Tierschutz

Aus für Stachelhalsbänder: Einsatz von Polizeihunden im Wandel

Einsatz, Ausbildung und Haltung von Polizeihunden sind im Wandel. Grund ist die Tierschutz-Hundeverordnung, die nun Stachelhalsbänder verbietet.

Hannover – Jahrelang setzte die Polizei auf die Hilfe von Hunden, sei es bei Ausschreitungen oder zur Fahndung Flüchtiger zum Wittern von Fährten. Um die Vierbeiner auch in Extremsituationen kontrollieren zu können, nutzten die Hundeführer unter anderem Stachelhalsbänder. Dies ist nun nicht mehr erlaubt – die Polizei muss umdenken.

Die Tierschutz-Hundeverordnung sieht ein Verbot schmerzhafter Mittel im Umgang mit Hunden vor. Als Konsequenz werden Polizeihunde in Niedersachsen und Bremen bei manchen Großlagen nicht mehr eingesetzt. So verzichtet die Polizei in Niedersachsen beispielsweise bei Fußballspielen und Demonstrationen auf einen Teil der Diensthunde.

Einsatz von Polizeihunden im Wandel: Stachelhalsbänder sind nicht mehr erlaubt

Ein Polizeihundeführer führt auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Bremen seinen Schäferhund-Rüden vor.

So zählt in Bremen das Stoppen größerer Menschengruppen und die Trennung rivalisierender Gruppierungen dazu, wie das Innenressort mitteilte. Grund in beiden Ländern ist, dass Stachelhalsbänder nun schlicht verboten sind. Die neue Bestimmung in der Tierschutz-Hundeverordnung trat im Januar 2022 bundesweit in Kraft.

Folglich musste auch die Ausbildung von Schutzhunden der Polizei grundlegend geändert werden. Bislang wurden diese Hunde mit Halsbändern ausgebildet und geführt, die ihnen bei Bedarf kurz die Luft abschnüren können. Schmerzhafte Reize waren demnach in manchen Situationen ein Signal an den Hund, um unerwünschtes Verhalten zu verhindern.

Mit dem Verbot hat sich der Einsatzbereich der Hunde grundsätzlich verändert. Nach Zahlen von Juni 2022 gibt es in Niedersachsen circa 220 Polizeihunde, so eine Sprecherin des Innenministeriums. Der größte Anteil davon ist zum Einsatz als Schutz- und Spezialhund ausgebildet.

Tierschutz-Hundeverordnung hat Einfluss auf Haltung und Ausbildung von Polizeihunden

Aufgrund der Umsetzung der Tierschutz-Hundeverordnung sei bislang ein Hund verkauft worden. Das Aus- und Fortbildungskonzept ist demnach verändert worden. „Außerdem sind bereits die Ankaufskriterien für den Erwerb von Welpen und Junghunden umgestellt worden“, so die Ministeriumssprecherin.

„Eingestellt wurde auch der Ankauf von älteren Hunden, die bereits vorausgebildet worden sind, teilweise mit Stachelhalsband, da eine sogenannte „Umgewöhnung“ wenig erfolgversprechend erscheint.“

Eine Sprecherin des Bremer Innenressorts sagte über die Polizeihunde der Stadt Bremen: „Aktuell werden die Diensthunde entweder zu Stöber- oder Fährtenarbeit, zum Beispiel um einen Fluchtweg nachzuvollziehen, oder im Rahmen ihrer Spezialisierung eingesetzt.“

Demnach wurden die meisten davon zunächst als Schutzhunde ausgebildet und erhielten im Anschluss eine Spezialisierung etwa als Sprengstoffspürhund oder Rauschgiftspürhund. In Bremerhaven wird den Angaben zufolge geprüft, ob die Schutzhunde für eine Spezialisierung geeignet sind. Die Polizei der Stadt Bremen hat elf Hunde, Bremerhaven vier.

„Flexiblere Mittel“: Keine Technische Lösungen als Ersatz für Polizeihunde geplant

Auch Bremen will weiterhin Schutzhunde ausbilden. Derzeit werde aktuell im Rahmen eines Projektes geprüft, wie eine Ausbildung ohne den Einsatz von Stachelhalsbändern erfolgen kann, hieß es aus dem Innenressort. Bei der Entwicklung neuer Konzepte ist demnach eine Abstimmung zwischen den diversen diensthundeführenden Stellen in Deutschland geplant.

Möglicherweise werde die Bremer Polizei Kooperationen mit anderen Bundesländern anstoßen – etwa zum Aufbau einer eigenen Zucht. Bis zur Umsetzung der neuen Ausbildung sei in manchen Lagen ein erhöhter Kräfteeinsatz von Polizisten nötig.

Günter Mundil aus Etelsen von der Diensthundestaffel der Bremer Polizei mit seinen beiden Schutz- und Rauschgiftspürhunden „Fats“ und „Crawford“

Technische Lösungen als Ersatz für Polizeihunde sind in beiden Bundesländern nicht in Sicht. „Das ist derzeit nicht geplant, wird jedoch ständig geprüft“, hieß es aus Bremen. Das Innenministerium in Hannover teilte mit Verweis auf die vielen Einsatzmöglichkeiten der Vierbeiner mit: „Hunde sind in der Gesamtheit immer noch das flexiblere Mittel.“ (rdg/dpa)

Laut einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg ist die Pflege des Polizeihundes im Urlaub keine Arbeitszeit. Auch das Flugtraining ist Teil der Ausbildung zum Spezialhund am Zentralen Diensthundwesen bei Hildesheim.

Rubriklistenbild: © picture alliance/ ingo Wagner/ dpa

Kommentare

Sid Amos
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Komisch ich hab bei meinem ein Geschirr genutzt. War sogar einfacher und effektiver wie ein Halsband; denn da hat man nur einen Zugpunkt, den am Hals, Bem Geschirr zieht man am ganzen Körper. Schonender für den Hund und durch den Griff am Geschirr kann man mit beiden Händen arbeiten wenns nötig ist. Die einzigen die sich da 'Umgewöhnen' müssen sind die Ausbilder und Prüfer; und so mancher Hundeführer. Stimmt das Verhältnis/die Beziehung zwischen Hund und Hundeführer nicht dann hillft da auch kein Stachelhalsband. Genauso wenig wie Teletaks und andere Spielereien die mittlerweile verboten wurden.

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