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Öko-Landbau: Mehr Biohöfe in Niedersachsen trotz Hürden der Bürokratie

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Von: Raphael Digiacomo, Thomas Kopietz

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In Niedersachsen wächst die Zahl der Öko-Landbau-Betriebe. Bio-Produkte liegen im Trend, doch Energiekrise und Ukraine-Krieg haben Einfluss auf Absatz und Kundenverhalten.

Hannover – In Niedersachsen gibt es aktuell 2.453 Bio-Höfe. Ende 2020 waren es genau 200 weniger, 2.253. Dennoch: „Nur“ 5,6 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche im Agrarland Niedersachsen wurden 2021 ökologisch bewirtschaftet – 2020 waren es 5,4 Prozent. Auch die Nachfrage nach Bioprodukten wächst.

Gleichwohl zieht es die Kunden oft lieber in den Discounter als auf die Höfe und zu den Direktvermarktern. Dennoch wollen viele Landwirte ihren Betrieb umstellen. Aber die Hürden der Bürokratie sind mitunter hoch. Die Zahl der Biobauernhöfe ist in Niedersachsen trotzdem weiter gestiegen.

Mehr Biohöfe im Land: Zahl der Öko-Landbau-Betriebe in Niedersachsen wächst

Bio-Zertifikate sind für viele Konsumenten mittlerweile ein Kaufargument.
Bio-Zertifikate sind für viele Konsumenten mittlerweile ein Kaufargument. (Symbolbild) © dpa

2021 ließen sich nach Angaben des Kompetenzzentrums Ökolandbau in Niedersachsen mit 200 landwirtschaftlichen Betrieben deutlich mehr Höfe ökozertifizieren als in Vorjahren. In guten Jahren seien es 100 bis 160 Betriebe pro Jahr gewesen, die von konventioneller auf biologische Landwirtschaft gewechselt seien.

Dabei seien die Probleme der Biohöfe in vielen Bereichen vergleichbar mit denen der konventionellen Betriebe, sagte Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Ökolandbau. In beiden Bereichen spürten die Betriebe die derzeit extrem hohen Energiekosten aufgrund des Ukraine-Krieges.

Auch die deutlich gestiegenen Lohnkosten seien für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe ein Problem. Mit einem Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde lägen die Kosten deutlich höher als in den Nachbarländern. Die hohen Energiepreise beeinflussen laut Grieshop auch das Verbraucherverhalten, weil die Menschen bei den Lebensmitteln sparen.

Biobauern können die Mehrkosten für Lagerung, Futter oder Energie nicht in vollem Umfang weitergeben.

Carsten Bauck, Vorsitzender des Ökolandbau-Ausschusses im Landvolk Niedersachsen

Die Leute gäben etwas weniger für Bio aus: „Wir erleben vor allem einen Rückgang bei den Direktvermarktern und den Naturkosthändlern.“ Zuwächse gebe es bei den Discountern und im Lebensmitteleinzelhandel. „Biobauern können die Mehrkosten für Lagerung, Futter oder Energie nicht in vollem Umfang weitergeben“, sagte der Vorsitzende des Ökolandbau-Ausschusses im Landvolk Niedersachsen, Carsten Bauck.

Bio-Produkte generell im Trend – Nachfrage der Kunden leidet unter Ukraine-Krieg und Energiekrise

Mit der Krise in der Ukraine habe die Nachfrage extrem nachgelassen. Bioprodukte seien aber keine Massenware. „Wir brauchen keine Masse und keinen Weltmarkt, sondern bauen nur das an, was wir in der Region verkaufen und verbrauchen können“, sagte Bauck. Alles andere sei Verschwendung kostbarer Ressourcen.

In den vergangenen Monaten habe es auch die kuriose Situation gegeben, dass zum Beispiel Biobutter günstiger war als konventionelle Butter. Die Kunden hätten aber trotzdem nicht verstärkt zur Biobutter gegriffen. Das sei aus ihrer Sicht nur so zu erklären, dass die Verbraucher Bioprodukte automatisch mit höheren Preisen assoziierten und gar nicht auf die Idee kämen, Preise zu vergleichen, sagte Grieshop.

Nach wie vor sei die Nachfrage von Landwirten zum Einstieg in die Biolandwirtschaft groß, auch von Fleisch-Erzeugern in der Intensivtierhaltungsregion Westniedersachsen. Aber gerade hier seien die Möglichkeiten, in die Biofleisch-Produktion einzusteigen, sehr gering, weil die Behörden kaum Stallumbauten genehmigten.

Mangelnde Hilfe des Staates: Bürokratie schafft Hürden für Umstellung auf Bio-Landwirtschaft

Auch den Landkreisen seien die Hände gebunden. Letztlich müsse die Bundesregierung hier die Weichen stellen, dass zum Beispiel Offenstallumbauten schneller genehmigt werden können. Diese Schwierigkeiten beträfen auch konventionelle Landwirte, die auf ihren Höfen tierwohlgerechtere Haltungsformen einführen wollen.

Erfolgreich mit Bio: Johannes Müller aus Etzenborn bei Göttingen erhielt 2021 den Ceres Award Junglandwirt – auch für seine Ideen bei der Bewirtschaftung des Familien-Biohofes.
Erfolgreich mit Bio: Johannes Müller aus Etzenborn bei Göttingen erhielt 2021 den Ceres Award Junglandwirt – auch für seine Ideen bei der Bewirtschaftung des Familien-Biohofes. © Deutscher Landwirtschaftsverlag/nh

Auch das Landvolk kritisierte, dass derzeit viele bürokratische Hürden die Umstellung für die Betriebe erschwerten. Der Zuwachs an ökologisch bewirtschafteter Fläche sei im Jahr 2021 das schwächste Wachstum seit 2015 gewesen, sage Bauck.

Wie sich die Biolandwirtschaft in den nächsten Monaten entwickele, hänge ganz entscheidend von den Energiepreisen ab, sagte Grieshop. „Das ist die Voraussetzung für die Betriebsentwicklung im Allgemeinen und im Speziellen erst recht für die Umstellung.“ Die Umstellung auf Ökolandbau sei schließlich eine einschneidende Änderung der Betriebsstruktur. (lni/tko/rdg)

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