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Beleidigungen am Wahlabend: Mitglieder der Jungen Union attackieren Transfrau

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Von: Raphael Digiacomo, Clara Veiga Pinto

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Am Abend der Landtagswahl sollen betrunkene Mitglieder der Jungen Union eine SPD-Transfrau beleidigt und beschimpft haben. Der Staatsschutz ermittelt nun.

Osnabrück – Weil sie eine Transfrau in Osnabrück im Anschluss an eine Wahlparty der Landtagswahl Niedersachsen wüst beleidigt haben sollen, ermittelt nun der Staatsschutz gegen mehrere Männer. Das teilte eine Sprecherin der Polizei am Donnerstag (13.10.2022) mit.

Mindestens einer der Männer, die die Betroffene am Sonntagabend (09.10.2022) belagert und mehrmals beleidigt haben sollen, sei Mitglied der Jungen Union, wie Verena Kämmerling, CDU-Kreisvorsitzende in Osnabrück, erklärte.

Beleidigung einer Transfrau am Wahlabend: Junge Christdemokraten sollen sie „Schwuchtel“ genannt haben

Beleidigungen wegen sexueller Identität: CDU-Mitglieder sollen eine Transfrau beleidigt haben.
Beleidigungen wegen sexueller Identität: CDU-Mitglieder sollen eine Transfrau beleidigt haben. © imageBROKER

Die Gruppe habe aus mehreren angetrunkenen Männern aus dem Umfeld der CDU und Jungen Union bestanden, sagte Kämmerling. Die Betroffene sei dagegen SPD-Mitglied. Der Vorfall geschah am späten Sonntagabend auf dem Heger Tor in der Osnabrücker Altstadt, wo sich das Opfer mit einem Freund aufhielt.

Ob die Männer wegen dem schlechten Wahlergebnis ihrer Partei wohl frustriert waren? Die Transfrau sagte jedenfalls gegenüber Pressevertretern, sie habe die Situation als bedrohlich empfunden. Die Männer sollen sich laut Polizeisprecher wiederholt über ihre sexuelle Identität lustig gemacht und als „Schwuchtel“ bezeichnet haben.

Zudem hätten die betrunkenen Männer die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen. Die Stimmung habe sie als deutlich aggressiv empfunden, niemand aus der Gruppe habe den Attacken widersprochen oder ihr beigestanden. Nachdem sie und ihr Bekannter den Ort verlassen hatten, habe sie in einem nahe gelegenen Veranstaltungssaal einem CDU-Mitglied umgehend von dem Vorfall erzählt.

CDU-Mitglieder distanzieren sich von Diskriminierung

Aus dem Kreis der Männer sei am Dienstag ein Entschuldigungsschreiben an die Betroffene gesendet worden, hieß es von Seiten der CDU Osnabrück. Darin sei auch ausdrücklich das Angebot gemacht worden, sich in einem persönlichen Gespräch zu entschuldigen.

Die CDU habe der SPD nun eine umfassende Aufklärung des unerfreulichen Vorfalls zugesagt. Voraussichtlich noch Ende dieser Woche solle mit den betreffenden Männern ein Gespräch geführt werden. Danach werde die Osnabrücker CDU-Parteiführung über mögliche Konsequenzen beraten.

Die CDU und die Junge Union in Osnabrück würden sich eindeutig von jeder Art von Diskriminierung, Beleidigungen und Verächtlichmachungen anderer Menschen und Gruppen distanzieren. „Der betroffenen Transfrau der SPD gilt die volle Solidarität der CDU und der JU“, versicherte Kämmerling. (rdg/clp/dpa)

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