1. Startseite
  2. Niedersachsen

Haie in der Nordsee: Katzenhaie werden vor Borkum ausgewildert

Erstellt:

Kommentare

Ein Katzenhai
Katzenhaie gibt es auch in der Nordsee zu finden. Vor Borkum werden die Tiere aufgezogen und ausgewildert. © Nature Picture Library/Imago

Hai-Alarm in der Nordsee: Sie sind zwar selten, aber es gibt sie dort – Katzenhaie. Auf Borkum und in Tönning werden die Tiere sogar gezüchtet und ausgewildert.

Borkum/Tönning – Haie an der deutschen Nordseeküste: Was erst einmal kurios klingt, ist durchaus Realität. Katzenhaie sind zwar selten gesehene Gäste, aber sie sind in der Nordsee vor Niedersachsen zu Hause.

Und es gibt Orte, die diese Tiere sogar züchten und auswildern. Maria Oetjen und ihr Mann Ihno führen einen davon – das Nordsee-Aquarium auf Borkum. Das berichtet kreiszeitung.de.

Katzenhaie in der Nordsee: 36 Tiere diesen Sommer vor Borkum ausgewildert

Diesen Sommer wildern die beiden insgesamt 36 Katzenhaie aus, die in den vergangenen drei bis fünf Jahren bei ihnen geschlüpft und aufgewachsen sind. Es dauert nicht lang, dann schwimmen, die nur wenige Zentimeter großen Haie mit dem Ebbstrom aus dem Behälter in die Nordsee.

„Es ist Vollmond“, beginnt Ihno Oetjen während einer Auswilderungsaktion am Strand vor Borkum zu erklären. Daher sei die Flut nicht ganz so hoch aufgelaufen wie üblich. Seine Frau und eine Kollegin mussten für die Auswilderung der Haie weiter in die Nordsee. „Aber für die Tiere ist das besser“, sagt er. Denn auf ihrem Weg in die Freiheit müssen die Katzenhaie vor dem Strand noch eine Buhne umschwimmen, um in die offene See zu gelangen. Wenig später ist Maria Oetjen erleichtert zurück am Strand. Die Auswilderung lief gut. „Erst kamen einige zurück, dann haben wir sie etwas gescheucht“, sagt sie.

Katzenhai vor Borkum: Im Schauaquarium werden Haie gezüchtet

In ihrem Schauaquarium, in dem sie insgesamt rund 90 verschiedene Arten von Meeresbewohnern beherbergen, sorgen drei männliche und drei weibliche Kleingefleckte Katzenhaie für Nachwuchs. Die schlanken Tiere, die bis zu 40 Jahre alt und bis zu 1,20 Meter lang werden können, sind die kleinsten Haie, die in der Nordsee vorkommen.

Die vielen dunklen Sprenkel auf ihrer sandfarbenen Haut tarnen die Haie vor Fressfeinden wie etwa Robben. Maria Oetjen kümmert sich schon seit mehr als 20 Jahren um ihre Aufzucht. „Ich lasse sie lieber frei“, sagt die Expertin. „Man tut etwas Gutes für die Natur.“

Haie in der Nordsee: Diese Arten gibt es

In den küstennahen Gewässern der deutschen Nordsee gibt es nach Angaben des Multimar Wattforums in Tönning in Schleswig-Holstein drei Haiarten, sogenannte Grundhaie: den Kleingefleckten Katzenhai, den Großgefleckten Katzenhai und den Glatthai. Hundshaie sind eher vor Helgoland zu finden. „Die brauchen Freiwasser zum Schwimmen“, sagt der Leiter des Nationalparkzentrums Claus von Hoerschelmann. Die ersten drei Arten sind auch in den Tönninger Schauaquarien zu finden.

Doch vor der Wattenmeerküste sind die Haie eher selten. Dort gibt es laut der Schutzstation Wattenmeer in Husum kaum Verstecke etwa vor Fischkuttern. Ende 2018 hatte ein Passant einen gerade geborenen Glatthai im Spülsaum auf Borkum gefunden und ins Nordsee-Aquarium gebracht. Der junge Hai hatte sich wohl Richtung Insel verirrt.

Katzenhai-Population in Gefahr: „Wir wissen, dass sie immer weniger werden“

Die genaue Population der Katzenhaie vor den deutschen Küsten ist nicht bekannt. Aber: „Es sieht nicht gut aus. Wir wissen, dass sie immer weniger werden“, sagt von Hoerschelmann. Maria Oetjen hofft, dass sich ihre liebevolle Pflege auszahlt und sich ihre Katzenhaie in der Nordsee fortpflanzen. Allerdings werden die Tiere erst mit zehn Jahren geschlechtsreif. „Und das ist auch das Problem“, sagt Oetjen. Für ihre Schützlinge ist es also erst in ein paar Jahren soweit.

Katzenhaie finden ihre Freiheit in der Nordsee: Auch in Tönning wird ausgewildert

Wie auf Borkum werden auch im Aquarium in Tönning Katzenhaie gezüchtet. „Wir möchten ihnen die natürlichsten Lebensbedingungen bieten und dazu gehört auch die Fortpflanzung“, findet von Hoerschelmann. Ausgewildert werden die Haie dort aber nicht. Sie werden, wie auch andere Tiere, mit anderen Aquarien getauscht – etwa mit dem in Kiel oder mit dem Ozeaneum in Stralsund.

Inventur im SeaLife Timmendorfer Strand
Guck-guck: Ein kleingefleckter Katzenhai im Sea Life Aquarium in Timmendorfer Strand. © Carsten Rehder/dpa

Fortpflanzung der Katzenhaie: Das erkenne man von Weitem an die kichernden Schulklassen

„Was Haie von den meisten anderen Fischen unterscheidet, ist, dass sie richtigen Sex haben.“ Das gehe auch richtig zur Sache. Wenn die Tönninger Haie sich fortpflanzen, erkenne man das schon von Weitem an den kichernden Schulklassen, die vor den Aquarien stehen, sagt von Hoerschelmann. Nach einigen Wochen legen die Katzenhai-Weibchen ihre Eier. Sie streifen die Eier demnach mit Vorliebe an Algen und Tang ab, damit sie gesichert in der Strömung hängen. Zwischen fünf bis elf Monate dauert es, bis die etwa zehn Zentimeter kleinen Haie schlüpfen. Je kühler die Umgebung, desto länger dauert es. Manchmal finden sich am Strand später die leeren, braunen Eikapseln.

Angst braucht man vor den Katzenhaien übrigens nicht haben. „Für alles, was so groß ist wie ein kleiner Finger, sind sie eine tödliche Gefahr. Alle anderen brauchen keine Angst zu haben“, sagt der Experte von Hoerschelmann.

Patenschaften für den Katzenhai: Gespendete Beträge gehen in das Aufzuchtprogramm

Die Auswilderung am Borkumer Strand verfolgen Dutzende Schaulustige – darunter auch einige Insulaner und Urlauber, die eine Patenschaft für die Tiere übernommen haben. Die gespendeten Beträge werden in das Aufzuchtprogramm reinvestiert. Für eine kurze Zeit dürfen die Katzenhaie auch fotografiert und sogar berührt werden. „Wer kann schon mal sagen, dass er einen kleinen Hai angefasst hat?“, fragt Maria Oetjen. Wie Sandpapier fühle sich die Haut des Katzenhais an, erzählt ein Junge, der sich getraut hat.

Katzenhai in der Nordsee: Vor der Auswilderung noch einmal gut gefüttert

Anna Oetjen ist zuversichtlich, dass ihr Nachwuchs in freier Wildbahn ankommt – auch wenn es dafür keine Gewissheit gibt. „Ich füttere sie einen Tag vorher richtig satt“, erklärt Oetjen. Dann seien die Tiere in den ersten Tagen nicht unbedingt angewiesen, selbst Nahrung zu fangen. Der Jagdinstinkt sei den Tieren aber von Anfang an gegeben. Im Aquarium bekommen die flinken, nachtaktiven Jäger neben Fischfleisch auch mal lebende Krabben, um in der Übung zu bleiben.

Während die meisten Paten schon wieder verschwunden sind, bleibt Maria Oetjen noch einige Zeit am Strand. Sie hält Ausschau, ob die Brandung nicht doch einen ihrer Schützlinge wieder anspült. Danach widmet sie sich wieder der Aufzucht. Bis zur nächsten Auswilderung werden wohl mindestens zwei Jahre vergehen. (Mit Material der dpa)

Auch interessant

Kommentare