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„Sündenfall“: Wie Niedersachsens und Bremens Politiker zur Katar-WM stehen

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Von: Yannick Hanke

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Die Fußball-WM 2022 in Katar polarisiert. Doch wie stehen Politiker aus Niedersachsen und Bremen zu dem Sport-Großereignis? Die Meinungen sind gemischt.

Hannover/Bremen – Am Sonntag, 20. November 2022, startet um 17 Uhr die Katar-WM. Den Auftakt bildet das Eröffnungsspiel zwischen dem Gastgeber und Ecuador. Dass der Fokus bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft vier Wochen lang nur auf dem sportlichen Aspekt liegen wird, ist unwahrscheinlich. Schließlich ist das Sport-Großereignis höchst umstritten, die Gründe hierfür sind mannigfaltig. Das berichtet kreiszeitung.de.

Auch die Politiker in Bremen und Niedersachsen sind sich dessen bewusst. Verschiedene Vertreter der Parteien haben sich nun zur Katar-WM geäußert, darunter auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (beide SPD). Wie stehen sie zur diesjährigen Fußball-WM?

Katar WM: Stephan Weil schaut sich Fußball-Großturnier an – Andreas Bovenschulte hat „bisher noch kein WM-Fieber gepackt“

Doha in Katar.
In der Nähe von Katars Hauptstadt Doha: der Schriftzug „Fifa World Cup Quatar 2022“ bei Sonnenuntergang. Die Katar WM polarisiert. Doch wie stehen Politiker aus Niedersachsen und Bremen zu dem sportlichen Großereignis? (Symbolbild) © Xu Zijan/dpa

„Ich bin bekennender Fußballfan und werde auch Spiele dieser WM im Fernsehen anschauen, allen voran diejenigen der deutschen Mannschaft“, verrät Stephan Weil der Nachrichtenagentur dpa. Aller öffentlichen Kritik zum Trotz will der Sieger der Niedersachsen-Wahl 2022 einschalten, wenn der Ball in Katar rollt.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil
Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen. © Moritz Frankenberg/dpa/Archivbild

Unsicher ist sich hingegen noch Andreas Bovenschulte. „Anders als sonst hat mich bisher noch kein WM-Fieber gepackt. Aber ich kann nicht ausschließen, dass ich mir doch noch das ein oder andere Spiel ansehe“, sagt der Bremer Bürgermeister. Vor allem Spiele der Deutschen Nationalmannschaft würden den Sozialdemokraten interessieren, „insbesondere, wenn dann auch noch der für Bremen spielende Niclas Füllkrug auf dem Platz stehen sollte“.

„Bitter Beigeschmack wird den Spaß trüben“: Politiker in Niedersachsen kritisieren Katar WM

Gar keiner Lust auf die Katar-WM hat Anne Kura, Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion in Niedersachsen. Noch immer halte sie die Vergabe des sportlichen Großereignisses in den Wüstenstaat für einen „krassen Fehler“.  Ihr Parteikollege Detlev Schulz-Hendel, ebenfalls Fraktionsvorsitzender, schlägt in eine ähnliche Kerbe. Er verurteilt die „Missachtung von Menschenrechten, Frauenrechten sowie schlechte Arbeitsbedingungen und die Bestrafung von homosexuellen Handlungen“ in Katar aufs Schärfste.

Andreas Bovenschulte
Andreas Bovenschulte (SPD), Bürgermeister von Bremen. © Christophe Gateau/dpa/Archivbild

„Auch ich werde mir möglicherweise das eine oder andere Spiel anschauen – ein bitterer Beigeschmack wird den Spaß trüben“, verrät Schulz-Hendel der dpa. Sebastian Lechner, der als Nachfolger von Bernd Althusmann für das Amt des Landesvorsitzenden der CDU in Niedersachsen nominiert wurde, übt ebenfalls Kritik. „Wir haben in der Vergangenheit immer wieder gesehen, dass insbesondere autoritäre Regime die Weltmeisterschaften zur Imagepolitik missbraucht haben“, heißt es von Lechner. Seine Hoffnung: Dass die Katar-WM einen Wandel im Wüstenstaat auslöst.

Katar WM als „Sündenfall“: Fußball-Großereignis mit unzähligen Leichen gepflastert

Die WM-Vergabe der FIFA nach Katar steht schon seit Jahren unter anderem aufgrund von Menschenrechtsverletzungen sowie dem autokratischen System in Katar in der Kritik. Diversen Medienberichten zufolge sind tausende Arbeiter beim Bau der Stadien ums Leben gekommen. Das weiß auch Niedersachsens Innen- und Sportminister Boris Pistorius (SPD), der die Vergabe der WM an Katar angesichts der Menschenrechtslage als „Sündenfall“ bezeichnet.

„Der Verdacht von Schmiergeldzahlungen, zigtausende Tote beim Bau von Infrastruktur für diese WM und nicht zuletzt ein völlig inakzeptables Menschenbild des Gastgeberlandes“

Grant Hendrik Tonne, SPD-Fraktionsvorsitzender, über die Gründe, warum er keine Spiele der Katar-WM schauen will

Pistorius würde sich zwar ausgewählte Spiele der Katar-WM anschauen, aber auf keinen Fall in den Wüstenstaat reisen wollen. Sich die WM-Spiele gar nicht erst anschauen, auch nicht im Rahmen von Public Viewing, will Grant Hendrik Tonne, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion. „Der Verdacht von Schmiergeldzahlungen, zigtausende Tote beim Bau von Infrastruktur für diese WM und nicht zuletzt ein völlig inakzeptables Menschenbild des Gastgeberlandes“, nennt er als Gründe für seine Entscheidung. Und das, obwohl er großer Fußball-Fan sei.

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