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Schweres Zugunglück bei Gifhorn: Ermittler gehen von menschlichem Versagen aus

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Von: Raphael Digiacomo, Bernd Schlegel

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Zu einem schweren Zugunglück kommt es am Donnerstag in frühen Morgenstunden bei Leiferde (Landkreis Gifhorn). Nun gehen die Ermittler von menschlichem Versagen aus.

Update vom 21.11.2022, 15.41 Uhr: Hannover – Vier Tage nach dem schweren Bahnunglück auf der Bahnstrecke zwischen Hannover und Berlin am Donnerstag (17.11.2022) westlich der Ortschaft Leiferde bei Gifhorn (Niedersachsen) laufen die Arbeiten der Feuerwehr und Bundespolizei noch immer auf Hochtouren.

Nachdem Ermittler der Bundespolizei Beweismittel vor Ort und an den für den Bahnbetrieb verantwortliche Stellen sichergestellt hatten, stehen nun erste Ergebnisse zur Ursache des Unglücks fest: Anscheinend handelte es sich nicht um technisches Versagen des auffahrenden Zuges oder der technischen Sicherungseinrichtung der Bahnstrecke.

Schwerer Zugunfall bei Leiferde: Ermittler gehen von menschlichem Versagen aus

Die entgleiste Lock von einem der zwei kollidierten Güterzüge.
Die entgleiste Lock von einem der zwei kollidierten Güterzüge. © Bundespolizeiinspektion Hannover

Bahnunfallermittler werteten Daten des Zugbetriebes aus und stellten fest, dass eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn (DB) den betroffenen Streckenabschnitt fälschlicherweise freigeben hatte, obwohl dort noch ein Güterzug hielt. Die Frau ließ den darauffolgenden Güterzug mit 25 Kesselwagen in diesem Abschnitt mit 40 km/h fahren.

Dieser fuhr dann auf den stehenden Zug auf. Insgesamt vier Kesselwagen kippten in Folge der Kollision kippten um. An zwei davon entstand ein Leck, aus dem das geladene Propangas langsam entwich.

Bahnunglück bei Gifhorn: Gas in Waggons bleibt ein Problem – DB bietet Sonderkulanz für Reisende

Seitdem sind Spezialisten und die Feuerwehr dabei, das Propangas teilweise abzupumpen und kontrolliert abzufackeln. Erst im Anschluss können die weiteren Bergungs- und Aufräumarbeiten fortgeführt werden. Ein Lokführer wurde bei dem Unfall leicht verletzt.

Die betroffene Strecke bleibt nun voraussichtlich bis Ende November gesperrt. Die Deutsche Bahn bietet derweil eine Sonderkulanz für Reisende. Gegen die Mitarbeiterin der DB wird nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Zugunglück bei Gifhorn: Anhaltende Explosionsgefahr – Umwege für Bahnreisende

Update vom 18.11.2022, 10.54 Uhr: Bis mindestens Sonntagabend kommt es nach dem Zugunglück bei Leiferde (Landkreis Gifhorn) zu erheblichen Behinderungen im Fern- und Nahverkehr, da viele Züge ausfallen beziehungsweise umgeleitet werden. Die Bergung der verunglückten Kesselwagen gestaltet sich unterdessen schwierig. Aus ihnen tritt weiterhin Propangas aus. Es besteht dort weiterhin Explosionsgefahr.

Reisende aus Südniedersachsen und Nordhessen, die in Richtung Berlin fahren wollen, werden von der Bahn gebeten, folgende Routen zu nehmen:

Fahrgäste sollen in den noch verkehrenden Zügen mit einer hohen Auslastung rechnen! Bei Verspätung oder Zugausfall gelten die allgemeinen Fahrgastrechte. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

Aufgrund einer Streckensperrung kommt es bis mindestens Sonntagabend zwischen Berlin und Hannover zu Verspätungen und Zugausfällen. Betroffen sind folgende Verbindungen:

Der Streckenabschnitt bei Leiferde im Landkreis Gifhorn ist weiterhin vollständig gesperrt, die Züge würden umgeleitet, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Freitag. Nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei entweicht weiter explosives Propangas aus zwei Kesselwaggons. Vor der Bergung müssten die Waggons leer sein, sagte er: „Jeder Funken kann dort zu einer Katastrophe führen.“

Zwei Güterzüge sind am Donnerstagmorgen nahe Gifhorn kollidiert. Bei dem Unglück in Niedersachsen wurden mehrere Waggons beschädigt.
Zwei Güterzüge sind am Donnerstagmorgen nahe Gifhorn kollidiert. Bei dem Unglück in Niedersachsen wurden mehrere Waggons beschädigt. © Fernando Martinez Lopez/TNN/dpa

Der Sprecher erklärte, pro Kesselwagen seien 50 Tonnen Gas geladen - es sei davon auszugehen, dass pro Stunde rund 250 Kilogramm entwichen. Die Lage am Unfallort sei unverändert. Auch die übrigen Wagen der beiden Züge privater Bahnunternehmen seien noch nicht geborgen. In der Nacht sei der Unfallort abgesperrt und gesichert worden.

Update von 17.11.2022, 16.15 Uhr: Inzwischen wurde mit den Untersuchungen zur Unglücksursache begonnen. Unfallermittler haben dazu Papiere aus einer der Loks sichergestellt. Bei dem Unglück war ein Güterzug auf einen vor einem Signal stehenden anderen aufgefahren. Solche Unfälle werden normalerweise durch die auf den Strecken installierte Sicherungstechnik verhindert.

Sie sorgt dafür, dass kein anderer Zug in einen Abschnitt mit einem stehenden Zug einfahren kann. Wie genau es trotzdem zu dem Unfall kam, ob es sich um technisches oder menschliches Versagen handelte, ist nun „Gegenstand laufender Ermittlungen“, heißt es von der Bundespolizei. Mit den Untersuchungen werden sich unter anderem Experten des Eisenbahnbundesamtes befassen.

Der Nah- und Fernverkehr der Bahn wird vermutlich noch einige Tage beeinträchtigt sein. Wann die Strecke wieder freigegeben werden kann, war am Donnerstag noch unklar. Es muss mit erheblichen Verspätungen durch Umleitungen gerechnet werden. Im Nahverkehr gibt es einen Schienenersatzverkehr. Verletzt wurde ein 45-jähriger Lokführer. Er kam ins Krankenhaus.

Schweres Zugunglück bei Gifhorn: Explosives Gas tritt aus

Update von 11.15 Uhr: Gifhorn – Die Ursache für das schwere Zugunglück zwischen Lehrte und Wolfsburg bei Leiferde (Landkreis Gifhorn) ist weiterhin im Dunkeln. Soviel ist klar: Gegen 3.30 Uhr war nach Angaben der Bundespolizei in Hannover ein Güterzug von hinten auf einen stehenden Güterzug aufgefahren. Die Lok des auffahrenden Güterzuges hatte 25 Kesselwagen mit Propangas am Haken. Zwei Kesselwagen kippten um und zwei weitere Kesselwagen entgleisten.

Zwei kollidierte Güterzüge.
Ein schweres Zugunglück hat sich am Donnerstagmorgen (17.11.2022) bei Leiferde im Landkreis Gifhorn ereignet. Dabei sind zwei Güterzüge kollidiert, wodurch zwei Kesselwagen mit Propangas umkippten. © Bundespolizeiinspektion Hannover

Verunglückte Lok wurde aus den Gleisen gehoben

Auch die Lok wurde stark beschädigt und aus den Gleisen gehoben. An zwei Kesselwagen entstanden Lecks, aus denen nun Propangas austritt. Zusätzlich wurden auf mehreren hundert Meter die Oberleitung der Bahntrasse abgerissen. Der 45-jährige Lokführer wurde bei dem Aufprall verletzt und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Lokführer des anderen Zuges soll leicht verletzt worden sein.

Strom auf der Bahnstrecke musste abgeschaltet werden

Der Unfallort wurde weiträumig abgesperrt, der Strom musste abgeschaltet und die Strecke komplett gesperrt werden. Bundespolizei, Feuerwehr und Notfallmanager der Deutschen Bahn AG sind vor Ort.

Über die Dauer der Aufräumarbeiten und der Schadenshöhe können aktuell noch keine Angaben gemacht werden. Es kommt zu massiven Einschränkungen im Bahnverkehr zwischen Hannover und Berlin.

Erstmeldung von 8.30 Uhr: Gifhorn – Auf der Bahnstrecke zwischen Leiferde und Dalldorf kam es am Donnerstag gegen 3.30 Uhr in Niedersachsen zu einem schweren Zugunglück. Ein Güterzug ist dort aus bislang unbekannter Ursache auf einen anderen Güterzug aufgefahren, der an einem Signal wartete.

Zwei Waggons sollen entgleist sein. An der Unglücksstelle tritt offenbar explosives Propangas aus. Deshalb gestalten sich die Rettungsarbeiten besonders schwierig.

Schweres Zugunglück bei Gifhorn: Güterzüge prallen gegeneinander – zwei Lokführer verletzt

Die umgestürzten Kesselwagen.
Die umgestürzten Kesselwagen. © Bundespolizeiinspektion Hannover

Wegen des Unglücks ist die Bahnstrecke zwischen Lehrte und Wolfsburg unterbrochen. Die Oberleitung soll auf mehreren hundert Metern Länge abgerissen sein. ICE-Züge müssen weiträumig umgeleitet werden. Es gibt zum Teil Verspätungen von mehr als einer Stunde. Ebenfalls unterbrochen ist der Regionalverkehr mit Enno-Zügen zwischen Wolfsburg und Lehrte. Es soll ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden.

Ein weiteres Problem: Eine wichtige Umleitungsstrecke für Züge, die Weddeler Schleife zwischen Braunschweig und Wolfsburg, ist zurzeit gesperrt.

Behinderungen im Bahnverkehr nach Unfall mit Güterzügen bei Leiferde in Niedersachsen

Folgende Zugverbindungen im Fernverkehr sind laut Bahn betroffen:

Bahnreisende sollten sich vor Fahrtantritt unbedingt informieren. (Bernd Schlegel, Raphael Digiacomo)

Verwandte Themen: In der Vergangenheit ist es in Niedersachsen bereits mehrmals zu tragischen Unfällen mit Zügen gekommen. Vor 30 Jahren ereignete sich ein schweres Zugunglück in Northeim. 2014 entgleiste ein Güterwagen an einem Bahnübergang bei Göttingen; tausende Getränke-Dosen wurden dabei verstreut.

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