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Kosten für Autobahnen in Niedersachsen explodieren

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Von: Peter Mlodoch

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Die Kosten für die drei großen Autobahnprojekte in Niedersachsen explodieren förmlich. Ein neuer Bericht schlüsselt die Kosten für die Bauprojekte auf.

Hannover – Die Kosten für die drei großen Autobahnprojekte in Niedersachsen ufern weiter aus. So taxiert das Bundesverkehrsministerium den finanziellen Aufwand für die Küstenautobahn A20 von Westerstede bis nach Drochtersen inzwischen auf 3,935 Milliarden Euro.

Vor anderthalb Jahren lag die Kalkulation noch bei 2,858 Milliarden Euro. Im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2016 sind die acht Abschnitte mit insgesamt 2,589 Milliarden Euro veranschlagt. Die Preissteigerung seitdem beträgt mithin 52 Prozent.

Neuer Bericht zu Bauprojekten: Kosten für Autobahnen in Niedersachsen explodieren

Protest: Seit Jahren gibt es auch Gegner des geplanten Weiterbaus der A39.
Protest: Seit Jahren gibt es auch Gegner des geplanten Weiterbaus der A39. (Archivbild) © Holger Hollemann/dpa

Noch schlimmer sieht es mit der geplanten Elbquerung nach Glückstadt in Schleswig-Holstein aus: Im BVWP 2016 sollte diese Verbindung 390 Millionen Euro kosten. Inzwischen sind für den mittlerweile geplanten Tunnel 1,502 Milliarden Euro taxiert – eine Steigerung um 285 Prozent.

Die Gesamtkosten für das Projekt in beiden Ländern erreichen jetzt 6,525 Milliarden Euro – 2,78 Milliarden mehr als ursprünglich mal angesetzt. Während die Grünen die A20 und die beiden anderen Projekte auf den Prüfstand stellen wollen, hält die noch amtierende Große Koalition von SPD und CDU in Niedersachsen daran fest.

Die aktuellen Kostenzahlen ergeben sich aus einem 117-seitigen Bericht des Verkehrsministeriums von Ressortchef Volker Wissing (FDP), den das Bundesfinanzministerium jetzt an den Haushaltsausschuss des Bundestages übermittelt hat. Die Aufstellung über die bundesweiten Aus- und Neubauprojekte für Fernstraßen, Wasserwege und Schienennetze liegt unserer Zeitung vor.

Danach schnellen auch die Preise für die 106 Kilometer lange A39 von Lüneburg nach Wolfsburg in die Höhe. Die neue Kalkulation beläuft sich auf 1,567 Milliarden Euro nach den 1,352 Milliarden Euro, die der damalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Frühjahr 2021 bekanntgegeben hatte. Im BVWP 2026 waren es sogar nur 1,038 Milliarden Euro. 51 Prozent beträgt mithin die Kostensteigerung.

Elbquerung wird 2,7 Milliarden Euro teurer

Noch dramatischer sieht es bei der A33, den Lückenschluss von Osnabrück-Belm bis zur A1, aus. Die Kosten sind von 142,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf jetzt 184,3 Millionen Euro angewachsen. Gegenüber dem BVWP 2016, wo lediglich 87 Millionen Euro standen, bedeutet das eine Steigerung von 112 Prozent.

„Die derzeitigen Kostenexplosionen sind bei Weitem noch nicht das Ende der Fahnenstange“, befürchtet der Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kinder (Grüne) aus Hannover. Denn die massiv gestiegenen Bau- und Energiekosten durch den russischen Krieg und gestörte Lieferketten seien noch gar nicht in den Zahlen des Verkehrsministeriums enthalten.

Der Parlamentarier fordert eine Reform des BVWP: „Die vorhandenen Fachkräfte, enge Kapazitäten bei Planung und Bauwirtschaft und die begrenzten Haushaltsgelder müssen wir auf den Erhalt von maroden Straßen, insbesondere bei Brücken, und in die klimafreundliche Schiene konzentrieren.“

A20 und A39: Unstimmigkeit über Nutzen von Autobahnen

Die A20 und die A39 seien angesichts von Klimakrise und Naturzerstörung von geringem verkehrlichen Nutzen, kritisiert Kindler. „Die unrealistische Wünsch-Wir-Dir-Was-Verkehrspolitik, die SPD-Ministerpräsident Weil und CDU-Wirtschaftsminister Bernd Althusmann bei der A20 und A39 betreiben, ist nicht mehr zeitgemäß.“

Die künftige Landesregierung müsse bei limitierten Haushaltsgeldern klare Prioritäten für eine moderne, klimafreundliche Verkehrsinfrastruktur setzen.

Autobahnvorhaben sind von enormer Bedeutung, um Niedersachsen als Logistik- und Wirtschaftsstandort leistungsfähig und attraktiv zu halten.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann

Ressortchef Althusmann weist die Vorwürfe zurück. „Diese Autobahnvorhaben sind von enormer Bedeutung, um Niedersachsen als Logistik- und Wirtschaftsstandort leistungsfähig und attraktiv zu halten.“ Die Prognosen zeigten, dass Auto- und Güterverkehr in den kommenden Jahren weiter zunehmen werden.

Grüne üben Kritik an den Projekten

„Die Projekte werden für mehr Kapazitäten auf der Straße und für bessere Anbindungen der einzelnen Regionen sorgen, was den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort zugutekommt“, meint der Minister. Ähnlich sehen es Regierungschef Stephan Weil und seine Genossen. In ihrem Wahlprogramm, das die SPD im Mai verabschiedete, befindet sich ein klares Bekenntnis zu den Projekten.

„Wir sind für die konsequente Weiterplanung und den Weiterbau der A20 über Elbe und Weser, einschließlich der A26 bis Hamburg sowie der A39 zwischen Wolfsburg und Lüneburg“, heißt es dort. Welche Rolle die neuen Kostenexplosionen in den Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl spielen, bleibt abzuwarten. (Peter Mlodoch)

Weiterbau der A20 ist vorerst gestoppt, Nachbesserungen bei Planung sind nötig. Laut ADAC sind Autofahrer in Niedersachsen einem höheren Risiko für tödliche Unfälle ausgesetzt als in anderen Bundesländern.

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