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Vorwurf: Beihilfe zum Totschlag – Staatsanwaltschaft fordert Freispruch im Högel-Prozess

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Von: Raphael Digiacomo

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Am Landgericht Oldenburg läuft ein Prozess gegen ehemalige Vorgesetzte des Patientenmörders Niels Högel wegen Beihilfe zum Totschlag. Die Staatsanwaltschaft fordert nun einen Freispruch für alle Angeklagte.

Oldenburg – Umstrittenen Forderung im Schauerprozess: Einen Freispruch für alle sieben Angeklagten hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch (12.10.2022) im Prozess gegen ehemalige Vorgesetzte des Patientenmörders Niels Högel vor dem Landgericht Oldenburg in Niedersachsen gefordert.

Beihilfe zum Totschlag beziehungsweise versuchten Totschlag durch Unterlassen lautet der Vorwurf, der drei Ärzten, zwei leitenden Pflegerinnen, einem leitenden Pfleger sowie dem Ex-Geschäftsführer der Kliniken Oldenburg und Delmenhorst vorgeworfen wird.

Högel-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert Freispruch für ehemalige Vorgesetzte des Patientenmörders

Die Weser-Ems-Hallen, in die das Landgericht aus Platzgründen den Prozess gegen frühere Vorgesetzte des ehemaligen Krankenpflegers Högel, an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst, verlegt hatte.
Die Weser-Ems-Hallen, in die das Landgericht aus Platzgründen den Prozess gegen frühere Vorgesetzte des ehemaligen Krankenpflegers Högel, an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst, verlegt hatte. Wegen der Mordserie müssen sich Mitarbeiter der Kliniken Oldenburg und Delmenhorst vor Gericht verantworten. (Symbolbild) © Sina Schuldt/dpa

Zwar habe es durchaus Auffälligkeiten und Vermutungen gegeben, doch sei eine vorsätzliche Beihilfe durch Unterlassen oder das bewusste Inkaufnehmen weiterer Schädigungen von Patienten durch Högel nach Sichtung der Beweise nicht festzustellen, sagte Staatsanwältin Gesa Weiß in ihrem Schlussplädoyer.

Die Nebenklage schloss sich dem an. Das Urteil soll am 25. Oktober verkündet werden. Die Angeklagten können auf einen Freispruch hoffen. Das Gericht hatte in einer vorläufigen Einschätzung vor drei Wochen mitgeteilt, die Beweisaufnahme habe ein vorsätzliches Handeln nicht mit ausreichender Gewissheit belegt. 

Landgericht Oldenburg: Staatsanwaltschaft sieht keine Mitverantwortung der Vorgesetzten an der Mordserie

Högel wurde 2019 wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte Patienten mit Medikamenten vergiftet, um sie anschließend reanimieren zu können. So wollte er als Lebensretter glänzen. Högel war zunächst in Oldenburg, später am Delmenhorster Krankenhaus beschäftigt.

In dem laufenden Prozess sollte eine Mitverantwortung seiner Vorgesetzten an der Mordserie geklärt werden. Weiß sagte, einzelne Angeklagte hätten zwar Schuld auf sich geladen, diese sei aber „nicht justiziabel“. Noch am Nachmittag werden die Plädoyers der Verteidigung erwartet. (rdg/epd)

Das Kollektiv Werkgruppe2 hat das Theaterstück „Überleben“ über die Auswirkungen der vom Ex-Krankenpfleger Niels Högel begangenen Klinikmorde auf die Bühne gebracht. Auch die Ethikkommission der Uni-Klinik Göttingen hat sich mit der Mordserie von Niels Högel befasst.

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