1. Startseite
  2. Niedersachsen

Obst in Niedersachsen verkommt: geringe Nachfrage und zu hohe Energiekosten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Raphael Digiacomo, Clara Veiga Pinto

Kommentare

Eigentlich ist die Ernte gut, doch viele Äpfel werden in diesem Jahr nicht geerntet: Hohe Energie- und Lohnkosten sind die Gründe. Die Situation vieler Obstbauern ist zunehmend kritisch.

Jork – Die aktuell hohen Energie- und Lohnkosten machen heimisches Obst für private und gewerbliche Abnehmer immer teurer. So mancher Landwirt in Niedersachsen sorgt sich angesichts der herrschenden Lage um die Zukunft. Wegen der geringen Nachfrage lassen einige Apfelbauern im Alten Land ihr Obst auch einfach an den Bäumen hängen.

Die Gründe dafür liegen nach Angaben des Landvolks Niedersachsen in der extremen Kaufzurückhaltung der Verbraucher, in den hohen Energie- und Arbeitskosten und nicht zuletzt in einem Überangebot an Äpfeln auf dem gegenwärtigen Weltmarkt.

Niedersachsen: Obst bleibt an den Bäumen – Ernte lohnt sich für Bauern nicht

Trotz guter Qualität und guter Ernte lassen die Obstbauern einige Früchte liegen.
Trotz guter Qualität und guter Ernte lassen die Obstbauern einige Früchte liegen. (Symbolbild) © Daniel Reinhardt/dpa

Dabei sei die Ernte in diesem Jahr eigentlich gut, sagte Landvolk-Experte Claus Schliecker: Mit 320.000 Tonnen werde die Erntemenge um rund fünf Prozent über der des Vorjahres liegen. Wegen des warmen Sommers sei auch die Qualität der Früchte gut. Aber trotz der hervorragenden Süße bekämen die Bauern die Äpfel nicht verkauft.

Wir Obstbauern haben mit enormen Kosten zu kämpfen, denn der Kostenanteil des Apfels besteht zu 60 Prozent aus Energiekosten.

Claus Schliecker

Selbst Mostbetriebe seien für deutsche Äpfel nicht aufnahmebereit. Die Safthersteller besorgen sich stattdessen die Früchte aus dem Ausland, weil dort die Preise im Vergleich niedriger sind. „Auch wir Obstbauern haben mit enormen Kosten zu kämpfen, denn der Kostenanteil des Apfels besteht zu 60 Prozent aus Energiekosten“, sagte Schliecker.

Hohe Energiekosten und Mindestlohn halten Nachfrage nach Äpfel niedrig

Denn die Äpfel müssen für die Lagerung auf drei Grad herabgekühlt werden. Die hohen Kosten für Energie würden bei einigen Landwirten zu Liquiditätsproblemen führen. Die Folge: Die nicht verkäuflichen Äpfel bleiben liegen. „Die Crème de la Crème der Äpfel ist geerntet, sodass das Ernten weiterer Äpfel nicht mehr sinnvoll und unwirtschaftlich ist“, erklärte der Experte.

„Es ist ein Frevel vor dem Hintergrund der Welternährungssituation.“ Zu den Kostentreibern gehört aus Sicht der Landwirte neben den Energiekosten auch die Erhöhung des Mindestlohnes auf 12 Euro. Damit habe die hiesige Ware keine Chance auf dem Weltmarkt, denn Äpfel würden in Deutschland per Hand gepflückt.

Aber die Landwirte könnten ihre Ware nicht zu Weltmarktpreisen verschleudern, sagte Schliecker. Der Strukturwandel werde sich beschleunigen. Mehr Betriebe würden sich aus dem Geschäft zurückziehen. (rdg/clp/dpa)

Auch wenn es bei der Apfelernte nicht so gut läuft, ist die Weinlese in diesem Jahr erfolgreich, vor allem rund um Göttingen. Der Krieg in der Ukraine hat unmittelbare Auswirkungen auf die Landwirte in Niedersachsen – der Preis von Diesel und Futter ist deutlich gestiegen. Auch Spargel und Erdbeeren sind als Edel-Lebensmittel in Krisen-Zeiten immer weniger gefragt.

Auch interessant

Kommentare