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Kernkraftwerk Grohnde: Atomreaktor hochfahren oder Rückbau?

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Von: Thomas Kopietz

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Das Land Niedersachsen erteilt die Genehmigung für eine Demontage des AKW Grohnde bis Ende 2022. Der Tüv hält die Reaktivierung des Kernkraftwerks für möglich.

Grohnde/Hannover – Der „Fall“ Grohnde steht sinnbildlich für die augenblickliche Diskussion um Kernkraftwerke. Die Atomkraftgegner feierten zum Jahresende 2021 vor Toren des Kernkraftwerks Grohnde bei Hameln in Niedersachsen: Der Atommeiler, um dessen Bau es massive Proteste und die berühmt-berüchtigte „Schlacht um Grohnde“ gegeben hatte, wurde nach 36 Jahren abgeschaltet.

Über den mehr als 160 Meter hohen Kühltürmen stand keine Dunstwolken mehr. Trotz der Diskussionen um ein mögliches Wiederanfahren des Atomreaktors in der aktuellen Energieversorgungskrise soll die Genehmigung für den Rückbau voraussichtlich bis Jahresende 2022 erfolgen, heißt es aus dem Umweltministerium Hannover.

Debatte um Kernkraftwerk Grohnde: Atomreaktor wieder hochfahren oder Rückbau?

Schafe vor abgeschaltetem Kernkraftwerk: Der Tüv-Verband hält eine rasche Wiederinbetriebnahme des AKW Grohnde für möglich.
Schafe vor abgeschaltetem Kernkraftwerk: Der Tüv-Verband hält eine rasche Wiederinbetriebnahme des AKW Grohnde für möglich. © Julian Stratenschulte/dpa

Mehr als 400 Milliarden Kilowattstunden Strom produzierte das Kernkraftwerk an der Oberweser nach Angaben des Betreibers PreussenElektra seit Inbetriebnahme 1985. Es galt damit als eines der leistungsstärksten weltweit.

Der Geschäftsführer des Tüv-Verbands, Joachim Bühler, hält derweil eine rasche Wiederinbetriebnahme der drei Atomkraftwerke für möglich, die Ende vergangenen Jahres stillgelegt wurden. Neben Grohnde geht es dabei um die Meiler Brokdorf (Schleswig-Holstein) und Gundremmingen C (Bayern).

AKW Grohnde könnte „innerhalb von Wochen oder Monaten“ wieder in Betrieb gehen

Bühler sagte kürzlich der „Bild“-Zeitung, eine Wiederinbetriebnahme wäre „keine Frage von Jahren, sondern eher von wenigen Monaten oder Wochen“ – und vor allem eine Frage des politischen Willens. „Die drei Kraftwerke befinden sich nach unserer Überzeugung in einem sicherheitstechnischen Zustand, der es möglich machen würde, sie wieder ans Netz zu nehmen.“

Hintergrund der Debatte ist die Drosselung von Gaslieferungen aus Russland an Deutschland. Erdgas wird vor allem zum Heizen eingesetzt. Es trägt aber auch rund zehn Prozent zur Stromproduktion in Deutschland bei. Wenn man länger auf Atomenergie setzen würde, könnte man also mehr Gas zum Heizen nutzen, so die Begründung der Befürworter des Weiterbetriebs.

Drei Atomkraftwerke in Deutschland bis Ende 2022 noch am Netz

Aktuell sind in Deutschland noch drei Atomkraftwerke am Netz – Emsland in Niedersachsen, Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg. Nach geltendem Recht müssen sie spätestens am 31. Dezember 2022 abgeschaltet werden. Ein Wiederhochfahren des AKW Grohnde ist natürlich nicht im Sinne der Atomkraftgegner. (tko, mit dpa)

Im Mai 2022 löste eine über dem Kernkraftwerk Grohnde fliegende Drohne einen Einsatz der Polizei aus.

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