Kritik von Politiker

Ärger um Burkini-Kauf: Bäderbetrieb schafft zwölf Badeanzüge für Muslima an

Burkini-Zoff: Für das Schwimm- und Hallenbad hat die Stadt-Holding Dreieich zwölf Schwimmanzüge für muslimische Frauen angeschafft. Das stößt nicht nur auf Zuspruch. Foto: dpa

Kassel/Dreieich. Bereits im März legte sich der Bäderbetrieb Dreieich zwölf Burkinis zu - an die große Glocke gehängt wurde das nicht.

Erst kürzlich rückte das Thema dann in den Fokus, als verschiedene Medien über die Forderung der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen nach mehr exklusiven Badezeiten für Frauen berichteten - davon sollten auch muslimische Frauen profitieren. Der Landtagsabgeordnete Hartmut Honka (CDU) kritisiert nun den Kauf der zwölf Burkinis, die dort ausgeliehen werden können.

„Ich persönlich halte diese Anschaffung für falsch“, sagt Honka. Die Stadt Dreieich gehört zum Wahlkreis des CDU-Abgeordneten. Er habe über die Anschaffung ebenfalls nur aus der Zeitung erfahren. Wenn eigens für muslimische Frauen zweiteilige Schwimmanzüge angeschafft würden, könnten auch andere Personen kommen und fragen, warum es etwa keine Badehosen für Hartz-IV-Empfänger gibt, sagt Honka.

Der Bäderbetrieb verteidigt die Anschaffung der Burkinis, die pro Stück 70 Euro kosteten: „Wir haben sie nicht aus irgendwelchen ideologischen Gründen angeschafft, sondern aus hygienischen“, sagt Geschäftsführerin Dalila Kahl von der Stadt-Holding Dreieich GmbH. Die Holding betreibt die Bäder. Es sei häufiger vorgekommen, dass muslimische Frauen mit ihren Kindern ins Schwimmbad gegangen seien - darunter waren auch Flüchtlinge. Sie wollten in Straßenkleidung ins Wasser. „Das geht natürlich nicht“, sagt Kahl. Der Badespaß für Mutter und Kind musste also zwangsläufig beendet werden. „Da gab es viele Tränen“, sagt Kahl.

Um nicht in die Schlagzeilen zu geraten, weil die Frauen das Schwimmbad verlassen mussten, beschloss der Betrieb, zwölf Burkinis anzuschaffen. „Die gibt es aber nicht umsonst, sondern können für fünf Euro ausgeliehen werden“, sagt Kahl. Die Schwimmanzüge würden aber nur selten verliehen.

Bereits zuvor war die Forderung der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen nach extra Schwimmzeiten für Frauen beim CDU-Abgeordneten Honka auf Kritik gestoßen: Getrennte Öffnungszeiten in öffentlichen Schwimmbädern bedeuteten das Gegenteil von Gleichberechtigung, sagte Honka. Sie festigen stattdessen eine überkommene Geschlechterrolle in Teilen der muslimischen Gesellschaft und verhinderten eine echte Gleichberechtigung. Schließlich würden so auch Männer als rein triebgesteuerte Wesen stigmatisiert. Ein solches Menschenbild könne er nicht akzeptieren, teilte Honka mit.

Das Ablehnen von Schwimmzeiten für Frauen halte er für falsch, denn es gebe einen Bedarf für erweitere Schwimmzeiten, zitierte die dpa den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen, Enis Gülegen. „Wir sind eine pluralistische Gesellschaft, da soll sich jeder entfalten können“, so Gülegen. Ein Ende der Debatte ist noch nicht in Sicht.

Derzeit gibt es spezielle Schwimmzeiten für Frauen in Großstädten wie Frankfurt, Wiesbaden oder Kassel.

Stichwort:

Ein Burkini ist ein Badeanzug für muslimische Frauen mit angenähter Kopfbedeckung. Bis auf Gesicht, Hände und Füße sind alle Körperpartien bedeckt. Das Kunstwort setzt sich aus den Begriffen Burka und Bikini zusammen. Die meisten Burkinis sind weit geschnitten. Selbst wenn die Schwimmerin aus dem Wasser steigt, klebt der Stoff nicht am Körper. So werden keine weiblichen Rundungen sichtbar.

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