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Hoffnung auf Dreifacherfolg: Bernd Althusmann auf Wahlkampftour

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Von: Peter Mlodoch

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Am 9. Oktober 2022 stehen in Niedersachsen die Landtagswahlen an. Der Spitzenkandidat der CDU Bernd Althusmann ist aktiv auf großer Wahlkampftour.

Springe – Das Wetter sorgt auch in Niedersachsen für ein Wechselbad der Gefühle. Im Nieselregen vor dem mit vielen Geranien-Balkonen geschmückten Alten Rathaus in Springe bei Hannover wartet ein tapferes Häuflein Christdemokraten auf Spitzenkandidat Bernd Althusmann.

Überall hängen Plakate der hiesigen CDU-Direktkandidatin Ann-Kristin Blome; die 30-jährige technische Redakteurin ist natürlich auch höchstpersönlich anwesend. Ihr Wahlkreis 34 Springe-Hemmingen war früher mal fest in schwarzen Händen; 2017 fiel er aber mit deutlichem Abstand an SPD-Frau Kerstin Liebelt.

Landtagswahl Niedersachsen: Spitzenkandidat Bernd Althusmann (CDU) geht auf Wahlkampftour

Sucht den Kontakt auf Marktplätzen: CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann (rechts) will den Sprung als Ministerpräsident in die Staatskanzlei schaffen.
Sucht den Kontakt auf Marktplätzen: CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann (rechts) will den Sprung als Ministerpräsident in die Staatskanzlei schaffen. © Peter Mlodoch

„Wir müssen uns also noch kräftig anstrengen“, sagt Blome mit einem zuversichtlichen Lächeln. In diesem Moment fährt Wirtschaftsminister Althusmann vor; die düsteren Wolken über den Höhenzug Deister lockern kurz auf. „Hier kommt die Sonne“, strahlt der Spitzenkandidat und begrüßt jeden einzelnen in der wartenden Gruppe mit Handschlag.

„Das wird eine spannende Zeit, wir wollen am 9. Oktober den Pokal nach Hause holen“, ruft Lokalmatadorin Blume zur Begrüßung. Der Spitzenkandidat greift den Sportvergleich gern sofort auf: „Jetzt gilt es, das Triple zu vollenden“, schallt es aus den Lautsprechern über den kleinen Platz. Ein Dreifacherfolg, das ist Althusmanns großer Traum.

Nach den klaren CDU-Wahlsiegen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen vom Frühjahr jetzt im Herbst in Niedersachsen nachziehen. Und vielleicht auch wie in den beiden Nachbarländern eine schwarz-grüne Regierung bilden, nach fünf Jahren GroKo mit der SPD etwas ganz Neues in Niedersachsen wagen. „Die Menschen wollen kein Rot-Grün“, lautet die gebetsmühlenartige Botschaft des Pastorensohns.

Klimaschutz, Schulpolitik, Hilfen für den Mittelstand: CDU offenbart politische Agenda bei Wahlkampftour

Ob die eigene Partei da mitzieht, ob die Grünen umgekehrt ein Bündnis mit der CDU wollen, scheint nach den frühsommerlichen Liebeleien aber längst nicht mehr sicher. Was bei Landwirtschaft und Klimaschutz noch gut klappen könnte, stößt bei der inneren Sicherheit an seine Grenzen.

Während die Union kriminellen Clans den Kampf angesagt hat, wollen die Grünen das Merkmal Großfamilie als diskriminierend streichen. Und dann arbeitet sich Althusmann bei seinen bislang rund 50 Marktplatzauftritten mit zunehmender Heftigkeit am grünen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ab. Gasumlage, Festhalten am Atomausstieg, schleppende Hilfen für den Mittelstand.

Einige Passanten bleiben stehen und hören interessiert zu. Althusmann nutzt sofort diese Gelegenheit, zeigt auf den Bäcker nebenan und warnt vor drohenden Pleiten in vielen Handwerksbetrieben. Schnell schwenkt er dann auf landespolitische Themen, auf das für ihn sichere Terrain der Schulpolitik.

CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann attackiert Amtsinhaber Stephan Weil (SPD) scharf

Der frühere Kultusminister verspricht eine gute Unterrichtsversorgung und die Einstellung von 5000 neuen Lehrkräften. Dass plötzlich heftiger Regen einsetzt und in Windeseile die Zufallszaungäste vertreibt, kann Althusmanns Eifer nicht bremsen.

Der Kandidat, dem nicht wenige Parteifreunde immer wieder eine gewisse Menschenscheu, ein ständiges Misstrauen vorgeworfen haben, probiert es – anders als noch 2017 – inzwischen mit viel Kontakt und Nähe zum Wahlvolk.

Er attackiert bei aufkommenden Sonnenschein lustvoll den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil. Der SPD-Spitzenkandidat setzt mit dem Wahl-Slogan „Das Land in guten Händen“ voll auf seinen Amtsbonus; präsentiert sich gern als netter Kümmerer von nebenan. „Mit nett allein geht es nicht“, giftet Noch-Koalitionspartner Althusmann.

Niedersachsens Wirtschaftsminister und CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann bläst zum Angriff

„Gute Hände allein reichen nicht. Man muss die Hände auch aus dem Schoß nehmen.

CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann

Was tue denn der Regierungschef für die Sicherheit der Stromversorgung, für die Sicherheit der Landwirtschaft, fragt der Herausforderer. „Gute Hände allein reichen nicht. Man muss die Hände auch aus dem Schoß nehmen.“

Beim nächsten Termin in einem Hinterzimmer eines Hotels in Bad Münder muss der Minister seine Zuhörer nicht überzeugen. Dort warten Landwirte und mittelständische Unternehmer mit dem passenden Parteibuch oder zumindest großen Sympathien für die Union. (ymp)

Der amtierende Stephan Weil macht als SPD-Spitzenkandidat derzeit Wahlkampf und ist dafür auf Tour. Auch Die Linke will in den Landtag einziehen, wie Spitzenkandidatin Kaußen im Interview verrät. Die Grünen-Spitzenkandidatin und -Fraktionsvorsitzende im niedersächsischen Landtag Julia Willie Hamburg fordert im Interview einen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket. Die CDU Niedersachsen fordert, Polizeiautos künftig mit Dashcams auszurüsten.

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