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Schimpanse „Robby“ ist tot: Trauer im Circus Belly um Kult-Affen

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Von: Raphael Digiacomo

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Er galt als letzter Menschenaffe in einem deutschen Zirkus und beschäftigte über Jahre hinweg Juristen und Gutachter. Jetzt ist Schimpanse Robby gestorben.

Celle – Für Zirkusdirektor Klaus Köhler gehörte Robby zur Familie. „Er ist mein siebtes Kind“, sagte der 74-Jährige immer wieder über den Schimpansen, der als Jungtier vor mehr als 40 Jahren in den Circus Belly in Wietzendorf in Niedersachsen kam. Dementsprechend klingt Köhlers Mitteilung über den plötzlichen Tod des wohl letzten Menschenaffen in einem deutschen Zirkus.

„Wir haben unser Liebstes verloren. Wir sind untröstlich“, schreibt Köhler im Namen der Familie bei Facebook. „Am 11. November 2022 ist unser geliebter Robby plötzlich und unerwartet im hohen Alter von 51 Jahren friedlich und für immer eingeschlafen.“ Die Familie bitte, von weiteren Nachfragen abzusehen.

Schimpanse Robby ist tot: Trauer um den letzten Menschenaffe in einem deutschen Zirkus

Schimpanse Robby aus dem Zirkus „Belly“ in Celle in Niedersachsen.
Schimpanse Robby verweilt in seinem Gehege am Zirkus „Belly“ in Celle (Niedersachsen). Der bekannte Schimpanse ist nach Angaben des Zirkus am 11. November 2022 im Alter von 51 Jahren gestorben. © Julian Stratenschulte

Ein über Jahre ausgetragener Rechtsstreit hatte das Schicksal des Schimpansen, der schon als Jungtier von Artgenossen getrennt wurde, überregional bekannt gemacht. Für die Tierrechtsorganisation Peta war Robby der Inbegriff eines leidenden Zirkustieres. 2011 startete Peta eine Kampagne unter dem Motto „Rettet Robby“, er sollte aus dem Zirkus entfernt werden.

Sein Wagen und sein Außengehege seien viel zu klein, außerdem habe er keine adäquaten Sozialpartner. „Er ist nun von seinem jahrzehntelangen Missbrauch in der Manege erlöst“, kommentiert Peta den Tod des Tieres.

Umstrittenes Schicksal: Tierrechtsorganisation Peta sah in Robby den Inbegriff eines leidenden Zirkustieres

Robbys Tierärztin Alexandra Dörnath, die ein Buch über den Schimpansen geschrieben hat, ist empört über den Peta-Kommentar. Sie empfindet ihn als gemeinen Angriff auf die Familie, die sich seit fast 50 Jahren um Robby wie um einen Angehörigen gekümmert habe. „Er hatte keine akuten oder chronischen Krankheiten“, sagt Dörnath.

Robby habe sich zuletzt bei Spaziergängen an den Hundewelpen im Zirkus erfreut. Der Affe sei im Beisein von Klaus Köhler gestorben. Köhler spricht von einem „Herzschlag“. In Zoos können Schimpansen 50 bis 60 Jahre alt werden, im Freiland sterben sie in der Regel früher.

Trauer im Circus Belly um Schimpanse Robby ist groß

Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg hatte Ende 2018 entschieden, dass Robby seinen Lebensabend im Circus Belly verbringen darf. Er werde zwar nicht artgerecht gehalten, aber man könne das betagte Tier wohl nicht mehr zeitnah an Artgenossen gewöhnen, urteilten die Richter damals.

Schimpanse Robby ist tot.
Zirkusdirektor Klaus Köhler und Schimpanse Robby sitzen in Robbys Gehege am Zirkus „Belly“. © Julian Stratenschulte

Robby lebe spätestens seit seinem fünften Lebensjahr in Köhlers Zirkus. Damit kassierte das Gericht die Anordnung des zuständigen Landkreises Celle, das Tier in eine Auffangstation für gequälte Schimpansen abzugeben.

Bei den Vorstellungen des kleinen Wanderzirkus trat Robby früher oft in einem Anzug auf. Er düste auf einem Roller durch die Manege und warf Zuschauern Bälle zu. In den vergangenen Jahren beschäftigte sich Köhler mit dem Affen vor allem in dessen Wagen und Gehege.

Schimpanse Robby war den Kontakt mit Menschen seit frühester Kindheit gewohnt

Beide teilten sich zum Beispiel eine Banane, manchmal malte Robby auch Bilder. Laut einem Gutachter wurde Robby nach seiner Geburt in einem deutschen Zoo in frühester Jugend auf den Menschen geprägt.

Tierschützer fordern schon lange ein Verbot von Wildtieren im Zirkus. Eine ganze Reihe von EU-Mitgliedsstaaten habe das Mitführen bestimmter Wildtierarten in Zirkussen bereits untersagt. Deutschland hinke weiterhin hinterher, kritisiert etwa der Deutsche Tierschutzbund. (dpa)

Verwandte Themen: Ein Löwenrudel wird vor dem Tod gerettet und findet in Niedersachsen ein neues Zuhause. Auch die Zoos im Norden von Deutschland müssen nun Energie sparen. Schockierende Filmaufnahmen zeigen das grauenhafte Leid von Hühnern in einem Mastbetrieb, der Fleisch für den Lebensmittel-Discounter Lidl produziert.

Schimpansen: Des Menschen nächste Verwandte

Wie Gorillas, Orang-Utans und der Mensch sind auch Schimpansen eine Gattung in der Familie der Menschenaffen. Dessen typischen Körperbau weisen Schimpanse auf: Ihr Rumpf ist 65 bis 95 Zentimeter lang, auf den Hinterbeinen stehend erreichen sie eine Größe von 100 bis 170 Zentimeter. Dabei sind die Weibchen deutlich kleiner als die Männchen und werden in der Regel maximal 130 Zentimeter groß.

Männchen und Weibchen unterscheiden sich auch in ihrem Gewicht. Männchen wiegen üblicherweise zwischen 35 und 70 Kilogramm, Weibchen dagegen bringen nur 25 bis 50 Kilogramm auf die Waage. Wie alle Menschenaffen besitzen Schimpansen keinen Schwanz .Typisch für Schimpansen sind die Arme, die deutlich länger sind als die Beine.

Schimpansen kommen in der freien Wildbahn nur im westlichen und zentralen Afrika vor. Dort findet man sie vor allem im Senegal, in Nigeria, in Norden und Osten der Demokratischen Republik Kongo sowie in Uganda und Tansania. Ihr Lebensraum ist primär der Regenwald, aber auch die Savanne besiedeln sie.

Menschen und Schimpansen haben gemeinsame Vorfahren; circa 99 Prozent ihrer genetischen Information ist mit unseren Genen identisch. Schimpansen gelten als die intelligentesten Tiere überhaupt, was sie der Pionierarbeit der Verhaltensforscherin Jane Goodall verdanken. Neben einem überaus ausgeprägten Sozialverhalten sind sie berühmt dafür, Werkzeuge herzustellen und zu gebrauchen. (rdg)

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