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Während Jom-Kippur-Gebet: Unbekannte werfen Synagogenfenster in Hannover mit Stein ein

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Von: Raphael Digiacomo

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Unbekannte bewerfen an Jom Kippur eine Synagoge in Hannover mit Steinen und beschädigen ein Mosaikfenster. Während des Anschlags feiern dort 150 Menschen Gottesdienst.

Update vom Donnerstag, 15.38 Uhr: Hannover – Nach der Beschädigung eines Fensters einer Synagoge in Hannover am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur am Mittwoch (05.10.2022) dauern die Ermittlungen der Polizei an. Neue Erkenntnisse gebe es noch nicht. Zahlreiche Politiker, Verbände und Kirchengemeinschaften zeigten sich entsetzt und verurteilten die Tat.

Nach bisherigen Ermittlungsstand haben Unbekannte Mittwochabend die Scheibe der Synagoge in der Haeckelstraße beschädigt. Bisher sind keine Angaben zu den möglichen Tätern, einem konkreten Motiv oder dem genauen Tathergang bekannt. Auch der Gegenstand, mit dem die Scheibe zerstört wurde, wurde noch immer nicht entdeckt. 

Hannover: Fenster an Synagoge während Jom-Kippur-Gebet beschädigt – Polizei ermittelt in alle Richtungen

Fenster von Synagoge in Hannover beschädigt
Mitarbeiter der Spurensicherung der Polizei sichern Beweisstücke und Spuren in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Hannover. Nach der Beschädigung eines Fensters einer Synagoge in Hannover am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur dauern die Ermittlungen der Polizei an. © Julian Stratenschulte/dpa

„Wir waren alle auf das Gebet konzentriert, irgendwann gegen 19 Uhr haben wir einen Knall gehört“, berichtete Arkadij Litvan, Mitglied im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Hannover. Nach der Alarmierung der Polizei hätten die Gläubigen ihr Gebet fortgesetzt.

Wir waren alle auf das Gebet konzentriert, irgendwann gegen 19 Uhr haben wir einen Knall gehört.

Arkadij Litvan, Mitglied im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Hannover

Vor drei Jahren hatte ein Anschlag auf die Synagoge in Halle während des gleichen Feiertags zwei Todesopfer zur Folge. Jom Kippur fällt von Jahr zu Jahr auf unterschiedliche Daten im September oder Oktober.

Politiker, Verbände und Kirchengemeinschaften kritisieren Anschlag scharf

Ron Prosor, Israels Botschafter in Deutschland, twitterte, wer einen Stein werfe, zögere „auch nicht, eine Kugel abzufeuern“. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte: „Dieser Angriff auf die Synagoge in Hannover am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ist entsetzlich und schockierend.“

Es sei unerträglich und nicht hinnehmbar „dass unsere jüdischen Schwestern und Brüder im Ausüben ihres Glaubens an ihrem heiligen Ort bedroht werden“, sagte der Regionaldechant der Katholischen Kirche in der Region Hannover, Christian Wirz. Ähnlich äußerten sich auch evangelische und muslimische Vertreter.

Synagogenfenster in Hannover am Fest Jom Kippur eingeworfen

Fenster von Synagoge in Hannover beschädigt.
Die beschädigte Mosaikscheibe des Synagogenfensters in Hannover. © Michael Matthey/dpa

Erstmeldung vom Donnerstag, 13.17 Uhr: Hannover – Anschlag am höchsten jüdischen Feiertag: Unbekannte haben Mittwochabend gegen 19 Uhr eine Synagoge in der Haeckelstraße in Hannover vermutlich mit Steinen beworfen und dabei eine Mosaikscheibe beschädigt. Die Polizei ermittelt laut Pressemitteilung derzeit mit Hochdruck in alle Richtungen.

Bei dem Anschlag der unbekannten Täter, deren genaue Motive aktuell noch unklar sind, wurde ein gläsernes Teilelement einer Mosaikscheibe beschädigt. Zum Zeitpunkt des Vorfalls hielten sich circa 150 Personen anlässlich des Jom-Kippur-Festes in der Synagoge auf. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Anschlag auf Synagoge in Hannover: Polizei sucht Täter mit großangelegter Suche

Unmittelbar nach dem Vorfall leitete die Polizei eine intensive, großangelegte Suche nach den mutmaßlichen Tätern im Gebiet rund um die Synagoge ein. Diese verlief jedoch zunächst ohne Erfolg und wird laut Polizei in der niedersächsischen Hauptstadt auch am Donnerstag fortgesetzt und noch intensiviert.

Die Polizei betont, den Vorfall sehr ernst zu nehmen und derzeit mit allen gebotenen Möglichkeiten in alle Richtungen zu ermitteln. Ob es sich bei dem Anschlag um eine gezielte Straftat handelt, ist sehr wahrscheinlich aber aktuell noch immer Gegenstand weiterer Ermittlungen.

Beschädigtes Fenster an Synagoge in Hannover: Handelt es sich um einen antisemitischen Anschlag?

Da zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich um eine antisemitische Straftat handelt, hat der Staatsschutz die weiteren Ermittlungen übernommen. Die Polizei wird die Öffentlichkeit über die Ergebnisse der Ermittlungen zu gegebener Zeit informieren. (rdg, mit dpa-Material)

In Göttingen haben Unbekannte Anfang Oktober 2022 die Moschee der Ditib-Gemeinde mit Hakenkreuzen beschmiert. Wenige Tage zuvor haben die Grünen in der Uni-Stadt einen Brief mit Morddrohungen und Hakenkreuzen erhalten.

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