Talk im ZDF

AfD-Erfolg Thema bei Lanz: Forscherin geht mit Seehofer hart ins Gericht

+
Extremismusforscherin Julia Ebner: „So differenziert müsste man mal die Debatte führen“

Der Erfolg der AfD und die Frage, wie rechtsextrem die Partei ist, war Thema bei Markus Lanz. Ein Autor forderte eine differenzierte Sicht und eine Extremismusforscherin sparte nicht mit Kritik an Seehofer.

München - Wie umgehen mit der AfD? Ist die Partei rechtsextrem, oder thematisiert sie ganz legitime Positionen? Bei Markus Lanz drehte sich am Mittwochabend viel um die neue Partei im Bundestag und darum, wie die AfD in den Medien dargestellt wird. 

„Bauschen wir da etwas auf, was möglicherweise einen souveräneren Umgang erfordern würde?“, fragte sich Lanz selbstkritisch. Eine bemerkenswerte Antwort hatte „Zeit“-Journalist Ijoma Mangold parat: „Es ist Wahnsinn wie reflexartig die Medien immer reagieren und was sofort alles wieder als rechts dargestellt wird“, war sich der Autor sicher. Mangold warb dafür, sich die Einzelfälle genau anschauen. Denn Medien hätten die Grenzlinie in der Vergangenheit „zu weit links gezogen“.

Autor Ijoma Mangold bemängelte bei rechten Themen die Reflexhaftigkeit der Medien.

Doch nur die Medien für den Aufschwung der Rechtspopulisten verantwortlich zu machen, greift für Mangold zu kurz. Denn: „Der Erfolg der AfD hat wesentlich damit zu tun, dass eine völlig legitime politische Position im Bundestag gar nicht mehr repräsentiert war“. Mangold nannte als Beispiel die Euro-Skepsis und die Flüchtlingskrise. „Wenn man sich parlamentarisch nicht artikulieren kann muss man sich nicht wundern, wenn man sich dann die Straße sucht und dann hat man Pegida - wo es mir dann natürlich kalt den Rücken runterläuft“.

Forscherin: “Legitime Frustration und Ängste“

Zustimmung gab es dafür von Julia Ebner, die am Londoner Institute for Strategic Dialogue über Extremismus forscht. Nach ihrer Ansicht hätten es Extremisten verstanden, „legitime Frustration und Ängste“ in der Bevölkerung für sich auszunutzen. Das sei das gefährliche an der Entwicklung, so Ebner weiter.

Eine Schelte gab es von der Forscherin in Richtung der Politik: „Leider finden auch auf politischer Ebene die Debatten schon nicht mehr sonderlich differenziert statt“, kritisierte Ebner und nannte explizit die von Horst Seehofer angezettelte Islam-Debatte. Wie sie sich eben diese differenzierte Sicht vorstellt, ließ Ebner die Runde auch gleich wissen: Wenn man von einem individuellen Glauben spreche, dann gehöre der Islam zu Deutschland. Die politisierte Form des Islams sollte dagegen nicht zu Deutschland gehören. „So differenziert müsste man mal die Debatte führen“, forderte Ebner und bekam dafür spontan Applaus vom Publikum.

Ebner berichtete auch von ihren Forschungen, die die Wienerin auch undercover durchgeführt hat. Rechte Extremisten wollten ihre Themen „in den Mainstream bringen“, ist sie sich sicher. Dafür benutzten sie sowohl soziale Medien als auch Parteien wie die AfD. So hätten sich vor der Bundestagswahl etwa 7000 Deutschsprachige hinter den Kulissen gezielt in privaten Chatforen Aktionen koordiniert. Ziel sei es vor allem dazustellen: “Wir sind ganz viele“. Angesichts des Wahlerfolges der Rechtspopulisten europaweit hat diese Strategie zumindest nicht geschadet. 

Lesen Sie auch: Islam-Debatte spaltet Union: Dobrindt mit harscher Kritik an Merkel

mb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.