Nach Londoner Brandkatastrophe

Brandrisiko: 1000 Hochhäuser in Hessen überprüft

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Feuergefährdet: Diese Fassade hat den Test der Bauaufsicht nicht bestanden. Unser Bild zeigt die Bewohner Abdi Saed (links) und Ismael Kariye vor einem Hochhaus am Frankfurter Weg in Heusenstamm (Kreis Offenbach), das als Sofortmaßnahme von Mitarbeitern eines privaten Sicherheitsdienstes rund um die Uhr überwacht wird.

Wiesbaden/London. Nach der Brandkatastrophe im Londoner Grenfell-Hochhaus überprüfen die Bundesländer hier das Brandrisiko. Beim Hessen-Check gab es nicht nur gute Nachrichten.

Während die Bundesländer das Brandrisiko von Hochhaus-Fassaden überprüfen, wurden aus London neue Details des grauenhaften Infernos bei der Brandkatastrophe im Grenfell-Hochhaus vor fünf Monaten bekannt, das Anlass für die Prüfungen gewesen ist. In London waren demnach am 14. Juni 71 Menschen ums Leben gekommen. 

Damit liegt die Opferzahl etwas niedriger als zunächst vermutet, teilte Scotland Yard vergangene Woche mit. Neue Listen mit Details zu den Opfern lassen ahnen, wie schlimm der Todeskampf vieler Menschen war. Viele Senioren schafften es nicht mehr, den Flammen zu entkommen. Kinder gingen auf der Flucht im Qualm für immer verloren. Erwachsene sprangen aus dem Hochhaus - ohne Überlebenschance. Über die Außenverkleidung hatten sich am Grenfell Tower Flammen rasend ausgebreitet.

Beim landesweiten Check in Hessen gab es auch nicht nur gute Nachrichten: „Von der Überprüfung sind hessenweit rund 1000 Hochhäuser betroffen. Bisher haben die Bauaufsichtsbehörden in nur vier Fällen gravierende Mängel festgestellt, die eine sofortige Anordnung von Gefahrenabwehrmaßnahmen erforderten“, sagte ein Sprecher des Wiesbadener Wirtschaftsministeriums. Die Gefahrenabwehr sei „zum größten Teil bereits umgesetzt. In keinem Fall wurde bisher eine dem Londoner Grenfell Tower vergleichbare Gefahrensituation festgestellt.“ Ganz fertig sei man nicht, „es kann im Einzelfall noch einige Monate beanspruchen, weil externe Gutachter eingeschaltet wurden“.

In Heusenstamm (Kreis Offenbach) bemängelten Experten im Juli die nachträglich montierte Fassade eines älteren Gebäudes. Die Folge: Rund-um-die-Uhr-Brandwache und eine Zwei-Monats-Frist zur Komplettentfernung der gefährlichen Hülle.

Unter der Lupe waren die Außenhüllen aller vor 1984 genehmigten Hochhäuser. Seit 1984 sind nicht-brennbare Fassaden ab 22 Metern Gebäudehöhe Vorschrift. Bis zur Grenze von 22 Metern kommt die Feuerwehr mit der Drehleiter. Bei höheren Gebäuden müssen die Menschen über die Treppenräume flüchten.

Räumung in Wuppertal

Noch im Juni wurde ein Hochhaus in Wuppertal mit 86 Wohnungen geräumt. Die Bewohner durften erst zurück, als Teile der brennbaren Fassade entfernt waren. Auch Duisburg ließ drei Hochhäuser vorübergehend evakuieren. In Dortmund wurde ein Hochhaus mit 750 Mietern wegen Brandschutzmängeln geräumt. Dort ging es aber nicht um Probleme mit der Fassade.

Ralf Ackermann, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Hessen, hatte direkt nach der Katastrophe von London für eine Überprüfung auch von niedrigen Wohngebäuden plädiert. Schon seit Jahren stehen die Dämmplatten aus Polystyrol am Pranger - auch die hessischen Feuerwehren sehen das Material kritisch, betonte Ackermann in der Hessenschau.

Ackermanns Forderungen: Erdgeschosse von Häusern sollten „mit nicht-brennbarem Material ausgestaltet werden. Zudem muss in jedem Stockwerk ein Brandriegel eingesetzt werden. Damit eben nicht die Fassade in Brand gerät“, so Ralf Ackermann.

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