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Landesforsten Niedersachsen: Millionengewinn aber Sorge um Wälder

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Von: Kira Müller

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Nach verlustreichen Jahren melden die Landesforsten ein Millionenplus in der Kasse. Freude kommt darüber beim Blick auf gebeutelte Wälder nicht auf.

Braunschweig – Stürme, Dürre und Borkenkäferplage: Die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) haben zwar einen Millionengewinn verbucht, blicken aber mit viel Sorge in die Wälder in Niedersachsen.

Der Überschuss von 42,38 Millionen Euro sei nur vordergründig ein gutes Ergebnis, über das sich Förster nur bedingt freuten, sagte NLF-Präsident Klaus Merker in Braunschweig.

Niedersächsische Landesforste: Millionenplus durch hohe Holzpreise – Sorge um Wälder

Derzeit leiden die Wälder im Harz, wie hier auf dem Brocken, erneut unter der Trockenheit.
Derzeit leiden die Wälder im Harz, wie hier auf dem Brocken, erneut unter der Trockenheit. © Matthias Bein/dpa

Das wirtschaftliche Ergebnis habe angesichts der Auswirkungen der Klimakrise in den Wäldern des Landes an Bedeutung verloren. Das Millionenplus für das Geschäftsjahr 2021 ist laut Merker die Folge wieder gestiegener Holzpreise und einer zwangsläufigen Nutzung des Schadholzes wegen des Borkenkäferbefalls.

Die guten Holzpreise lassen die Folgen der Krise in 2021 nur kurzfristig etwa erträglicher erscheinen.

Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforste

„Die guten Holzpreise lassen die Folgen der Krise in 2021 nur kurzfristig etwa erträglicher erscheinen“, sagte Merker. Zuvor hatten die Landesforsten zwei Jahre mit Verlusten verbucht.

Landesforste: Kosten durch Folgen des Klimawandels bei 650 Millionen Euro

Die vergangenen Dürrejahre mit der folgenden historischen Borkenkäfer-Plage hätten mittlerweile 37.000 Hektar Wald in den Landesforsten geschädigt – allein 27.000 Hektar davon im Harz. „Der Substanzverlust wiegt schwer“, lautete die Bilanz des Präsidenten.

Die Kosten durch die Folgen des Klimawandels bezifferte er für die vergangenen fünf Jahre auf 650 Millionen Euro. „Der Klimawandel kostet uns richtig viel Geld“, sagte Merker. Für die Wiederaufforstung rechnet er mit jährlichen Kosten von etwa 20 Millionen Euro.

Ziel der Förster: Wiederaufforstung und Waldumbau

Als Reaktion treiben die Landesforsten die Entwicklung zu klimaangepassten Mischwäldern voran. Rund sechs Millionen junge Bäume seien im vergangenen Jahr gepflanzt worden, so viel wie seit Jahrzehnten nicht.

Ziel der Landesforsten sind die Wiederaufforstung und der Waldumbau. Dort, wo es wegen des Borkenkäfers keine Aussicht auf vitale Fichtenstände gebe, richte sich der Blick auf die nächste Waldgeneration, sagte der Landesforsten-Präsident.

„Wir können nicht einfach zuschauen, was die Natur hervorbringt – das wäre im Harz wieder fast ausschließlich Fichte“, sagte Merker. Für mehr Widerstandskraft und eine bessere Anpassung an das Klima sei eine Mischung verschiedener Baumarten nötig. Rotbuchen, Eichen, Douglasien und Lärchen nannte Merker als Beispiele.

Das Rekordniveau bei der Bepflanzung müsse über die nächsten zehn Jahre gehalten werden, um die Entwicklung zu klimastabilen Wälder zu beschleunigen.

„Forst-Aid – Erste Hilfe für unsere Wälder“: Landtag startet Kampagne zur Wiederaufforstung

Mit etwa 22 Millionen Euro brauchten die Landesforsten mehr als die Hälfte des aktuellen Gewinns, um den Verlust aus dem Vorjahr auszugleichen. Bei geplanten 20 Millionen Euro für die Wiederaufforstung ist der Überschuss schnell aufgezehrt. Finanzielle Unterstützung vom Land sei daher über 2025 hinaus nötig, sagte Merker.

Mit der Kampagne „Forst Aid – Erste Hilfe für unsere Wälder“, hat die Landespolitik ihm gezeigt, dass es sich um ein wichtiges Anliegen handelt. Mit Blick auf die Landtagswahl im Herbst ist die Hoffnung, dass dies auch für die nächste Regierung gilt.

Die Landesforsten sind nach eigenen Angaben der größte Waldeigentümer Niedersachsens und bewirtschaften 335.000 Hektar Landeswald. Zusätzlich betreuen sie als Dienstleister 77 000 Hektar Wald von Kommunen und Forstgenossenschaften. (lni)

Waldarbeiter in Niedersachsen sind überarbeitet: Während die Schäden in den Forstbetrieben zunehmen, nimmt die Zahl der Waldarbeiter ab. Niedersachsen und Sachsen-Anhalt setzen jetzt auch Flugzeuge zur Waldbrand-Früherkennung ein. In Göttingen hilft das Jugendparlament bei der Wiederaufforstung eines Waldstücks.

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