Terrorprozess in Düsseldorf

Die Abrechnung: Syrien-Rückkehrer packt gegen Sven Lau aus

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Der Salafistenprediger Sven Lau auf dem Weg in den Gerichtssaal des Oberlandesgericht Düsseldorf. Foto: Federico Gambarini

Islamistenführer Sven Lau hat nach Aussage eines Zeugen als Anwerber für islamistische Terroristen fungiert. Er sei selbst vom Mönchengladbacher nach Syrien vermittelt worden. Dort sei aus einem deutschen Krankenwagen ein Truppentransporter geworden.

Düsseldorf (dpa) - Das Gesicht von Sven Lau ist aschgrau. Der 36-Jährige sieht mitgenommen aus, als er sich nach Stunden von der Anklagebank erhebt. Soeben hat Ismail I. ausgesagt. Der 26-Jährige ist so etwas wie der Kronzeuge der Anklage - und tatsächlich kam es für Lau knüppeldick.

Im Gegensatz zu früheren Aussagen belastete der in Stuttgart verurteilte Terrorist den deutschen Islamistenführer aus Mönchengladbach schwer: "Ich sehe es nicht ein, für Herrn Lau auch nur einen Tag länger im Knast zu sitzen. Ich distanziere mich von dieser Ideologie und diesen Menschen."

Lau sitzt in Düsseldorf unter Terrorverdacht auf der Anklagebank. Ihm wird vorgeworfen, die islamistische Terrormiliz Jamwa unterstützt zu haben.

Es sei Lau gewesen, der ihn in den Dschihad gebracht habe, berichtete der Zeuge, in die Reihen der islamistischen Terrorgruppe Jamwa nach Syrien. Dort sei Lau "ein gern gesehener Gast" gewesen.

Er habe Lau 2013 in Saudi-Arabien bei einer Pilgerreise kennen gelernt. Der habe kaum noch von ihm abgelassen und ihm den Dschihad und den Märtyrertod in den schönsten Farben beschrieben: "Wenn du stirbst, kommt ein grüner Vogel und holt dich ab", habe Lau gesagt. Märtyrer seien "die besten Menschen der Welt". Kaum zurück in Deutschland, habe Lau ihm den Weg nach Syrien bereitet und ihn an einen Schleuser vermittelt. "Dass ich es durchgezogen habe, liegt an ihm."

Für seine Zeit in Syrien ist Ismail I. (26) in Stuttgart vom Oberlandesgericht rechtskräftig zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Warum er nun plötzlich weit ausführlicher aussagt, will der Vorsitzende Richter Frank Schreiber wissen. Er habe einen "Reifeprozess" durchgemacht und wolle nun "einen Cut machen", sagt der aus Baden-Württemberg stammende Ex-Glaubenskrieger.

Laus Verteidiger Mutlu Günal hatte sich bereits vor dem Prozess bemüht, den Zeugen als "notorischen Lügner" darzustellen. Der so titulierte lächelt: "Die haben mich schon als Verräter bezeichnet, als ich noch gar nichts gesagt hatte. Gut, dann kann ich auch auspacken."

Er habe mal sehr viel von Lau gehalten, inzwischen halte er ihn vor allem für feige: "Der hat mich und die anderen nach Syrien gebracht und ist selbst nur mal zu Besuch gekommen. Er zuckt zusammen, wenn mal irgendwo eine Bombe explodiert. Das ist wirklich ein Feigling."

Das Gericht zeigt auf einer Leinwand ein Foto, das Sven Lau, den Zeugen und sechs weitere junge Männer zeigt: "Das ist mein Abschiedsfoto, einen Tag vor meiner Abreise. Da hatte ich mir schon den Bart abrasiert, um nicht aufzufallen."

Er habe damals einen Abschiedsbrief geschrieben an seine Familie für den Fall seines Todes: "Pass auf unsere Mutter auf, sie soll nicht auf uns warten. Ich warte auf sie im Paradies. Ich liebe Euch, aber ich liebe Allah mehr."

Lau habe ihn zur Jamwa-Kampfgruppe um Konrad S. vermittelt, den er als seinen besten Freund bezeichnet habe, sagt der 26-Jährige. Er habe ihm auch Geld für Konrad S. mitgegeben, der inzwischen zum IS-Kommandanten aufgestiegen sein soll. Konrad habe ihm erzählt, dass Lau einen Müllwagen nach Syrien gebracht habe, der dort mit Sprengstoff beladen und als Autobombe für einen Selbstmordanschlag benutzt worden sei.

In Syrien habe er gesehen, dass ein Krankenwagen, der von der islamistischen Hilfsorganisation "Helfen in Not" von Deutschland nach Syrien gebracht worden war, zum Truppentransporter umgebaut worden sei. Er selbst habe übrigens keinen Treue-Eid leisten müssen, sagt Ismail I.: "Die haben es irgendwie verpennt."

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