AfD: Retter händeringend gesucht

Joachim Starbatty

Berlin. Der 75-jährige Europa-Abgeordnete Joachim Starbatty stünde wohl für den Übergang bereit, falls die AfD einen neuen Vorsitzenden braucht.

Im Machtkampf an der Spitze der rechten „Alternative für Deutschland“ mehren sich die Rufe nach einem Rückzug beider Kontrahenten. Während Parteigründer Bernd Lucke dazu unter der Bedingung bereit ist, dass auch seine Gegnerin Frauke Petry verzichtet, gibt es von der sächsischen Landeschefin bisher keine Entscheidung. Als Übergangsvorsitzender stünde nach Informationen unserer Zeitung der 75jährige Europaabgeordnete Joachim Starbatty bereit.

Lucke plädierte in der „Zeit“ dafür, dass ein dritter Kandidat, der das Vertrauen beider Seiten genieße, die Führung übernehmen solle. Er könne sich eine konkrete Person vorstellen, wolle derzeit aber keinen Namen nennen. Der 56jährige machte seinen Verzicht allerdings davon abhängig, dass sich auch Petry zurückzieht. Diese reagierte am Donnerstag auf Anfragen nicht. Am Mittwoch war die 39jährige in einem Göttinger Lokal offenbar von Linksradikalen attackiert worden, mit glimpflichem Ausgang. Ein Tisch und Gläser fielen um.

Für einen kompletten Neuanfang an der Führung hatten sich am letzten Wochenende sechs Landessprecher und weitere Teilnehmer bei einem Treffen in Würzburg ausgesprochen. Initiator André Wächter, Landeschef in Bayern, sagte unserer Zeitung: „Wir müssen eine Spaltung verhindern“. Im Moment gehe es um eine „rein persönliche“ Auseinandersetzung zwischen Lucke und Petry. Die inhaltliche Kluft in der Partei sei tatsächlich nicht so groß. Der sächsische Vertreter stimmte bei dem Treffen gegen den Beschluss, allerdings bekommt Petry nun auch Druck aus ihrem eigenen Landesverband. Der Dresdener OB-Kandidat der AfD, Stefan Vogel, beklagte in einem Brief, dass der Streit seinem Wahlkampf schade. Man brauche keine Führung, die die Partei spalte, sondern eine, die sie eine. Nach Einschätzung von Vorstandsmitglied Konrad Adam gibt es inzwischen drei gleich große Lager. Neben dem Petry- und dem Lucke-Flügel gebe es einen Teil, der nur wolle, dass der Streit aufhöre. Dieses letzte Drittel werde auf dem Bundesparteitag am 13. Juni in Kassel den Ausschlag geben, sagte Adam.

Immer häufiger wird intern Joachim Starbatty als möglicher Retter genannt. Er stünde dem Vernehmen nach jedoch nur für eine Übergangszeit von ein oder zwei Jahren zur Verfügung. Starbatty hielt sich gestern bedeckt. „Dazu sage ich nichts“, antwortete der emeritierte Ökonomie-Professor auf eine entsprechende Anfrage. Allerdings gehört der Baden-Württemberger, der bisher flügelübergreifend anerkannt war, zu den Erstunterzeichnern eines Appells namens „Weckruf 2015“, mit dem Lucke zuletzt die Auseinandersitzung um Führung und Richtung erheblich zugespitzt hatte.

Der verbissene Streit beschäftigt die AfD inzwischen auf fast allen Ebenen und wird immer rücksichtloser geführt. So kippte der Bundesvorstand am Dienstag einen Beschluss des sächsischen Landesvorstandes, wonach sächsische AfD-Mitglieder, die sich dem „Weckruf 2015“ angeschlossen haben, aus der AfD ausgeschlossen werden sollten. Im Europaparlament wurde Petry-Unterstützerin Beatrix von Storch ihres Amtes als Parlamentarische Geschäftsführerin enthoben und ihrem Kollegen Marcus Pretzell, Landeschef in Nordrhein-Westfalen und ebenfalls ein Petry-Mann, die Teilnahme an den Sitzungen der siebenköpfigen Gruppe untersagt. Umgekehrt konnten Petrys Gefolgsleute einen Punktsieg erringen, indem sie eine von Lucke beim letzten Parteitag in Bremen knapp durchgesetzte Satzungsänderung anfochten - wegen angeblicher Unkorrektheiten bei der Austeilung der Abstimmungsgeräte. Lucke wollte mit der neuen Satzung künftig nur noch einen Sprecher an der Spitze sehen - sich selbst. Nun empfahl das Parteischiedsgericht, die Abstimmung in Kassel sicherheitshalber zu wiederholen.

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