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Sorgenkind Windkraft: Ausbau in Niedersachsen halbiert

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Der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Niedersachsen verläuft nur schleppend. Der Zubau von Windenergieanlagen hat sich im Vergleich zu 2021 halbiert.

Hannover – Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Niedersachsen kommt nur schleppend voran. Im ersten Halbjahr hat sich der Zubau von Windenergieanlagen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum halbiert, wie aus vorläufigen Zahlen des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE) hervorgeht.

Bei den Photovoltaik-Anlagen zeigt der Trend zwar nach oben, nach Einschätzung von Experten läuft der Zubau allerdings trotzdem viel zu langsam, um die Ausbauziele zu erreichen. Von Januar bis Juni 2022 wurden den Angaben des LEE zufolge nur 25 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 118,8 Megawatt in Betrieb genommen.

Windkraft-Ausbau halbiert: Zubau von Erneuerbare Energien in Niedersachsen läuft zu langsam

Nur 25 Anlagen von Januar bis Juni in Betrieb genommen. Hier auf dem Bild eine Baustelle für neue Windenergieanlagen im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg).
Nur 25 Anlagen von Januar bis Juni in Betrieb genommen. Hier auf dem Bild eine Baustelle für neue Windenergieanlagen im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg). © Patrick Pleul/DPA

Gleichzeitig wurden sechs Anlagen mit 4,9 Megawatt Leistung stillgelegt. Der Nettozubau im Land mit den bundesweit meisten Windrädern beträgt also knapp 114 Megawatt. Im ersten Halbjahr 2021 waren dagegen noch 48 Anlagen mit 211 Megawatt Leistung installiert worden.

Im Bereich Solarenergie wurden in der ersten Jahreshälfte laut Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur rund 17.500 Photovoltaik-Anlagen in Betrieb genommen, deren installierte Leistung insgesamt rund 320 Megawatt beträgt (Vorjahreszeitraum: 10.200 Anlagen mit 220 Megawatt).

Fast 90 Prozent der neuen Anlagen entfallen dabei auf Anlagen auf Hausdächern, Gebäuden und Fassaden. Bei den PV-Anlagen auf Freiflächen kamen lediglich 47 neue hinzu, mit einer Leistung von insgesamt 13 Megawatt. Nach Einschätzung der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) ist der Solarausbau damit noch weit von den Zielvorgaben entfernt.

Ministerpräsident Stephan Weil: Schuld sind ein „Wust von Vorschriften und langwierigen Verfahren“

Im kürzlich reformierten niedersächsischen Klimagesetz sind bis Ende 2035 mindestens 65 Gigawatt zur Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen vorgesehen. Bisher liegt dieser Wert jedoch erst bei 5,4 Gigawatt. Defizite gibt es laut KEAN vor allem bei großen Dachflächen von Unternehmen, öffentlichen Dächern und Freiflächen.

Etwas näher an den Zielen ist Niedersachsen bei der Windenergie. Dort sind 30 Gigawatt installierte Leistung bis Ende 2035 vorgesehen – die rund 6300 bereits betriebenen Windräder kommen auf rund 12 Gigawatt.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil
Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa/Archivbild

Ministerpräsident Stephan Weil räumte ein, dass das Land noch lange nicht da steht, wo es mit den Erneuerbaren hin will. „Die Zubauzahlen lügen nicht“, sagte der SPD-Politiker. Den Rückgang beim Zubau von Windstrom führt er auf „einen Wust von Vorschriften und langwierigen Verfahren“ zurück. „Das ist noch das Ergebnis der Energiepolitik vor den Bundestagswahlen.“

Windkraft-Projekte: Bundesregierung will Verfahren vereinfachen

Überall im Land werde er aber mit Windkraft-Projekten konfrontiert, die in der Vorbereitung seien. „Viele davon werden sich realisieren lassen, sobald die Verfahren – wie von der neuen Bundesregierung geplant – vereinfacht worden sind“, sagte Weil.

Wir hängen massiv beim Ausbau der Windenergie hinterher.

Niedersachsens Energieminister Olaf Lies

Deutliche Worte fand auch Energieminister Olaf Lies. „Wir hängen massiv beim Ausbau der Windenergie hinterher. Mit kleinen Schritten lösen wir das in Zeiten von Klima- und Wärmekrise aber nicht“, beklagte der SPD-Politiker jüngst mit Blick auf die Bundesebene.

Olaf Lies
Olaf Lies, Umweltminister von Niedersachsen, spricht bei einer Veranstaltung. © Sina Schuldt/dpa/Archivbild

Als Probleme benannte er die Bereitstellung von Flächen für die Windkraft sowie zahlreiche Klagen – „teilweise mit irrwitzigen Begründungen“. Eine derart störungsanfällige Planung des Ausbaus könne man sich nicht mehr leisten, warnte Lies. (lni/rdg)

Der Ausbau der Windenergie in Deutschland geht nur schleppend voran. Immer mehr Störche sterben durch Windkraftanlagen in Niedersachsen.

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