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Kommentar zu AfD-Vorstand gegen Björn Höcke

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Von: Tibor Pezsa

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Die AfD-Spitze will den Thüringer Landeschef Björn Höcke wegen seiner umstrittenen Rede zum Geschichtsverständnis Deutschlands loswerden. Ein Kommentar von Tibor Pézsa.

Die AfD hat keine Wahl: Sie muss ihren Machtkampf zwischen Rechtsextremisten und bürgerlich Konservativen nicht mehr nur ertragen, sie muss ihn austragen. Das hat sie ihrem hochnotpeinlichen Nationalerotiker Björn Höcke zu verdanken. Mit Sprüchen wie „Ich möchte, dass ihr euch im Dienst verzehrt“ und seinem Schwadronieren vom „vollständigen Sieg“ hat der Thüringer AfD-Chef die Umfragewerte seiner Partei abknicken lassen.

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Seitdem dürfte auch dem letzten in und außerhalb der AfD klar sein: Entweder Höcke und seine Unterstützer setzen sich durch, dann ist die AfD nur noch für ein Häufchen Ewig-Gestriger wählbar, für Identitäre, Reichsbürger und andere radikale Querulanten. Die Partei würde den Weg der Republikaner gehen, der Schill- und Stattpartei. Oder der AfD gelingt die Selbstreinigung, und sie stabilisiert sich als bürgerliche Alternative rechts von der CDU.

Gut möglich, dass Höcke mit seiner Rede in Dresden eine Entscheidung herbeizwingen wollte. Doch dieser Weg ist nicht ohne Risiko. Parteiinterner Streit hat noch stets Wähler abgeschreckt. Und nur weil viele Deutsche zurzeit wegen schwerer Fehler in der Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik verunsichert sind, heißt das noch lange nicht, dass sie sich nach Reichsparteitagsfanfaren und Germanengefasel sehnen.

Das Potenzial der AfD liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart. Es sind jene in den Merkel-Jahren politisch obdachlos gewordenen Wähler, die sich Sorgen um den Euro machen, die dem politischen Islam wie auch der Geldpolitik der EZB misstrauen und welche die EU extrem reformbedürftig finden.

Zum Rendezvous der AfD mit dem Wähler passen Höckes Reden wie braune Flecken auf einem Dinnerjacket. Für die Partei kommt jetzt alles darauf an, dass wenigstens ihr Bemühen um Reinigung glaubwürdig ist. Sonst wird das nichts.

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