahoo besitzt mehr als 1000 Patente.

Facebooks Aufstieg vom Studentenwohnheim zum Milliarden-Konzern

In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg: © dpa
Februar 2004: Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook in ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. © dapd
März 2004: Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet. © dpa
September 2004: Das spätere Grundelement von Facebook - die Pinnwand - kommt dazu. © 
Dezember 2004: Facebook hat rund eine Million Nutzer. © dpa
Mai 2005: Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet. © dapd
Dezember 2005: Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer. © dpa
September 2006: Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle. © dpa
Oktober 2007: Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer. Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent - die Bewertung erreicht damit 15 Milliarden Dollar. © dpa
November 2007: Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst “Beacon“, der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen mit einem Selbstbedienungssystem Werbung ins Netzwerk. © dpa
Februar 2008: Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr. © apd
März 2008: Die deutsche Facebook-Version startet. © dpa
August 2008: Facebook hat 100 Millionen Nutzer. © dpa
Februar 2009: Facebook führt den “Gefällt mir“-Button ein. Inzwischen gibt es jeden Tag 2,7 Milliarden “Likes“ und Kommentare. © dapd
Mai 2009: Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook - bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar. © dpa
Juli 2010: Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer. © dpa
Januar 2011: Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook. © dpa
September 2011: Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den “Gefällt-mir“-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen - trifft jedoch auf wenig Resonanz. © dpa
Dezember 2011: Facebook hat 845 Millionen Nutzer aktive Nutzer. Das Unternehmen verdiente 2011 eine Milliarde Dollar bei 3,7 Milliarden Dollar Umsatz. Als neue Art der Darstellung von Nutzerprofilen wird die Chronik (oder Timeline) eingeführt. © dapd
Februar 2012: Facebook beantragt einen 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang. Bewertung und angestrebter Aktienpreis sind noch offen. © 

Yahoo verteidigte die Entscheidung, Klage einzureichen. Das Unternehmen habe über Jahre „substanzielle Ressourcen in Forschung und Entwicklung“ gesteckt, die zu Patenten führten, für die andere Unternehmen Lizenzgebühren zahlen. Ohne die Technologien von Yahoo hätten Facebook und andere Internetseiten weniger Besucher und weniger Werbeeinnahmen, heißt es in der Klageschrift.

Die nach Darstellung von Yahoo verletzten Patente decken demnach grundlegende Konzepte von sozialen Netzwerken ab. Etwa die Personalisierung von Internetseiten abhängig von den Interessen und Vorlieben der Nutzer. Außerdem sollen auch bei der Personalisierung von Werbung Yahoo-Patente verletzt worden sein, was den Seitenanbietern höhere Werbeerlöse ermöglichte.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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