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Weil das Gas fehlt: Schwimmenlernen fällt ins kalte Wasser

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Von: Andree Wächter

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Schwimmen ist gesund. Blöd nur, wenn man es wegen Corona oder geschlossenen Bädern nicht lernen kann. Die DLRG warnt vor den Auswirkungen.

Bad Nenndorf – Der Sprung ins kalte Wasser kostet selbst Dauerschwimmern immer wieder Überwindung. Gerade am Anfang der Freibad-Saison, wenn die Außentemperaturen noch nicht so hoch sind. Doch nun haben die meisten Freibäder schon wieder geschlossen und die Hallenbadesaison startet. So auch in Niedersachsen.

Einige Kommunen lassen sie allerdings komplett geschlossen oder senken die Wassertemperatur. Dies sind Maßnahmen, um Energie zu sparen. Zu den Leidtragenden gehören Kinder. Nach zwei Corona-Jahren steht der Schwimmkurs erneut auf der Kippe, warnt Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Bad Nenndorf. Das berichtet kreiszeitung.de.

Immer mehr Nichtschwimmer: Gesenkte Wassertemperatur wegen der Gaspreise könnte zum Problem werden

Aus wirtschaftlicher Sicht lasse sich die Senkung der Wassertemperatur in Schwimmbädern nachvollziehen, sagte DLRG-Sprecher Christopher Dolz. Aber: Für Schwimmkurse solle eine Wassertemperatur von 26 Grad das Ziel sein, das stehe der Anfängerschwimmausbildung kaum entgegen. Möglicherweise dauere es bei einigen Kindern länger, bis sie schwimmen lernten, weil sie frören und mehr Zeit bräuchten. Doch nicht nur Kinder lernen schwimmen, auch Kurse für Erwachsene werden nachgefragt.

Olympiasieger Florian Wellbrock mahnte bereits: „Wie will man da einem Fünf- oder Sechsjährigen beibringen, dass der jetzt ins kalte Wasser gehen muss und Spaß dabei haben soll, schwimmen zu lernen? Das ist aus meiner Sicht nicht möglich.“

Bäder senken auch in Niedersachsen Wassertemperatur – doch zum Schwimmenlernen mindestens 26 Grad empfohlen

Sollte die Wassertemperatur unter 26 Grad gesenkt werden, sind laut DLRG andere Ausbildungskonzepte beim Schwimmenlernen nötig – mit weniger Zeit im Wasser. Damit werde es aber noch länger dauern, bis Kinder schwimmen lernten – dennoch sei kälteres Wasser einem geschlossenen Bad vorzuziehen.

All das gelte aber nur für die Ausbildung der Schwimmanfänger, sagte Dolz: „Von Babyschwimmen oder Wassergewöhnung brauchen wir hier gar nicht zu sprechen, dafür wäre das natürlich undenkbar – da sollten es wenigstens 30 Grad und mehr sein.“ Schon bei einer Wassertemperatur unter 35 Grad beginne der Körper langsam auszukühlen.

Die Bäderallianz Deutschland, ein Zusammenschluss von Interessensvertretern der Branche, wandte sich Mitte Juli mit einem Positionspapier an die Bundesregierung. Darin forderte sie, auf, die Energieknappheit schrittweise zu reagieren – und zunächst auf „hochtemperierte Außenbecken“ zu verzichten, anschließend nur noch Sport- und Lehrschwimmbecken zu nutzen und schließlich auch dort die Temperatur auf maximal 26 Grad zu senken.

Personen testen die Wasser-Temperatur im Schwimmbad mit den Füßen.
Personen testen die Wassertemperatur im Schwimmbad mit den Füßen. Unter der kalten Wassertemperatur leidet auch die Schwimmausbildung. © Matthias Balk/dpa

DLRG in Niedersachsen warnt: Schließung von Bädern könnte zum Problem werden

Dr. Oliver Liersch, Landesverbandspräsident der DLRG in Niedersachsen, sagte während einer Bezirkstagung Ende August in Steinfeld, dass man aufpassen müsse, dass die Energiekrise nicht ausgenutzt werde, um kommunale Haushalte zu sanieren. Gemeint waren die teilweise sehr frühen Entscheidungen, Bäder komplett zu schließen.

Der Deutsche Olympische Sportbund rief kürzlich die rund 90.000 Sportvereine in Deutschland auf, in den kommenden Monaten mindestens 20 Prozent Energie einzusparen. So solle verhindert werden, dass Schwimmbäder und Sportstätten schließen. In vielen Bädern wird es daher unbequem für Schwimmer: Städte wie etwa Hannover, München, Aachen und Cuxhaven setzen auf kälteres Wasser.

Kriterien für „Sicheres Schwimmen“

15 Minuten ohne Halt und Hilfen im tiefen Wasser schwimmen können und dabei mindestens 200 Meter zurücklegen

In Bauch- und Rückenlage schwimmen können

Mindestens Paketsprung und Sprung kopfwärts beherrschen

Sich unter Wasser orientieren können

Quelle: DLRG

Das Problem: Der Anteil der Nichtschwimmer ist hoch, schon vor der Corona-Pandemie mit ihrem Bäder-Lockdown galten laut DLRG nur rund 40 Prozent der Zehnjährigen als sichere Schwimmer. „Wir gehen davon aus, dass es heute nicht mehr sind“, mahnte Dolz. Erkennbar sei dies an der Zahl der abgenommenen Schwimmabzeichen. Als sicherer Schwimmer gilt, wer das Anzeichen Bronze (Freischwimmer) hat.

DLRG warnt: Während der Corona-Pandemie gab es einen Rückgang bei den Schwimmprüfungen

2020 hätten die Ausbilder am Beckenrand knapp 75 Prozent weniger Prüfungen als ein Jahr zuvor abgenommen – nach 92.913 sank die Zahl demnach auf 23.458. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl immerhin wieder auf 38.112. Bei den Seepferdchen für die Jüngsten gab es 2020 einen Rückgang auf 14.566 - nach 46.958 ein Jahr zuvor. 2021 waren es 36.368 Seepferdchen.

Schwimmabzeichen
Die begehrten Schwimmabzeichen. Allerdings ist man nur ab Freischwimmer (oben links) ein sichererer Schwimmer. © Matthias Balk/dpa/Symbolbild

Dolz sprach von einem „Ausbildungsstau“, der bei weitem nicht abgebaut sei, auch wenn 2000 zusätzliche Kurse ins Leben gerufen worden seien. Aber auch hier gelte: Seien Schwimmbäder geschlossen und fehlten Wasserflächen, nützten auch die zusätzlichen Kursangebote wenig. Auch die Rettungsschwimmausbildung sei betroffen – im laufenden Jahr sei es teils schwierig gewesen, genügend Rettungsschwimmer zu finden.

Immer mehr Nichtschwimmer in Deutschland: Nach Gaskrise könnten Preise in Schwimmbädern steigen

Darüber hinaus dürften die Preise in Schwimmbädern steigen. Inwieweit dies auch für Schwimmkurse zu erwarten sei, wäre „ein Blick in die Glaskugel“, sagte Dolz. Die rund 2000 örtlichen Gliederungen der DLRG organisierten ihre Schwimmkurse selbst, einige hätten langfristige Mietverträge mit den Schwimmbadbetreibern.

Dass diese ihre Eintrittspreise anheben, sei zu erwarten, fraglich sei aber, ob dies auf die Vereine umgelegt werden könne. Der höchste derzeit bekannte Preis, der pro Stunde für die Miete einer Bahn im Schwimmbad bezahlt werden müsse, liege bei etwa 75 Euro.

Im Extremfall einer Schwimmbadschließung sei es nicht leicht, Eltern und Kinder weiter fürs Schwimmen zu begeistern, sagte der Sprecher. Eltern und Kinder könnten aber viel selbst tun – und die Wassergewöhnung zu Hause in Badewanne oder Dusche beginnen.

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