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„Gravierende Folgen für Patienten“: Rettungsdienste in Niedersachsen sind am Limit

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Von: Fabian Raddatz

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Die Gewerkschaft Verdi warnt vor einer Überlastung der Rettungsdienst in Niedersachsen und Bremen und „gravierenden Folgen für Patienten“.

Hannover/Bremen – Die Gewerkschaft Verdi schlägt Alarm: „Unmittelbar vor den Weihnachtsfeiertagen steht der Rettungsdienst in Niedersachsen und Bremen vor einer Überlastung.“  Es drohe der Ausnahmezustand mit gravierenden Folgen für die Patientinnen und Patienten, schreibt Verdi in einer Mitteilung. Das berichtet kreiszeitung.de.

Die Gründe für die derzeitige Situation seien vielfältig: Unter anderem würde der Personalmangel im Rettungsdienst und in den Kliniken, krankheitsbedingte Ausfälle, Kündigungswelle, eine nicht ausreichenden kassenärztlichen Notfallversorgung sowie der fehlenden Aufklärung der Bürger, wann es sich überhaupt um einen Notfall handelt oder nicht, dafür sorgen, dass der Rettungsdienst in Niedersachsen und Bremen derzeit am Limit arbeite.

Rettungsdienste in Niedersachsen und Bremen sind am Limit

Rettungsdienst
Laut der Gewerkschaft Verdi stehen die Rettungsdienste in Bremen und Niedersachsen kurz vor einem Ausnahmezustand. © Jens Kalaene/dpa/Symbolbild

„In den Kommunen mit Berufsfeuerwehren wird vermehrt auf das Personal der Löschzüge zur ersten Notfallversorgung zurückgegriffen, wenn keine freien Rettungsmittel mehr vorhanden sind“, sagt Mario Kraatz, Vorsitzender des Verdi-Fachvorstands Feuerwehr Niedersachsen Bremen. Diese Ersatzlösung sei aber längst nicht in allen Kommunen des Landes möglich.

Psychische Belastung von Personal ist massiv gestiegen

Doch die Überlastung betreffe inzwischen längst nicht mehr nur den Rettungsdienst. Auch die Leitstellen befänden sich an ihren Belastungsgrenzen oder hätten diese überschritten. Der Grund: Dort beginnt in der Regel jedes Hilfeersuchen.

Viele eingehenden Notrufe seien allerdings keine, sondern liefen nur deswegen in den Leitstellen auf, weil die Arztpraxen und die Kassenärztliche Notfallversorgung oft nicht erreichbar seien. „Ab einem gewissen Zeitpunkt sind die Bürgerinnen und Bürger dann so verzweifelt, dass sie den Notruf wählen, da sie dort zumindest jemanden erreichen“, so Kraatz.

Dadurch sei die psychische Belastung der Mitarbeitenden in den Leitstellen massiv gestiegen.

Feuerwehr Bremen hat mit hohem Einsatzaufkommen zu kämpfen: „Zahl ist beunruhigend“

Michael Richartz, Sprecher der Bremer Feuerwehr, kann die Verdi-Aussagen bestätigen: „Waren 2021 von der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle noch 152.000 112-Notrufe zu bearbeiten, werden wir das Jahr 2023 mit rund 180.000 Notrufen abschließen. Diese Zahl ist beunruhigend.“

Auch die Zunahme an Einsätzen bereite Richartz Sorgen: „2021 hatten wir rund 81.000 Rettungsdiensteinsätze zu bewältigen, im Jahr 2022 könnten es knapp 90.000 werden.“

Verdi warnt vor Ausnahmezustand bei den Rettungsdiensten und fordert die Politik zum Handeln auf

Verdi fordert deshalb, neue Wege im Bereich der Präklinischen Notfallversorgung zu gehen: „Die Gewerkschaft fordert die Politik, insbesondere Gesundheitsministerin Daniela Behrens, zum Handeln auf, bevor landesweit ein rettungsdienstlicher Zustand eintritt, wie er leider in Berlin vor wenigen Wochen bereits vorgekommen ist.“

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