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Niedersachsen ist Jagdland

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Die Zahl der Jagdscheine in Niedersachsen steigt, bei den Waschbär-Abschüssen wird sogar ein Rekord verzeichnet. Das geht aus dem Jagdbericht hervor.

Hannover – Invasive Tierarten wie Waschbär, Nutria oder Marderhund sind durch Menschen nach Deutschland gebracht worden – ihre Ausbreitung in der Natur ist ein Problem, weil sie keine natürlichen Feinde haben und die Population anderer Arten dezimieren. Die Menschen sind es auch, die diesen Tieren und deren Ausbreitung Einhalt gebieten müssen. Der Jagdbericht belegt das.

Die Zahl der abgeschossenen oder als Fallwild zu Tode gekommenen Waschbären hat in der Jagdsaison 2021/22 einen Rekordwert erreicht. Mit 23.322 erlegten Tieren waren es 10,3 Prozent mehr getötete Tiere im Vergleich zu 2021/22, wie Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, bei der Vorstellung des Landesjagdberichts sagte.

Jagdbericht: Höchstmarken in Abschüssen von Waschbären und Anzahl an Jagdscheinen in Niedersachsen

Junge Frauen mit Jagdschein: Eine Jägerin geht mit ihrer Flinte zu einem Hochsitz bei Natendorf in Niedersachsen, das eine sehr hohe „Jägerdichte“ hat.
Junge Frauen mit Jagdschein: Eine Jägerin geht mit ihrer Flinte zu einem Hochsitz bei Natendorf in Niedersachsen, das eine sehr hohe „Jägerdichte“ hat. © Philipp Schulze/dpa

Das Tier gilt als eine invasive Art; auch der putzige Waschbär wurde von Menschen nach Deutschland gebracht. Zu Fallwild zählen Tiere, die verendet sind oder bei Unfällen starben, so erging es etwa 1.000 Waschbären. Die Bejagung sei notwendig, stellte Dammann-Tamke klar: „Auch andere Arten leiden unter dem Waschbären.“ So werfe das kletterbegabte Tier Jungvögel aus ihren Nestern, um sich darin aufzuhalten.

Auch andere Arten leiden unter dem Waschbären.

Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen

Weitere invasive Arten sind Nutria und Marderhunde. Bei diesen beiden Arten ging die Zahl der erlegten Tiere aber zurück: Bei der mit dem Biber verwechselten Nutria – auch bekannt als Biberratte – sank sie dem Bericht zufolge um 10,2 Prozent auf 40.980 Tiere; beim Marderhund um 10,7 Prozent auf 3.914 Tiere.

Nutria sind vor allem für den Hochwasserschutz gefährlich, weil sie ihre Baue gern in den Deichen anlegen, was die Bauwerke schwächt, berichtete Dammann-Tamke. Die Jägerschaft leiste mit der Bejagung dieser invasiven Arten folglich einen Beitrag zum Natur- und Artenschutz, sagte er. Der Landesjagdbericht wird in zum 20. Mal vorgelegt.

Niedersachsen habe damit ein bundesweit einzigartiges Nachschlagewerk zur Wildtierpopulation, sagte Dammann-Tamke. Das Jagdjahr beginnt am 1. April und endet am 31. März. Mit Blick auf das Rotwild äußerte Dammann-Tamke die Sorge, dass die Lebensräume der Tiere immer isolierter voneinander werden. Damit drohe, die genetische Vielfalt verloren zu gehen.

Das Interesse an der Jagd nimmt zu: besonders viele Jägerprüfungen in Niedersachsen

Den Tieren müssten eigentlich die Gelegenheiten gegeben werden, in großen Räumen zu wandern, sagte der Chef der Landesjägerschaft. Angesichts der immer stärker zersiedelten Landschaft in Niedersachsen gebe es dafür kaum noch Möglichkeiten.

Bei Autobahnneubauten müssten spezielle Wildtierbrücken über die Fahrbahnen die Wanderungen der Tiere ermöglichen. „Wir müssen darüber nachdenken, solche Brücken auch über bestehende Autobahnen zu bauen.“ Von solchen Brücken würden auch andere Tierarten profitieren.

Derweil ist das Interesse an der Jagd weiter groß: Die Zahl der erfolgreichen Jagdscheinprüfungen stieg von 3425 auf 4116. Laut Jagdbericht wurden somit mehr als ein Viertel der bundesweit abgelegten Jägerprüfungen in Niedersachsen abgelegt, das schon 2016 eine hohe Jägerdichte (ein Jäger auf 130 Einwohner) unter den Bundesländern hatte.

Insgesamt gehen gut 60.000 Jäger auf einer Fläche von mehr als vier Millionen Hektar ihrem Beruf oder Hobby nach, bundesweit sind es knapp 400.000 Jagdscheininhaber. Damit verfügt jeder 213. Bundesbürger über einen Jagdschein. Übrigens: 48 Teilnehmer legten in 2021/22 ihre Falknerprüfung erfolgreich in Niedersachsen ab. (dpa/tko)

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