Abkehr vom Turbo-Abitur? - Ministerin gegen vorschnelle Reform

Hannover. An den niedersächsischen integrierten Gesamtschulen bleibt es beim Abitur nach 13 Jahren. Jetzt machen Lehrer und Eltern Druck, die längere Schulzeit auch an Gymnasien wiedereinzuführen. Die Kultusministerin will sich aber Zeit für Beratungen lassen.

Niedersächsische Lehrer und Eltern haben eine schnelle Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren an Gymnasien gefordert. Die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit auf acht Jahre habe sich als verhängnisvolle Fehlentwicklung und folgenschwerer Irrweg erwiesen, erklärten der Philologenverband und der Verband der Elternräte der Gymnasien am Dienstag in Hannover. Die zunehmenden Klagen aus der Wirtschaft und aus den Hochschulen bekräftigten, dass Schüler mit dem Turbo-Abitur nicht angemessen auf die Anforderungen von Studium und einer anspruchsvollen Berufsausbildung vorbereitet seien. Persönlichkeitsbildung, Selbstständigkeit und Kreativität kommen aus Sicht der Lehrer und Eltern zu kurz.

Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt erklärte, es werde keine vorschnellen Änderungen geben. „Es gilt, mit ausreichend Zeit zukunftsfähige Lösungen zu finden, die die hohe Qualität des niedersächsischen Abiturs weiter gewährleisten, gleichzeitig aber den Stress und Druck, der empfunden wird, deutlich zu mindern“, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag der dpa. Die Einführung des G8 sei von vielen Beteiligten als zu überhastet wahrgenommen worden.

Vor zwei Jahren hatten die ersten niedersächsischen Schüler ihr Abitur nach verkürzter Schulzeit absolviert. Bereits vor seiner Einführung war das Turbo-Abitur umstritten. Viele Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg haben inzwischen wieder die Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 geschaffen. Eine Wahlmöglichkeit für die Schulen lehnen die Verbände in Niedersachsen aber überwiegend ab.

Experten diskutieren in einem Dialogforum derzeit über die Zukunft des niedersächsischen Gymnasiums. Erste Ergebnisse könnten nach Ministeriumsangaben bis März vorliegen. Die Bildungsgewerkschaft GEW begrüßte die gründliche Beratung und plädierte für weniger Klausuren und weniger Prüfungsfächer. In der Expertenrunde habe die Wahlmöglichkeit für Schüler, die Oberstufe in zwei bis vier Jahren absolvieren zu können, reges Interesse gefunden. „Das kann ein bundesweiter Knüller werden, um den Streit um G8 und G9 aufzulösen“, erklärte der GEW-Gymnasialexperte Henner Sauerland. (dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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