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Geflügelpest: Sommerwelle bedroht Tierbestände in Niedersachsen

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Von: Raphael Digiacomo

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Puten, Hühner und Gänse müssen wegen der Geflügelpest seit Juli in Niedersachsen getötet werden. Eine Sommerwelle des Virus H5N1 macht Haltern und Züchtern Angst.

Hannover – Furcht um Federvieh: Die hochansteckende Geflügelpest breitet sich in Niedersachsen immer weiter aus und versetzt Tierhalter in Angst und Schrecken. Nach Angaben des Agrarministeriums in Hannover gab es seit Juli 2022 landesweit zehn Ausbrüche der Infektionskrankheit in sieben Landkreisen, zuletzt in der Grafschaft Bentheim.

In allen zehn Fällen sei bei Puten und Legehennen das Virus vom Subtyp H5N1 nachgewiesen worden. Insgesamt mussten seit dem 1. Juli 2022 der Ministerin zufolge bereits rund 616.000 Tiere getötet werden – mehr als während der gesamten Epidemie im vergangenen Herbst und Winter. Damals wurden insgesamt etwa 510.000 Tiere gekeult.

Geflügelpest-Sommerwelle bedroht auch Tierbestände in Niedersachsen

Zum Schluss noch die deutsche Durchschnitts-Henne: Sie legte im vergangenen Jahr 294,3 Eier. Foto: Julian Stratenschulte
Eine Sommerwelle der Geflügelpest bedroht Tierbestände in Niedersachsen. Halter in Niedersachsen fürchten um ihr Federvieh. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte

Die Kosten der Geflügelpest betrugen 2021/2022 dem Ministerium zufolge gut 9,8 Millionen Euro. „Anders als in all den Jahren zuvor ist das Geflügelpestvirus im Sommer 2021 erstmals nicht mit den Zugvögeln verschwunden, sondern in den heimischen Wildvögeln verblieben“, erklärte die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast am Mittwoch (07.09.2022) im Agrarausschuss des Landtags.

Geflügelpest-Geschehen hat eine neue, sehr besorgniserregende Qualität angenommen.

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU)

Die Brutkolonien von Seevögeln an Nord- und Ostsee hätten durch die Vogelgrippe einen massiven, existenzgefährdenden Einbruch erlitten. „Damit hat das Geflügelpest-Geschehen eine neue, sehr besorgniserregende Qualität angenommen“, sagte die CDU-Politikerin.

Barbara Otte-Kinast
Niedersachsens Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Barbara Otte-Kinast (CDU). © Friso Gentsch/dpa/Archivbild

Die Branche ist in großer Sorge: „Die Situation ist sehr ernst, und die Angst der Geflügelhalter ist sehr groß“, sagte Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft. Trotz des hohen Standards von Biosicherheitsmaßnahmen sei das Virus nicht aus den Ställen herauszuhalten.

Geflügelpest in Niedersachsen: Impfstoff gegen Virus H5N1 dringend benötigt

Dies gelte in Niedersachsen besonders für die Betriebe in der Nähe von Gewässern wie Steinhuder Meer, Dümmer oder Elbe. Dringend notwendig sei ein wirksamer Impfstoff gegen das Virus. Auch Otte-Kinast sprach sich für die Entwicklung eines Impfstoffes aus. Eine weitere Maßnahme sei die „Verringerung der Dichte kommerzieller Geflügelhaltungen“.

Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag Miriam Staudte sagte dazu: „Nicht die hohe Dichte an Wildvögeln ist das Problem, sondern die große Dichte an Geflügelhaltungen in einigen Problemgebieten.“ Der wesentliche Faktor bei der Übertragung von Tierseuchen sei noch immer der Mensch.

Geflügelpest
Ein Schild mit der Aufschrift „Geflügelpest Sperrbezirk“. © Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Europaweit mussten laut niedersächsischem Agrarministerium wegen Krankheitsausbrüchen in Geflügelhaltungen zwischen September 2021 und Juni 2022 über 44 Millionen Tiere gekeult werden. Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist die Übertragung von Vogelgrippeviren vom Tier auf den Menschen nicht besonders effektiv. Die Erreger seien für den Menschen nicht sonderlich infektiös. (rdg, mit dpa-Material)

Die Tierschutzorganisation Peta hat einen Oldenburger Konzern wegen qualvollen Mast-Bedingungen von Puten angezeigt. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat nun auch Niedersachsen erreicht: Fragen und Antworten rund um die Tierseuche. Die giftige Nosferatu-Spinne breitet sich nun auch in Niedersachsen aus.

Vogelgrippe: Geflügel in großer Gefahr

Die Vogelgrippe ist eine Viruserkrankung und wird auch als aviäre Influenza bezeichnet. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort avis für Vogel ab. Die Influenza-A-Viren (H5N1, H5N8, H7N9) befallen laut Tropeninstitut vor allem Vögel – insbesondere Geflügel wie Puten oder Hühner.

Die Veterinärmedizin teilt Vogelgrippe-Viren in wenig krankmachende (niedrigpathogene) und sehr stark krankmachende (hochpathogene) Stämme ein. Die hochpathogenen Viren der Subtypen H5 und H7 führen bei Nutzgeflügel zu schweren Schäden am Tierbestand. Ein Großteil des infizierten Geflügels verendet an der Erkrankung, was den Begriff „Vogelpest“ erklärt. 

Die Influenza-A-Viren können auch beim Menschen Erkrankungen auslösen. Diese sind zwar vergleichsweise selten, da die Vogelgrippe für den Menschen nicht besonders ansteckend ist. Allerdings kann die Erkrankung bei Menschen einen schweren Verlauf nehmen und in extremen Fällen auch zum Tod führen. 2005 fielen dem Vogelgrippevirus H5N1 mehrere hundert Personen zum Opfer.

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