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Pilzsammler spüren den Klimawandel: Neue Arten bringen neue Gefahren

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Von: Raphael Digiacomo

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Herbst bedeutet Pilzsaison und die läuft bereits auf Hochtouren. Sammler durchstreifen die Wälder – doch was, wenn sie auf hierzulande bislang unbekannte Arten treffen?

Hannover – Die Pilzsaison läuft auf Hochtouren – dabei sind die Pilzsammler in Niedersachsen auch mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. „Wir merken jetzt die Auswirkungen der Trockenperiode, die ja schon 2018 begann. Es gibt eindeutig zu wenig Niederschläge. Das wirkt sich auf das Pilzaufkommen aus“, macht Pilzberater Lukas Larbig aus Hannover deutlich.

Daher blieben viele Pilze, die in Symbiose mit Bäumen stehen (Mykorrhiza-Pilze), bisher fast aus. Auch Stefan Fischer von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGFM), also der Pilzwissenschaft, sieht die Folgen nicht nur des Dürresommers, sondern auch des trockenen Winters zuvor mit wenig Schnee. „Das hat Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Nicht alle Arten bilden sich aus“, erklärt Fischer.

Pilzsammler in Niedersachsen spüren den Klimawandel – neue Arten bringen neue Gefahren mit sich

Regen lässt die Pilze sprießen: Zu den besonders schmackhaften Exemplaren gehört der Steinpilz, den Experte Helmut Kolar gefunden hat.
Regen lässt die Pilze sprießen: Zu den besonders schmackhaften Exemplaren gehört der Steinpilz, den Experte Helmut Kolar gefunden hat. © Thomas Frey/dpa

Infolge des Klimawandels wandern neue, wärmeliebende Arten aus dem mediterranen Raum seit mindestens 10 bis 20 Jahren in den Norden, wie Larbig erläutert: „Das geht so weit, dass wir teilweise in Deutschland stabile Vorkommen von Kaiserlingen haben, die sonst eher südlich der Alpen auftreten.“

Fischer zufolge finden sich etliche Arten inzwischen in höheren Lagen oder nördlicher bis in skandinavische Gebiete. Pilzarten, die ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet kommen, können also immer öfter auch in Niedersachsen zu finden sein. Im schlimmsten Fall kann das zu gefährlichen Vergiftungen durch Verwechslungen von Pilzarten führen, warnt Lukas Larbig.

So könne eine neue, giftige Champignonart nun beispielsweise leicht mit den ungefährlichen Wiesen-Champignons verwechselt werden. Er habe diesen sogenannten falschen Wiesen-Champignon, der Magen-Darm-Probleme auslösen kann, sogar schon in Hannover am Maschsee gefunden. „Das macht es jetzt für Speisepilzsammler nicht wirklich einfacher“, sagt Larbig.

Oftmals unterschätzte Gefahr: Vergiftungen in Niedersachsen nehmen zu

Führt der Klimawandel also zu mehr Vergiftungen durch Pilze? Eine direkte Verbindung ist wissenschaftlich nicht zu belegen, die Zahl der Vergiftungen hat in Norddeutschland laut einer Statistik des Giftinformationszentrums-Nord (GIZ-Nord) jedoch zugenommen. So wurden bei dem Informationszentrum mit Sitz in Göttingen in den Jahren 2016 bis 2018 insgesamt 1444 Pilzvergiftungen gemeldet, in den Jahren 2019 bis 2021 waren es 2312.

Um Pilze richtig zu sammeln und Vergiftungen zu vermeiden, ist laut dem Naturschutzbund Niedersachsen ein Pilz-Bestimmungsbuch „unverzichtbar“. Alternativ gibt es landesweit zahlreiche Pilzsachverständige, die über die Website der DGFM mit Hilfe einer Karte gefunden werden können.

Die Experten raten jedoch von Pilzbestimmungs-Apps für das Smartphone ab. „Die sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen“, meint Larbig. Mittels künstlicher Intelligenz sollen die Apps Pilzarten mit Hilfe von Fotos benennen können. „Davor ist unbedingt zu warnen, die Apps sind nicht sicher genug.“

Die Erfahrung zeige, dass schon mehrere Vergiftungen auf die Apps zurückzuführen waren. Es gibt aber auch positive Nachrichten für Pilzsammler. Da es in der vergangenen Wochen vermehrt zu Niederschlägen kommt, tauchen nun immer mehr Pilze auch in den niedersächsischen Wäldern auf. (dpa/rdg)

Die Nosferatu-Spinne breitet sich zunehmend in Deutschland aus, auch in Niedersachsen werden immer mehr Exemplare der giftigen Spinne gemeldet. Internationale Forscher, darunter auch von der Uni Göttingen, wollen wissen, was Wälder in Europa für das Klima leisten müssen.

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