Respekt oder Unterwerfung?

Ärger um verhüllte Nacktstatuen - Ruhani bleibt cool

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Wie Sie sehen, sehen Sie nichts (Anstößiges) - die Nacktskulpturen (l.) wurden vor Ruhanis Besuch verhüllt.

Rom - Wie weit darf der Respekt für eine andere Kultur gehen? Diese Frage diskutiert halb Italien, seit in Rom mehrere Nacktstatuen wegen hohen Besuchs aus dem Iran hinter weißen Platten verschwanden.

Die Verhüllung antiker Nacktstatuen in Rom anlässlich der Italienreise des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani hat landesweit Empörung ausgelöst. Aus Respekt für die Kultur und den muslimischen Glauben Ruhanis waren die betreffenden Skulpturen in den ehrwürdigen Hallen der Kapitolinischen Museen hinter schrankartigen Konstruktionen versteckt worden. Als Ruhani durch die Gänge zu einer in den Museen anberaumten Pressekonferenz schritt, tauchten neben Büsten und altrömischen Steintafeln immer wieder mannshohe, eilig zusammengezimmerte Gebilde auf, wo sonst entblößte Frauen- und Männerkörper aus Kaiserzeiten zu bewundern sind.

Wer die Abdeckungen angeordnet hat, blieb zunächst unklar. Nach herber Kritik vor allem aus Reihen der Opposition schoben sich das Denkmalamt und die Regierung die Schuld am Mittwoch gegenseitig in die Schuhe. Kulturminister Dario Franceschini betonte, er habe kein Verständnis für die Anordnung. „Weder der Ministerpräsident noch ich sind über die Verhüllung der Statuen informiert worden“, sagte er verärgert.

Ruhani: Es gab keine Absprachen mit dem Iran

Das Kulturamt, das für die Museen zuständig ist, erklärte ebenfalls, mit den Abdeckungen nichts zu tun zu haben. Diese seien vom Büro des Regierungschefs Matteo Renzi organisiert worden. „Das hat nichts mit Respekt zu tun, sondern mit Unterwerfung“, kommentierte Luca Squerci von der Oppositionspartei Forza Italia. Andere Politiker sprachen von einer „Schande“ und meinten, Renzi habe sich bei seinem Gast angebiedert, ja gar gebuckelt.

Ruhani nahm die Diskussion derweil gelassen. „Das ist ein Thema, das die Medien besonders interessiert, die darüber gerne berichten wollen“, sagte er. Es habe im Vorfeld keinerlei Absprachen mit dem Iran zu dem Thema gegeben. „Ich weiß nur, dass die Italiener sehr gastfreundlich sind und immer darauf bedacht, dass es ihren Gästen gut geht.“ Medien hatten berichtet, dass aus Rücksicht auf die Delegation aus dem Iran beim Abendessen auch kein Wein serviert worden sei. Das alkoholfreie Dinner sorgte in Abgeordnetenkreisen ebenfalls für rege Diskussionen.

dpa

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