Experte: Hitler widerlegen

Ab 2016 ist die Hetzschrift „Mein Kampf“ wieder frei verkäuflich

Nur als kommentierte Ausgabe: Historiker vom Institut für Zeitgeschichte haben das Hetzpamphlet „Mein Kampf“ editiert. Foto: dpa

Berlin. In der NS-Zeit wurde es als „Buch der Deutschen“ angepriesen. Nach Kriegsende verboten die alliierten Siegermächte Adolf Hitlers berüchtigte Programmschrift.

Jetzt ist „Mein Kampf“ erstmals wieder im „Verzeichnis lieferbarer Bücher“ erschienen, mit ISBN und Preisangabe. Verkauft werden kann Hitlers programmatische Hetzschrift allerdings frühestens ab 1. Januar 2016. Und das schriftliche Symbol der menschenverachtenden NS-Ideologie gibt es dann auch nur als kommentierte Ausgabe.

„Hitler durch Wissen widerlegen“, so beschreibt Christian Hartmann vom Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) das Projekt, der mit einem Team von Historikern drei Jahre an der kritischen Ausgabe der Hetzschrift arbeitete. Hitlers Originaltext wird von über 3500 Anmerkungen begleitet, die ihn entmythologisieren sollen.

70 Jahre war eine Neuausgabe des Buches „Mein Kampf“, von dem während der NS-Diktatur mehr als 12 Millionen Exemplare verkauft wurden, in Deutschland verboten. Das Buch, das angeblich nur wenige Reichsbürger gelesen haben wollen, wurde häufig bei festlichen Anlässen wie standesamtlichen Trauungen und Auszeichnungen verschenkt. Es gilt als zentrale Quelle des Nationalsozialismus. „Selten oder vielleicht tatsächlich nie in der Geschichte hat ein Herrscher, ehe er an die Macht kam so genau wie Adolf Hitler schriftlich entworfen, was er danach tat,“ meinte dazu Historiker Eberhard Jäckel.

Die Urheberrechte an „Mein Kampf“ übertrugen die Alliierten nach dem Krieg auf Bayern, da Hitler bis zu seinem Selbstmord in München-Bogenhausen offiziell gemeldet war. Zum Jahresende laufen sie aus und damit verliert der bayerische Finanzminister auch seine Wächterfunktion.

Nicht wenige Stimmen von Opferverbänden in Israel lehnen selbst eine kommentierende Neuausgabe strikt ab. Auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, fordert, dieses Manifest des Hasses wegen Volksverhetzung zu verbieten. Andere, wie Josef Schuster, amtierender Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, setzen gerade auf die kritisch kommentierte Ausgabe.

Nach Ende des Publikationsverbots lässt sich nach Ansicht von Experten selbst eine unkommentierte deutsche Neuauflage mit juristischen Mitteln kaum verhindern. Dieser will die IfZ-Edition zumindest zuvorkommen.   Historiker mahnen zur Gelassenheit. Tatsächlich war das Buch nie weg. Viele Rechtsextreme dürften „Mein Kampf“ längst im Regal haben. Denn in Antiquariaten, im Internet und im Ausland lässt sich das nur schwer verdaubare Buch jederzeit erwerben.

„Hitler, Mein Kampf – Eine kritische Edition“, erscheint voraussichtlich am 8. Januar in zwei Bänden für 59 Euro. 

Von Peter Gärtner

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