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„Tierische“ Testmethode bei Konzerten: Hunde, die Corona riechen

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In der Pandemie waren Großveranstaltungen lange verboten, weil Corona-Ausbrüche mit Hunderten Erkrankungen befürchtet wurden. Speziell geschulte Hunde können diese Events sicherer machen, haben Forscher herausgefunden.

Hannover – Corona-Spürhunde können auch in Alltagssituationen zuverlässig Corona-Infektionen erschnüffeln und sind daher für den Einsatz bei Großveranstaltungen geeignet. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie unter Leitung eines Teams der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo), die jetzt in der Fachzeitschrift „BMJ Global Health“ veröffentlicht wurde.

Die speziell trainierten Hunde seien sogar in der Lage, Infektionen zu identifizieren, bevor der PCR-Test positiv sei, sagte Studienleiter Holger Volk, Leiter der Klinik für Kleintiere an der TiHo in Niedersachsen. „Der Hund ist in diesem Fall ein Frühwarnsystem.“

Hunde, die Corona riechen: Speziell geschulte Vierbeiner können Großveranstaltungen sicherer machen

in Italien werden Corona-Spürhunde bereits erfolgreich eingesetzt, wie hier am „Campus Bio-Medico“ in Rom.
Auch in Italien werden Corona-Spürhunde bereits erfolgreich eingesetzt, wie hier am „Campus Bio-Medico“ in Rom. © Samantha Zucchi/imago

Obwohl inzwischen die meisten staatlichen Corona-Einschränkungen aufgehoben wurden, könnten die Corona-Spürhunde immer noch von Nutzen sein, glaubt der Professor für Tiermedizin. „Große Firmen wie Continental oder Volkswagen hätten mit ihnen ein relativ günstiges Screening-Tool, um die Sicherheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhöhen.“

In einem vom Land Hessen geförderten interdisziplinären Projekt der Universitätsmedizin Mainz wird derzeit der Einsatz von Corona-Spürhunden in Pflegeheimen getestet.

Große Firmen wie Continental oder Volkswagen hätten mit Corona-Spürhunden ein relativ günstiges Screening-Tool, um die Sicherheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhöhen.

Holger Volk

Für die niedersächsische Studie „Back to Culture“ wurden bei vier Projekt-Konzerten im September und Oktober 2021 in Hannover Schweißproben aller Besucherinnen und Besucher genommen, um Corona-Infektionen zu entdecken.

Alternativer Coronatest bei Sido-Konzert: Armbeugen-Schweißprobe für die Spürhunde

Den Auftakt der Reihe machte ein Open-Air-Konzert von Fury in the Slaughterhouse mit maximal 500 Gästen, zum Schluss gab es einen Auftritt des Rappers Sido in einer Halle mit maximal 1500 Gästen ohne Abstand und Maske.

Die Besucher waren verpflichtet, am Tag des Konzerts in einem bestimmten Testzentrum Abstriche für einen Antigen-Schnelltest und einen PCR-Test abzugeben. In dem Zentrum sowie am Veranstaltungsort wurde ihnen zudem eine Armbeugen-Schweißprobe für die Hunde entnommen.

Mit den Tieren kamen sie aber nicht direkt in Kontakt. Verwendet wurde zunächst nur die Probe vom Ort des Konzerts. Wie die TiHo berichtet, erkannten die acht speziell trainierten Hunde die Sars-CoV-2-negativen Proben zu 99,9 Prozent und die Sars-CoV-2-positiven Proben zu 81,6 Prozent.

Corona-Spürhunde können sogar Proben von Long-Covid-Patienten erschnüffeln

Insgesamt hatten 2802 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vier Konzerte Schweißproben abgegeben und darüber hinaus Auskünfte unter anderem zu ihrem Impfstatus und zu chronischen Krankheiten gegeben.

Die Studie zeige, dass Hunde nicht nur unter Laborbedingungen, sondern auch im Alltag Proben zuverlässig unterscheiden könnten, betonte Studienleiter Volk. Kooperationspartner waren die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), das Robert Koch-Institut sowie die Unternehmen Hannover Concerts, ProEvent Hannover und AWiAS Aviation Services.

Corona-Spürhund
Corona-Spürhündin Bea schnüffelt in Probenbehältern in der Teststation. © Michael Matthey/dpa

Die TiHo will weiter mit Corona-Spürhunden forschen. Zuletzt hatte ein Team herausgefunden, dass sie selbst Proben von Long-Covid-Patienten erschnüffeln konnten, wenn deren PCR-Tests bereits wieder negativ waren. 

Hunde werden den Wissenschaftlern zufolge zunehmend zur Geruchserkennung in der Medizin eingesetzt. Sie seien in der Lage, zum Beispiel verschiedene Krebsarten, Malaria sowie einige bakterielle und virale Infektionen zu entdecken. (dpa)

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