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Meere sollen von Weltkriegsmunition gesäubert werden

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Von: Peter Mlodoch

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Seit Jahrzehnten liegt in den Meeren Weltkriegsmunition. Jetzt soll diese entfernt werden. Der Bundestag hat der Finanzierung zugestimmt.

Hannover – Auf Druck der norddeutschen Bundesländer verstärkt der Bund seine Anstrengungen im Kampf gegen alte Minen, Granaten und Torpedos in der Nord- und Ostsee. Der Haushaltsausschuss des Bundestages bewilligte am Donnerstagabend (10. November) einen kräftigen Nachschlag zur Finanzierung von Bergung und Entsorgung der explosiven und giftigen Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg.

Das Gremium segnete eine „Verpflichtungsermächtigung“ über 72 Millionen Euro für die Jahre 2024 bis 2026 ab. Im Mai waren für das „Sofortprogramm Munitionsaltlasten“ lediglich 22.000 Euro vorgesehen, und dies auch noch nicht rechtssicher.

Meere sollen von Weltkriegsmunition gesäubert werden: Bundestag stimmt Finanzierung zu

Ein versenkter Munitionsrest am Ausgang der Kieler Förde in der Ostsee: Nun hat der Haushaltsausschuss des Bundestages Geld für die Beseitigung von Altlasten bereitgestellt.
Ein versenkter Munitionsrest am Ausgang der Kieler Förde in der Ostsee: Nun hat der Haushaltsausschuss des Bundestages Geld für die Beseitigung von Altlasten bereitgestellt. © Forschungstauchzentrum CAU Kiel/dpa

Auf dem Meeresboden der beiden Gewässer verrotten rund 1,6 Millionen Tonnen Weltkriegsmunition – teilweise direkt vor der Küste von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Für Fische, Muscheln, Robben, Schweinswale und auch die Menschen sind die rostenden Bomben und Geschosse tickende Zeitbomben. Sie bedrohen den Schiffsverkehr und das empfindliche Ökosystem.

Doch der Bund hatte sich jahrelang geweigert, das gefährliche Kriegserbe zu beseitigen. Nur auf den wichtigen Schifffahrtsrouten wurde er zur Gefahrenabwehr tätig. Man sei nämlich insbesondere für die Munition der Alliierten gar nicht zuständig, lautete immer wieder das Argument, weitergehende Forderungen der Länder abzuweisen.

Umweltprobleme und Sicherheitsrisiko durch Weltkriegsmunition

Die Ampelregierung brachte offenbar die Kehrtwende. Mit dem jetzt freigegebenen Geld soll das zuständige Bundesumweltministerium die notwendigen Gerätschaften anschaffen. „Die Bergung von Weltkriegsmunition ist längst überfällig. Diese Überbleibsel der zwei Weltkriege sind schon seit Jahrzehnten ein gewaltiges Umweltproblem und Sicherheitsrisiko“, erklärte der haushaltspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Sven Christian Kindler im Gespräch mit dieser Zeitung.

Eine unbemannte Bergungsplattform mit Robotertechnik direkt auf hoher See macht die Munition unschädlich. Für diese sogenannte Delaborierungsplattform soll die Ausschreibung bald beginnen und die Verträge dann bis Ende 2023 abgeschlossen werden. Der Baubeginn der Anlage selbst soll 2024 beginnen. Als ambitionslos kritisierte die CDU-Bundestagsabgeordnete Astrid Damerow aus Nordfriesland diesen Zeitplan.

Bundestag stimmt auch Finanzierung anderer Vorhaben zu

Deutlich mehr Geld gibt es auch für den Küstenschutz. Der Haushaltsausschuss stockte die Mittel des „Sonderrahmenplanes“ zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Doppelte auf. So kann das zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium im nächsten Jahr 48,16 Millionen Euro für Deiche, Wellenbrecher, Buhnen, Sperrwerke, Siele, Schöpfwerke, Ufermauern, Sandaufspülungen und die Bepflanzung von Dünen bereitstellen.

Das Geld dient der Co-Finanzierung von Vorhaben der fünf norddeutschen Küstenländer Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Dies soll keine einmalige Finanzspritze bleiben.

Für die Folgejahre von 2024 bis 2040 sind Verpflichtungsermächtigungen im Umfang von insgesamt 885,43 Millionen Euro für die Gemeinschaftsaufgabe Küstenschutz mit den Ländern vorgesehen. „Besonders aus dem klimakrisenbedingten Meeresspiegelanstieg ergeben sich enorme Bedrohungen für den Küstenschutz in Deutschland“, betonte Grünen-Haushaltspolitiker Kindler. (ymp)

Verwandte Themen: Wattenmeeraufseher an der Nordsee sind zur Zeit im Dauereinsatz, die Seehundstationen Friedrichskoog und Norddeich nehmen täglich kleine Seehunde auf. Kinder haben in Braunschweig beim Spielen Granaten-Zünder aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.

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