1964 mit 1,3 Millionen Kindern

Die Unauffälligen: Geburtenstärkster Jahrgang Deutschlands wird 50

+
Ein Lied zum Sieg: Die 1964 geborene Sängerin Nicole Hohloch (17) gewinnt 1982 mit ihrem Lied „Ein bisschen Frieden“ den Grand Prix d’Eurovison in Harrogate, Großbritannien.

Der geburtenstärkste Jahrgang Deutschlands wird in diesem Jahr 50: die Kinder aus dem Jahr 1964. Eine nüchterne Generation kommt in die Jahre.

Von Benjamin Kling

Vor genau 50 Jahren bescherte der Klapperstorch Deutschland den geburtenstärksten Jahrgang in der Geschichte der Bundesrepublik. Das statistische Bundesamt registrierte damals in West- und Ostdeutschland 1 357 304 lebendgeborene Kinder.

Welche Stars dem Jahrgang 1964 angehören und welche herausragenden Ereignisse diese Generation erlebte, lesen Sie in der gedruckten HNA von Donnerstag

2012 waren es nur noch 673 500. Die Kinder der 1964er Baby-Boom-Generation haben viel erlebt und wurden auch von der Unterhaltungsindustrie geprägt. So machten sie sich in ihrer Jugend mit dem Raumschiff Enterprise auf den Weg, um unendliche Weiten im Weltraum zu erforschen. Und im Radio machte gerade eine britische Rockband mit Hits wie „Let it be“ oder „Yellow Submarine“ von sich reden – die Beatles. Aus den Kindern wurden Erwachsene, die in die Jahre gekommen sind.

Der Journalist Jochen Arntz hat ein Buch über die 64er geschrieben – „1964 - Deutschlands stärkster Jahrgang“. Er selbst wurde zwar erst im Frühjahr 1965 geboren, fühlt sich aber als Kind der Massen-generation, schließlich saß er immer mit mehr als 30 Mitschülern in einer Klasse.

„Ich empfand das Leben oft wie eine Reise nach Jerusalem – ständig musste man aufpassen, dass man noch einen Platz bekam.“ Doch Arntz sieht auch Vorteile: „Wenn man einen Studienplatz bekommen hatte und mit Hunderten anderen im Seminar saß, hatte es etwas vom New York Marathon: Es waren viele, alle hatten das gleiche Ziel und waren zuversichtlich, dass sie auf der Strecke viel erleben würden.“ Und: „Wir hatten mehr Freunde in echt als viele heute auf Facebook haben.“

Die Eltern sagten damals noch nicht, dass man zur Klavierstunde muss, sondern: „Geh raus spielen.“ Das habe man dann auch getan. Irgendwer sei immer auf dem Spielplatz gewesen, sagt Arntz. Dieses Gefühl, dass immer irgendjemand da ist, habe die 64er durchs ganze Leben begleitet. Aber sind die 1964er deshalb schon eine richtige Generation so wie die 68er, also die kurz nach dem Krieg Geborenen, die Deutschland umkrempelten? Der Historiker Paul Nolte glaubt das nicht.

„Geburtsjahrgänge gibt es natürlich immer, aber zu einer Generation werden sie erst dann, wenn sie so etwas wie eine innere kollektive Bewusstwerdung erfahren“, sagt Nolte. „Sie müssen nicht unbedingt gleich eine Revolution machen, aber doch ein Bewusstsein dafür haben, dass sie vor gemeinsamen Herausforderungen stehen.“ In diesem Sinne seien die Babyboomer der Jahre 1963, ’64 oder ’65 eine „verlorene Generation“.

Buchautor Arntz glaubt, dass jene, die in den frühen 60ern geboren wurden, Skepsis gegenüber den 68ern eint. „Weil diese Vorgängergeneration damals schon alles besser wusste und heute noch immer alles besser weiß. Wer das nicht mag, wird pragmatisch, nüchtern - auch das eint die Babyboomer.“

Das Buch „1964 - Deutschlands stärkster Jahrgang“ (288 Seiten) von Jochen Arntz ist für 19,64 Euro im Handel erhältlich. Verlag: Süddeutsche Zeitung Edition.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.