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Wegen mutmaßlicher Sklavenarbeit: Ermittlungen gegen VW in Brasilien

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Volkswagen
Wegen eines aktuellen Ermittlungsverfahrens muss sich der VW-Konzern bezüglich mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen in Brasilien erklären. (Symbolbild) © Hendrik Schmidt/dpa

VW muss sich bezüglich mutmaßlicher Sklavenarbeit, Menschenrechtsverletzungen, und Menschenhandel in Brasilien erklären. Die Staatsanwaltschaft in Rio de Janeiro leitet ein Ermittlungsverfahren ein.

Niedersachsen – Sklavenarbeit, Menschenhandel und Menschenrechtsverletzungen in Hunderten Fällen: Das sind die Anschuldigungen, die eine Staatsanwaltschaft in Rio de Janeiro in einem Ermittlungsverfahren gegen VW erhoben hat. Zwischen 1974 und 1986 soll der Konzern auf einer Farm in Brasilien systematisch Menschen ausgebeutet haben.

Mutmaßliche Sklavenarbeit auf brasilianischer Farm: ehemaliger VW-Manager im Fokus der Ermittlungen

Im Fokus der Anschuldigungen steht nach Angaben des NDR der ehemalige VW-Manager Friedrich Brügger, der von 1974 bis 1986 vom Unternehmen nach Brasilien geschickt worden sei, um im Amazonasbecken eine Farm aufzubauen. Diese sollte für Volkswagen der Einstieg in das Fleischgeschäft werden. Das Angebot über die Fläche sei von Brasiliens Militärdiktatur gekommen. Es winkten Steuererleichterungen. Das Projekt scheiterte jedoch finanziell.

Ermittlungen gegen VW: Akten der Staatsanwaltschaft umfasst 2.000 Seiten

Mehr als 2000 Seiten umfassen die Akten der Staatsanwaltschaft, in denen dem Milliardenkonzern systematische Menschenrechtsverletzungen in Hunderten Fällen, Ausbeutung von Sklavenarbeit und Menschenhandel vorgeworfen werden. Zeugenberichte aus der damaligen Zeit umschrieben auf der Farm Misshandlungen, Schuldknechtschaften und Gewalt. Die Verbrechen sollen auf dem Geländer der Farm an Leiharbeitern verübt worden sein. Diese seien für Rodungsarbeiten eingesetzt worden. Laut Staatsanwaltschaft habe Brügger von den Verbrechen der Arbeitsvermittler gewusst.

Vergewaltigungen, Gewalt und Zwangsarbeit: Zustände auf der Farm seien eine „moderne Form der Sklaverei“

Doch welche Anschuldigungen gibt es konkret? Nach Angaben des NDR sollen Leiharbeiter bei Fluchtversuchen angeschossen, gefesselt und verprügelt worden sein. Zeugen sollen zudem beschreiben, wie die Frau eines Arbeiters als Strafe für einen Fluchtversuch vergewaltigt wurde und wie auch Minderjährige auf der Farm gegen ihren Willen festgehalten wurden. Außerdem sollen kranke Arbeiter mit vorgehaltener Waffe zur Arbeit gezwungen worden sein. Laut Rafael Garcia, dem zuständigen Staatsanwalt, eine „moderne Form der Sklaverei“.

Laut Garcia habe VW diese Zustände nicht nur akzeptiert, sondern auch gefördert. Es hätten unmenschliche Arbeitsbedingungen geherrscht, bei denen die Arbeiter an Malaria starben und „auf der Farm begraben wurden, ohne dass ihre Familien informiert wurden“. In mehreren Fällen soll Kranken oder Verletzten die Behandlung verweigert worden sein.

Ermittlungen wegen Zwangsarbeit: Ehemaliger VW-Manager weist Verantwortung von sich

Der ehemals Verantwortliche Brügger hingegen bestreitet die Vorwürfe und spricht von möglichen Einzelfällen. Es sei vorgekommen, dass Leiharbeiter verschuldet waren, wenn sie zu viel auf der Farm konsumiert hätten. Brügger selbst habe sich nicht verantwortlich gefühlt, da es nicht um direkte Angestellte von VW handelte. „Irgendwo hört die Verantwortung als Unternehmer auf“, sagte er diesbezüglich gegenüber des NDR.

Von VW aus Wolfsburg in Niedersachsen heißt es derweil, dass Brügger nicht für die Volkswagen AG spreche. Seine Aussagen seien im Widersprich zu den Werten des Konzerns. Mit dem Verweis auf das mögliche juristische Verfahren in Brasilien wollte sich das Unternehmen gegenüber des NDR nicht äußern.

Im Falle eines Verfahrens: Einzelpersonen sollen nicht zur Verantwortung gezogen werden

Laut Staatsanwaltschaft gehe es in dem Verfahren jetzt um den Versuch, Entschädigungszahlungen für die Opfer zu erstreiten. Nach Informationen von NDR, SWR und Süddeutscher Zeitung müssen VW-Verantwortliche Mitte Juni zu einer Anhörung nach Brasilia, der Hauptstadt Brasiliens, reisen. Brügger müsste nicht erscheinen. Einzelpersonen sollen nach aktuellem Stand nicht zur Verantwortung gezogen werden.

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