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„Mehr Schnittmengen mit der SPD“: Spitzenkandidatin Julia Willie Hamburg will grüne Handschrift

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Von: Peter Mlodoch

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Am 9. Oktober stehen die Landtagswahlen in Niedersachsen an. Grüne-Spitzenkandidatin Julia Willie Hamburg fordert im Interview eine grüne Handschrift.

Hannover – Die Grünen könnten bei der Landtagswahl am 9. Oktober zum Zünglein an der Waage in Niedersachsen werden. Wir sprachen über die Aussichten beim Urnengang in Niedersachsen mit Spitzenkandidatin Julia Willie Hamburg.

Landtagswahl: Grüne-Spitzenkandidatin Julia Willie Hamburg fordert im Interview grüne Handschrift

Grüne-Spitzenkandidatin Julia Willie Hamburg.
Niedersachsenwahl 2022: Grüne-Spitzenkandidatin Julia Willie Hamburg will in den Landtag einziehen. (Archivbild) © Ole Spata

Frau Hamburg, sind Sie angesichts gesunkener Umfragewerte inzwischen froh, dass die Grünen keine eigene Kandidatin für das Amt einer Ministerpräsidentin aufgestellt haben?

Wir sind von Anfang an auf dem Boden der Tatsachen geblieben und sind nicht abgehoben. Wir freuen uns über den großen Zuspruch. Die Menschen trauen uns Verantwortung zu. Wir liegen in Umfragen immer noch zwischen 17 und 22 Prozent. Das ist schon mal super. Aber wir wollen auf Augenhöhe mit SPD und CDU kommen.

Von 22 ist es aber doch auf unter 20 Prozent runtergegangen. Woran liegt das?

Deutschland befindet sich in einer großen Krise, die die Menschen sehr belastet. Insoweit schlägt der Bundestrend stärker als früher auf die Wahl in Niedersachsen durch. Die Umfragen sind aber sehr volatil. Die bisher ungeklärten Fragen in der Ampel-Regierung haben auch unsere Wählerinnen und Wähler hier sehr verunsichert. Jetzt legt der Bund einen riesigen Abwehrschirm von 200 Milliarden Euro auf, die umstrittene Gasumlage kommt nicht. Das sorgt für eine große Entlastung für die Bürgerinnen und Bürger.

Welche Rolle spielt die fahrige Performance Ihres Wirtschaftsministers Robert Habeck in Ihrem Wahlkampf? Seine Zeiten als beliebtester Politiker sind ja längst vorbei.

Robert Habeck ist im Vergleich zu vielen anderen immer noch sehr beliebt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er Fehler zugibt und sie dann schnell beheben will. Diese Fehlerkultur wird geschätzt. Bei der Gasumlage hatte er den Kopf hingehalten und allein die Kritik einstecken müssen, obwohl die gesamte Ampel diese gemeinsam beschlossen hatte. Das war schon ziemlich perfide. Mit der jetzt beschlossen Korrektur werden auch seine Werte bald wieder steigen.

Spielen angesichts der Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine überhaupt Landesthemen eine Rolle im Wahlkampf?

Meistens spreche ich mit Menschen darüber, ob sie sich das Heizen leisten können, wann endlich die Hilfen kommen. Aber auch die Klimakrise, die Erneuerbaren Energien, die Mobilitätswende und auch die Bildungspolitik bewegen die Menschen stark.

Nach den Umfragen läuft derzeit rechnerisch alles auf Rot-Grün hinaus. Sind damit andere Optionen für Sie von vornherein ausgeschlossen?

Wir haben sehr viel mehr Schnittmengen mit der SPD als mit der CDU. Trotzdem tun wir in diesen Zeiten gut daran, dass alle Demokraten miteinander darüber sprechen, wie sie Niedersachsen gestalten wollen. Am Ende werden wir entscheiden, wo die stärkste grüne Handschrift zu sehen ist.

Sowohl SPD als auch CDU drängen trotz der extrem gestiegenen Kosten auf den Weiterbau der von Ihnen abgelehnten Autobahnen A 20 und A 39. Wird das zur roten Linie in Koalitionsgesprächen?

Verkehrspolitik ist sicherlich das strittigste Thema. Da haben wir Grüne eine komplett andere Sicht auf die Dinge. Wir wollen den Koalitionsvertrag im Bund, wonach alle Straßen auf Umwelt- und Klimaverträglichkeit überprüft werden müssen, in Niedersachsen eins zu eins umsetzen. Und danach dürften die A 20 und A 39 nicht mehr gebaut werden. Dazu kommen die Kostenexplosionen. Diese machen es völlig irrational, in noch mehr Verkehr zu investieren.

Sollten die Grünen am 9. Oktober tatsächlich ihren Stimmenanteil gegenüber 2017 verdoppeln, werden Sie dann auch doppelt so viel Gewicht in einer neuen Regierung beanspruchen?

Wir wollen so stark werden, dass wir möglichst auf Augenhöhe mit SPD oder CDU regieren können. Mehr Prozente bedeuten am Ende auch mehr Verantwortung.

Und auch mehr Ministerien?

Das wird in den Verhandlungen entschieden. Wir trauen uns auf jeden Fall mehr Ministerien zu. Und vor allem trauen wir uns auch die großen Ministerien zu, nämlich das Wirtschafts-, Innen-, Kultus- oder auch das Finanzministerium.

Müssen Sie da nicht aufpassen, dass zu große Ansprüche der Grünen die SPD und CDU wieder in die Große Koalition treiben?

Starke Grüne sind der Garant dafür, dass diese lustlose GroKo in Niedersachsen endlich Geschichte ist.

Der amtierende Ministerpräsident Stephan Weil strebt seine dritte Amtszeit an, wie er im Interview betont. Auch Die Linke will in den Landtag einziehen, wie Spitzenkandidatin Jessica Kaußen im Interview verrät. FDP-Spitzenkandidat Stefan Birkner möchte Rot-Grün verhindern.

Zur Person

Julia Willie Hamburg (36) ist Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl in Niedersachsen. Seit März 2020 leitet sie die Grünen-Fraktion im Landtag. Dem Parlament gehört die zweifache Mutter seit 2013 an. Von 2013 bis 2014 war Hamburg, die in Göttingen Politik, Germanistik und Philosophie ohne Abschluss studiert hat, Landesvorsitzende ihrer Partei. (ymp)

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