Viele Leser luden Buch in amerikanischen Onlineshops herunter

Hitlers Buch: Hetzschrift "Mein Kampf" in der Bestsellerliste

Ein Exemplar von Adolf Hitlers „Mein Kampf“: Es gilt als politisches Grundlagenwerk des Nazi-Diktators und wurde in zwei Bänden veröffentlicht. Foto: dpa

Hass, Hetze und Propaganda: Adolf Hitlers „Mein Kampf“ ist in Deutschland zwar nicht verboten, seit 1945 darf das Buch allerdings nicht mehr nachgedruckt werden. Interesse an dem berüchtigten Werk scheint aber vorhanden - zumindest im Internet.

Die Kommentare reichen von „faszinierend zu lesen“ bis „krank“. Mehr als 400 Leser haben bereits Bewertungen zur digitalen englischen Ausgabe von „Mein Kampf“ bei Amazon.com abgegeben. Auch bei iTunes in Amerika lässt sich das Buch herunterladen. Noch überraschender: „Mein Kampf“ stürmte bei Amazon.com sogar für einige Zeit in der Kategorie „Faschismus“ und „Politische Psychologie“ die Bestsellerliste.

Woher kommt das plötzliche Interesse an dem Buch? Eine wirklich schlüssige Erklärung fehlt. Der Verleger des Buches, die „Elite Minds Incorporation“, aus Kalifornien vermutet, es liege an der Anonymität des Internets. Wer sich das Buch auf sein digitales Lesegerät herunterlade, könne dies tun, ohne dabei gesehen zu werden. Das Buch könne dann zum Beispiel in der U-Bahn gelesen werden, ohne dass man Angst davor haben müsste, fälschlicherweise für einen Rassisten gehalten zu werden – nur weil man etwas über Geschichte lernen wollte, schrieb der Verleger in einer E-Mail an das amerikanische Fernsehnetzwerk ABC.

Vielleicht liegt es auch am günstigen Preis. Nur 99 US-Cent kostet die elektronische Version von „Mein Kampf“ bei Amazon. Zum Vergleich: Das gedruckte Buch ist ab 16,89 Dollar zu bekommen.

Auf ein hierzulande angemeldetes Kindle-Lesegerät lässt sich die elektronische Ausgabe nicht laden. Der Online-Versandhändler verschickt auch das gedruckte Buch „in Übereinstimmung mit den einschlägigen Rechtsvorschriften“ nicht nach Deutschland, heißt es auf Anfrage.

Denn seit 1945 liegen die Rechte für „Mein Kampf“ beim Freistaat Bayern. Und seither werden Veröffentlichungen des Buches juristisch verfolgt. Die englischen Übersetzungen von „Mein Kampf“ sind hingegen frei verfügbar. Sie waren schon lange vor 1945 an Verlage in Großbritannien und die USA verkauft worden.

An eine digitale Originalausgabe von „Mein Kampf“ kommt man nicht nur mithilfe von Onlineshops. Mit wenigen Mausklicks lassen sich im Internet die deutsche Version und englische Übersetzungen finden und kostenlos herunterladen – ohne dass es dagegen eine rechtliche Handhabe gibt. Zudem ist „Mein Kampf“ bei deutschen Antiquariaten legal erhältlich und in Bibliotheken einsehbar.

70 Jahre nach dem Tod des Urhebers Adolf Hitler verliert der Freistaat Bayern die Rechte am Buch. Ab 2016 kann jeder die Hetzschrift drucken und verbreiten. Das Institut für Zeitgeschichte in München will bis dahin eine wissenschaftliche, kritisch kommentierte Edition des Buches fertigstellen. Es gehe darum, „das Buch zu entmystifizieren und aus ihm das zu machen, was es in Wirklichkeit schon längst ist – ein historisches Dokument und nicht mehr“, heißt in einer Erklärung des Instituts.

Fakten zu "Mein Kampf"

• Bis 1945 hatte es „Mein Kampf“ auf 1000 Auflagen gebracht und etwa 12,5 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft oder verschenkt. Das Buch wurde in 16 Sprachen übersetzt.

• Seit der Machtübernahme Hitlers 1933 wurde das Buch von Standesämtern bei Eheschließungen anstatt der Bibel verschenkt. Auch als Buchprämie beim Schulabschluss oder bei der Aufnahme in die NSDAP wurde „Mein Kampf“ verteilt.

• Hitler selbst soll später gesagt haben, er hätte „Mein Kampf“ nicht geschrieben, wenn er gewusst hätte, dass er Reichskanzler werden würde.

• Die Druckplatten von „Mein Kampf“ wurden 1945 von einem amerikanischen Soldaten eingeschmolzen. Aus ihnen wurden später die ersten Druckplatten der Süddeutschen Zeitung gegossen.

Von Nina Thöne

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