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Ukraine-Krieg: Rheinmetall sucht Personal für Panzer-Aufbereitung

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Von: Peter Mlodoch

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Rheinmetall bereitet am Standort Unterlüß ausgemusterte Marder-Panzer der Bundeswehr für die Ukraine auf. Das Unternehmen sucht nun weiteres Personal.

Unterlüß – Draußen vor einer Halle stehen sechs Marder – entrostet, generalüberholt und frisch gestrichen. Die neue Farbe ist ein schlichtes Grün. Denn einen Abnehmer dieser und weiterer Schützenpanzer gibt es offiziell noch gar nicht.

„Wir warten auf die Exportgenehmigung“, sagt ein Mitarbeiter des Rüstungskonzerns Rheinmetall am Standort Unterlüß bei Celle in Niedersachsen. „Das Kanzleramt ist etwas zögerlich unterwegs.“

Rheinmetall bereitet ausgemusterte Panzer auf – neues Personal gesucht

Rheinmetall hatte die Lieferung der von der Bundeswehr ausgemusterten und wieder aufzubereitenden Marder angeboten. Die Bundesregierung hat nach bisherigem öffentlichen Stand aber noch nicht entschieden.
Rheinmetall hatte die Lieferung der von der Bundeswehr ausgemusterten und wieder aufzubereitenden Marder angeboten. Die Bundesregierung hat nach bisherigem öffentlichen Stand aber noch nicht entschieden. © Julian Stratenschulte/dpa

Die aus Altbeständen der Bundeswehr stammenden und von dem Unternehmen auf eigene Kosten aufgemöbelten Marder sollen eigentlich in die Ukraine geliefert werden. Bis September könnten 30 solcher Panzer von Rheinmetall an den neuen Eigentümer wechseln; bis zu 100 sind insgesamt denkbar.

Doch die Modalitäten – ob direkt oder im Ringtausch mit Nato-Partnern wie Tschechien sind politisch heikel. „Wir stehen im täglichen Kontakt mit der Bundesregierung“, gibt sich Vorstandsvorsitzender Armin Papperger beim Besuch von Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) diplomatisch.

Rheinmetall: Bis zu 100 aufbereitete Marder-Panzer könnten an neuen Eigentümer gehen

Dass zeitgleich eine Delegation des ukrainischen Verteidigungsministeriums die Waffenproduktion in der Südheide besichtigt, dementieren die Vertreter des Konzerns nicht. „Ich hoffe, dass die 30 Marder der Ukraine bald zur Verfügung gestellt werden“, meint Althusmann in Richtung Berlin.

Ich hoffe, dass die 30 Marder-Panzer der Ukraine bald zur Verfügung gestellt werden.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU)

Aber auch ohne den bevorstehenden Ukraine-Deal stehen die Panzerproduzenten bestens da. An über 100 Standorten weltweit beschäftigt der Konzern insgesamt rund 28.000 Mitarbeiter.

Der Vorstandschef berichtet, dass das Bundesverteidigungsministerium soeben den Weg für die Bestellung von 200 neuen Puma-Schützenpanzern der zweiten Generation für die Bundeswehr freigegeben habe. Dieser Auftrag war vor dem russischen Angriff auf die Ukraine noch höchst umstritten. Jetzt steht er in einer Reihe vieler weiterer Rüstungsprojekte.

Verteidigungsministerium: Zahlreiche neue Rüstungsprojekte seit dem russischen Angriff auf die Ukraine

Papperger, von Hause aus Maschinenbau-Ingenieur, macht keinen Hehl aus seinen optimistischen Prognosen. Betrug das gesamte Auftragsvolumen im vergangenen Jahr 24,5 Milliarden Euro, erwartet er 35 Milliarden Euro für 2023 und sogar 50 Milliarden Euro im Folgejahr.

Der Konzern profitiert massiv vom 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr und dem deutlich erhöhten Wehretat in den kommenden Jahren.

Auch ohne Ukraine-Deal: Rheinmetall ist gut aufgestellt – Belegschaft soll erweitert werden

Für diesen Boom braucht es neue Arbeitnehmer. In Unterlüß soll die soll die Belegschaft von derzeit 2100 auf um zusätzlich 400 Mitarbeitende erweitert werden. Hier sollen die neuen Puma-Panzer gebaut werden; die bereits von der Bundeswehr eingesetzten Puma werden hier nachgerüstet.

Rheinmetall fertigt außerdem gepanzerte Kabinen für Militärlastwagen; diese verfügen über ein eigenes Raketenabwehrsystem. Auch der erst vor einigen Woche neu präsentierte Kampfpanzer Panther mit einem 130-Millimeter-Kanonenrohr wurde hier entwickelt.

Der Standort befindet sich auf einem 62 Quadratkilometer großen Heidestück; davon umfassen 56 Quadratkilometer das firmeneigene Versuchsgelände für regelmäßige Schießerprobungen.

Neues Rechenzentrum in der Heide geplant

Für den Bremer Standort würden 150 bis 200 neue Leute gesucht, kündigt Papperger. Bisher beschäftigt Rheinmetall dort rund 1900 Personen. Sie produzieren unter anderem komplette Ausrüstungssysteme für Soldaten.

Niemand will Krieg. Aber man muss sich verteidigen können.

Wirtschaftsminister und Reservehauptmann Bernd Althusmann

„Niemand will Krieg. Aber man muss sich verteidigen können“, sagt Reservehauptmann Althusmann. Der Wirtschaftsminister verweist auf die große Bedeutung der Rüstungsindustrie für Niedersachsen, auf die Wertschöpfung, auf die Arbeitsplätze, auf die vielen Zulieferer in der Region. 75 Prozent der Aufträge gebe man an mittelständische Unternehmen weiter.

Sein nächstes Projekt: In der Heide will Rheinmetall ein neues konzernweites Rechenzentrum mit zwei voneinander unabhängigen Standorten errichten. (Peter Mlodoch)

Deutschland muss die Bundeswehr wieder aufrüsten, das bedeutet auch einen Geldsegen für Niedersachsen. In Göttingen diskutierten Experten über die Angst vor einem Atomkrieg, geopolitische Interessen der USA und die Einstellung der russischen Bevölkerung.

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