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LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Bürger fürchten Umweltverschmutzung

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Von: Raphael Digiacomo, Clara Veiga Pinto

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In Wilhelmshaven entsteht ein Importterminal für Flüssigerdgas (LNG). Bei Bürgern wachsen Sorgen vor Umweltverschmutzungen und Schäden durch den Bau.

Wilhelmshaven – Bei einer fast dreistündigen Informationsveranstaltung im Wattenmeer-Besucherzentrum, an der auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) teilnahm, diskutierten Umweltschützer, Politiker, Fischer und Bürger über Risiken und Bedenken.

Viele Teilnehmer bemängelten, dass es zu wenig Informationen zu den laufenden LNG-Projekten – wie dem Bau des Flüssiggas-Terminals in Wilhelmshaven – gebe und bekundeten wenig Vertrauen zu den Behörden. „Ich habe das Gefühl, dass wir überrollt werden“, sagte ein Zuhörer.

Umweltschützer sorgen sich: Kritik am Bau von LNG-Terminal in Wilhelmshaven

Das Umweltministerium Niedersachsen hat zu einer Informationsveranstaltung zum LNG-Terminal in Wilhelmshaven eingeladen. Umweltschützer, Fischer und Bürger haben dabei an der geplanten Einleitung von Bioziden in Abwässern Kritik geübt.
Das Umweltministerium Niedersachsen hat zu einer Informationsveranstaltung zum LNG-Terminal in Wilhelmshaven eingeladen. Umweltschützer, Fischer und Bürger haben dabei an der geplanten Einleitung von Bioziden in Abwässern Kritik geübt. © Sina Schuldt/dpa

Es sei angesichts der Vielzahl von Vorhaben nicht nachvollziehbar, was in der Stadt passiere. „Die Kommunikation hat nicht die Geschwindigkeit, die sie haben müsste“, gab Umweltminister Lies zu.

Die Kommunikation hat nicht die Geschwindigkeit, die sie haben müsste.

Olaf Lies (SPD), Umweltminister von Niedersachsen

Er warb jedoch auch um Verständnis. Es müsse in „unglaublicher Geschwindigkeit“ die Abhängigkeit von russischem Gas beendet werden. Dazu müsse Energie importiert werden, zunächst durch LNG-Terminals. Mittelfristig solle diese Infrastruktur für den Import von „grünen Gasen“ wie Wasserstoff genutzt werden können.

Risiko von Bioziden: Nordsee könnte verschmutzt werden

Vor allem an der Einleitung von mit Bioziden behandelten Abwässern des LNG-Terminalschiffes „Höegh Esperanza“, das ab Ende Dezember in Wilhelmshaven in Betrieb gehen soll, entzündete sich Kritik. Denn um das mit Tankern angelieferte verflüssigte Erdgas wieder in Gas umzuwandeln, muss es an Bord der schwimmenden LNG-Terminals mit Nordseewasser erwärmt werden.

Damit die Seewassersysteme des Schiffes nicht mit Muscheln oder Seepocken zuwachsen, muss laut dem Betreiber Uniper Chlor als Biozid eingesetzt werden. Wie aus Antragsunterlagen hervorgeht, beabsichtigt Uniper, jährlich bis zu 178 Millionen Kubikmeter mit Bioziden behandelte Abwässer in die Jade einzuleiten. Umweltschützer fürchten dadurch Schäden für die Nordsee und das angrenzende Wattenmeer.

Unbehagen in Wilhelmshaven: Eine Teinehmerin bei der Informationsveranstaltung des Umweltministeriums.
Unbehagen in Wilhelmshaven: Eine Teinehmerin bei der Informationsveranstaltung des Umweltministeriums. © Sina Schuldt/dpa

„Da reden wir nicht nur über Chlor, sondern über zahlreiche Verbindungen“, sagte Imke Zwoch vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die eingeleiteten Mengen müssten kontinuierlich überwacht werden. In den Antragsunterlagen seien von Uniper Messungen im Dauerbetrieb aber nur im monatlichen Rhythmus vorgesehen.

Das Schiff werde für 200.000 Euro am Tag gechartert. „Für das Geld können wir, glaube ich, ein bisschen mehr verlangen im Sinne unseres Wattenmeeres, unseres Weltnaturerbes“, forderte Zwoch. Lies bekräftigte, dass es auch behördliche Messungen geben müsse. Er erklärte aber auch, dass sich das Chlor und andere Nebenprodukte wie Bromofom Modellierungen zufolge durch den Wechsel der Gezeiten in der Jade vermischten und verflüchtigen.

Chlor im Meer: Auch Fischer üben Kritik an möglichen Folgen

„Sie unterschreiten dann die zulässigen Werte“. Eine Einleitung löse nicht sofort einen Umweltschaden aus, auch bei Klärwerken gebe es unter Einhaltung von Grenzwerten entsprechende Einleitungen, sagte Lies.

Umweltschutzverbände wie der BUND und die Deutsche Umwelthilfe forderten zu prüfen, ob statt Biozide mechanische Verfahren, etwa durch kleine Gummikugeln, bei der Reinigung der Seewassersysteme genutzt werden könnten.

Eine Sprecherin der Genehmigungsbehörde, des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), betonte, dass eine Behandlung der Abwässer notwendig sei. Die Frage sei nun, welches Verfahren das geeignetste sei. Auch die Frage der Messungen werde im wasserrechtlichen Erlaubnisverfahren genau geprüft. „Da wird es unsererseits Vorgaben geben“, versprach die Sprecherin mit Blick auf Messungen zu eingeleiteten Abwässern.

LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Biozide sollen gegen Muscheln helfen

Deutliche Kritik kam auch von Krabben- und Muschelfischern. Seit mehr als 100 Jahren würden in der Jade Krabben und Muscheln gefangen, sagte der Präsident des Landesfischereiverbandes Weser-Ems, Dirk Sander.

Wenn dieses ganze Geraffel tatsächlich kommt, dann können wir das Land verlassen.

Dirk Sander, Präsident des Landesfischereiverbandes Weser-Ems

„Wenn dieses ganze Geraffel tatsächlich kommt, dann können wir das Land verlassen. Dann ist die Jade für uns tot.“ Wer wolle die Krabben und Muscheln nach der Einleitung der mit Bioziden behandelten Abwasser noch essen, fragte Sander. (dpa/clp/rdg)

Erst kürzlich wurde beschlossen, die Pipelines zu bauen. Die geplante LNG-Pipeline von Wilhelmshaven zu den Gasspeichern in Ostfriesland soll in einem Jahr fertig sein.

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