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Gender-Debatte: Land Niedersachsen erlaubt geschlechtergerechte Sprache im Abitur

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Von: Monja Stolz

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Im Land Niedersachsen soll Gendern im Abitur künftig nicht mehr als Fehler angestrichen werden.
Im Land Niedersachsen soll Gendern im Abitur künftig nicht mehr als Fehler angestrichen werden. © Gregor Bauernfeind/dpa

In Niedersachsen wird Gendern im Abitur laut eines Zeitungsberichts künftig erlaubt sein. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hält das für keine gute Idee.

Hannover – Wenn es zur Debatte ums Gendern kommt, gibt es zwei Lager: Die einen kämpfen dafür, die andern, unter anderem auch Jürgen von der Lippe, halten es für „falsches Deutsch“.

Geschlechtergerechte Sprache ist in Northeims Schulen schon lange Teil des Unterrichts. Jetzt will das Kultusministerium Niedersachsen Gendersprache einem Zeitungsbericht zufolge auch im Abitur erlauben. Gegenderte Texte mit Binnenzeichen sollen, nach einer Verlautbarung der niedersächsischen Kultusbürokratie, im Abitur nicht als Fehler gewertet werden, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Freitag (25.02.22). „Die linguistische Debatte um geschlechtergerechte Sprache, die oftmals nahtlos in eine weltanschauliche Debatte übergeht, sollte nicht auf dem Rücken der Prüflinge ausgetragen werden“, teilte das Kultusministerium auf Anfrage der Zeitung mit.

In der Verlautbarung heißt es demnach: „Aufgrund mehrfacher Anfragen möchten wir klarstellen, dass gegenderte Texte (z.B. Schüler:innen) in den unterschiedlichsten Schreibweisen zwar nicht dudenkonform sind, in Abiturprüfungen jedoch nicht als Fehler gewertet werden.“ Das Ministerium verwies auf Leitlinien der Kultusministerkonferenz von 2016 zur Chancengleichheit durch geschlechtersensible schulische Bildung und Erziehung.

Niedersachsen erlaubt Gendern im Abitur: Kritik vom Rat für deutsche Rechtschreibung

Der Vorsitzende des Rats für deutsche Rechtschreibung, Josef Lange, zeigt sich wenig begeistert vom Alleingang des Niedersächsischen Kultusministeriums: „Wenn ein Land sich vom amtlichen Regelwerk verabschiedet, verabschiedet es sich auch von der Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum.“ Das Regelwerk sei schließlich von staatlichen Stellen beschlossen worden und für Schule und Verwaltung bindend. Gegenderte Schreibweisen mit Sonderzeichen erfüllten nicht die Kriterien, die der Rat im Blick auf Verständlichkeit, Lesbarkeit und Übertragbarkeit empfohlen habe.

Mit einer Empfehlung für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache hatte die Stadt Hannover Anfang 2019 öffentlich eine Debatte losgetreten. Inzwischen haben viele Hochschulen, Kommunen, Unternehmen sowie Medien Gender-Zeichen eingeführt. Für den Duden ist mit „der Mieter“ nur noch eine männliche Person gemeint, was Kritik auslöste. (Monja Stolz mit Material der dpa)

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