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Bahnunglück bei Gifhorn: Gas in Waggons bleibt ein Problem – DB bietet Sonderkulanz für Reisende

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Von: Thomas Kopietz

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Nach dem Zugunglück bei Gifhorn laufen noch immer die Bergungsarbeiten, die Strecke bleibt bis Ende November gesperrt. Die Deutsche Bahn bietet derweil eine Sonderkulanz für Reisende.

Leiferde – Die Bergung der verunglückten Gas-Güterwaggons und die Reparatur der Bahnstrecke zwischen Hannover und Berlin dürften sich noch hinziehen. Laut Einschätzung der zuständigen Feuerwehr in Meinersen im Landkreis Gifhorn (Niedersachsen) und der Deutschen Bahn (DB) rechnen die Experten nicht mit einer raschen Beseitigung der Schäden.

Die Strecke bleibe laut einer DB-Sprecherin am Samstagabend (19.11.2022) bis mindestens 27. November 2022 gesperrt. Eine genaue Prognose sei zum aktuellen Zeitpunkt schwierig. Die DB bietet aber betroffenen Reisenden eine Sonderkulanz an.

Zugunglück bei Gifhorn: Bergungsarbeiten laufen – Gas in Waggons bleibt ein Problem

Gefahrenpotenzial: Aus den zerstörten Kesselwagen weicht entzündliches Propangas aus.
Gefahrenpotenzial: Aus den zerstörten Kesselwagen weicht entzündliches Propangas aus. © Fernando Martinez Lopez/dpa

Am Donnerstagmorgen (17.11.2022) hatte ein Güterzug auf der West-Ost-Verbindung bei Leiferde an einem Signal gehalten. Ein nachfolgender Güterzug – beide Züge stammten von privaten Unternehmen – war aus ungeklärter Ursache aufgefahren. Vier Waggons kippten um.

Der auffahrende Zug bestand aus 25 mit Propangas gefüllten Kesselwagen. Der Kohlenwasserstoff ist hochentzündlich, was bei der Bergung beachtet werden muss. Pumpen zum Absaugen des Propans wurden nach Angaben der Feuerwehr am Samstag in Stellung gebracht, am späten Abend sollten die Arbeiten beginnen.

Derzeit seien noch sechs havarierte Waggons an der Unfallstelle, darunter vier Kesselwagen mit ursprünglich 200 Tonnen Gas. „Aus den umgekippten Waggons bekommt man wohl etwa die Hälfte heraus“, hieß es. „Der Rest muss dann vorsichtig und kontrolliert abgefackelt werden.“ Das könne einige Tage dauern.

DB: Strecke soll bis mindestens 27. November 2022 gesperrt bleiben

Inzwischen seien zwei Werksfeuerwehren mit spezialisiertem Gerät vor Ort, eine dritte wurde am Sonntag erwartet. Die Bahn habe dazu mehrere Feldwege in dem Waldgebiet durch Schotter verstärkt, damit die Fahrzeuge die für sie schwer zugängliche Unfallstelle überhaupt anfahren könnten. Materialprüfer untersuchten zudem den Zustand der Waggons.

Erst wenn die Unfallstelle geräumt ist, können wir dort mit den Reparaturarbeiten beginnen.

DB-Sprecherin

Auch das Technische Hilfswerk (THW) sei im Einsatz. „Erst wenn die Unfallstelle geräumt ist, können wir dort mit den Reparaturarbeiten beginnen“, sagte die Bahn-Sprecherin. Schon jetzt zeichneten sich erhebliche Schäden an den Oberleitungen und im Gleisbett ab.

Deutsche Bahn gibt Sonderkulanz: Fernverkehrstickets flexibel nutzbar, Sitzplatzreservierungen stornierbar

Bahnreisende müssen sich aufgrund der komplizierten Aufräumarbeiten auf Ausfälle und Verspätungen einrichten. Züge werden weiträumig umgeleitet. Zunächst war die Bahn davon ausgegangen, dass die Sperrung der Strecke nur bis Sonntagabend anhalten müsste.

Für Fahrgäste, die eine geplante Reise verschieben möchten, gilt eine Sonderkulanz: Schon gebuchte Fernverkehrstickets können bis einschließlich 4. Dezember flexibel genutzt, Sitzplatzreservierungen kostenfrei storniert werden. (lni/tko)

Verwandte Themen: In der Vergangenheit ist es in Niedersachsen bereits mehrmals zu tragischen Unfällen mit Zügen gekommen. Vor 30 Jahren ereignete sich ein schweres Zugunglück in Northeim. 2014 entgleiste ein Güterwagen an einem Bahnübergang bei Göttingen; tausende Getränke-Dosen wurden dabei verstreut.

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