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Viele tote Jungstörche: Vogelgrippe trifft Niedersachsen in voller Härte

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Von: Raphael Digiacomo

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Eine Welle der Vogelgrippe rollt über das Land, in Niedersachsen sterben zahlreiche Störche. Ein Experte spricht von einer „mittelschwere Katastrophe“.

Berne – Eine bedrohliche Welle: Die über den Sommer anhaltende Vogelgrippe-Epidemie gefährdet den Bruterfolg bei Jungstörchen im Nordwesten von Niedersachsen deutlich. Dieses Jahr hätten sich daher in den vergangenen Wochen weitaus weniger Störche auf den Weg in ihre Winterquartiere Richtung Süden gemacht, sagte Udo Hilfers, Leiter der Storchenpflegestation Wesermarsch in Berne.

Noch gebe es keine vollständigen Zahlen zum Ausmaß der Vogelgrippe unter der Storchenpopulation, auch wenn dies verheerend ausfallen dürfte. Laut Hilfers sollen weniger als ein Drittel der nun geborenen Jungtiere in der Wesermarsch das Virus überlebt haben. Zur Einordnung: Mehr als 200 Storchenpaare brüten jedes Jahr in der Region.

Viele Jungstörche in Niedersachsen fallen Vogelgrippe zum Opfer

Storch in der Wesermarsch: Die Vogelgrippe hat den Bruterfolg vieler Tiere deutlich verschlechtert.
Storch in der Wesermarsch: Die Vogelgrippe hat den Bruterfolg vieler Tiere deutlich verschlechtert. © Sina Schuldt/dpa

„Das war eine mittelschwere Katastrophe“, betonte Hilfers. Ungewöhnlich sei in diesem Jahr, dass das Virus nach der heftigen Winterwelle nun auch im Sommerhalbjahr in Norddeutschland grassiert. „Die Vogelgrippe war permanent den ganzen Sommer da und hat dieses Mal die Störche erwischt.“ Zwischen Nordseeküste und Dümmer seien viele Störche an dem hochansteckenden Virus erkrankt und gestorben.

An der Küste führte die Vogelgrippe laut Experten in diesem Sommer auch in den Seevogelkolonien und bei Geflügelfarmen zu großen Verlusten. Dabei hätten die Vorzeichen gerade für die Aufzucht von Jungstörchen in diesem Jahr eigentlich gut gestanden, sagte Hilfers. 2019, als die Bedingungen ähnlich waren, seien viele Jungstörche geboren worden. Nach drei Jahren, also 2022, würden die meisten Störche anfangen zu brüten.

Die Vogelgrippe war für die Storchenpopulation in Niedersachsen eine mittelschwere Katastrophe.

Udo Hilfers, Leiter der Storchenpflegestation Wesermarsch

„In diesem Jahr sind sehr viele dieser Störche zurückgekehrt und haben sich neue Brutplätze gesucht. Das war sehr positiv“, so Hilfers. Ausreichend Nahrung sei vorhanden gewesen und auch Nässe oder Kälte habe die Aufzucht in diesem Sommer nicht erheblich gestört. Dann habe aber die Vogelgrippe sowohl Jung- als auch Elterntiere erfasst. „Das war vorher noch nie so ein Problem“, sagte der Experte.

Der Wärme hinterher: Großteil der Störche fliegen nun gen Süden

Die Storchenpflegestation Wesermarsch nahm in der Folge im Sommer weniger Störche zur Pflege und Aufzucht auf – aus Sorge, die hochansteckende Krankheit in die Station einzuschleppen. Der Großteil der Störche hat sich nun bereits im August auf den Weg gen Süden, nach Afrika und auch Spanien gemacht. Der Weißstorch zieht in wärmere Gefilde, der Nachwuchs zuerst.

In der Wesermarsch sind laut Hilfers nur noch einige Nachzügler unterwegs, die in diesen Tagen aufbrechen. Es gebe aber auch Störche, etwa aus Skandinavien und Schleswig-Holstein, die nur bis in den Norden Niedersachsens zögen und dort nun überwintern, sagte Hilfers. In milden Wintern reiche das Nahrungsangebot dann aus. (rdg/lni)

Die Tierschutzorganisation Peta hat einen Oldenburger Konzern wegen qualvollen Mast-Bedingungen von Puten angezeigt. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat nun auch Niedersachsen erreicht: Fragen und Antworten rund um die Tierseuche. Die giftige Nosferatu-Spinne breitet sich nun auch in Niedersachsen aus.

Die Vogelgrippe: Eine große Gefahr

Die Vogelgrippe ist eine Viruserkrankung und wird auch als aviäre Influenza bezeichnet. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort avis für Vogel ab. Die Influenza-A-Viren (H5N1, H5N8, H7N9) befallen laut Tropeninstitut vor allem Vögel – insbesondere Geflügel wie Puten oder Hühner.

Die Veterinärmedizin teilt Vogelgrippe-Viren in wenig krankmachende (niedrigpathogene) und sehr stark krankmachende (hochpathogene) Stämme ein. Die hochpathogenen Viren der Subtypen H5 und H7 führen bei Nutzgeflügel zu schweren Schäden am Tierbestand. Ein Großteil des infizierten Geflügels verendet an der Erkrankung, was den Begriff „Vogelpest“ erklärt. 

Die Influenza-A-Viren können auch beim Menschen Erkrankungen auslösen. Diese sind zwar vergleichsweise selten, da die Vogelgrippe für den Menschen nicht besonders ansteckend ist. Allerdings kann die Erkrankung bei Menschen einen schweren Verlauf nehmen und in extremen Fällen auch zum Tod führen. 2005 fielen dem Vogelgrippevirus H5N1 mehrere hundert Personen zum Opfer.

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