Afghanische Flüchtlinge: Neues Zuhause auf der Hallig

Erster Einkauf in einem der kleinsten Supermärkte Deutschlands: Familie Faizi mit dem Bürgermeister von Hooge, Matthias Piepgras. Aber die Hallig scheint den Eltern doch zu klein. Foto: Sebastian Parzanny

Sie suchten Sicherheit für sich und ihre vier Kinder. Doch die Eltern kommen mit dem Leben auf der kleinen Hallig Hooge nicht zurecht.

Hallig Hooge. Rund hundert Einwohner hat die Hallig Hooge, jetzt sind sechs hinzu gekommen. Eine Flüchtlingsfamilie aus einem kleinen Ort in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul ist vergangene Woche auf die zweitgrößte deutsche Hallig übergesetzt. Um in Sicherheit zu leben.

Alles schien bestens. Die Gemeinde, die dem Kreis Nordfriesland schon vor einem Jahr ihre Bereitschaft erklärt hatte, Flüchtlinge aufzunehmen, hatte eine rund 100 Quadratmeter große Wohnung möbliert und ausgestattet. Auf den ersten Blick war die Familie Faizi auch angetan, lobte die Ruhe und die frische Luft. „Wir sind sehr dankbar, dass wir von den Menschen hier so nett und freundlich aufgenommen wurden und nun hier leben dürfen“, erzählte der Vater dem NDR.

Doch es soll wohl doch keine Erfolgsgeschichte werden. Nach einer Woche, so Bürgermeister Matthias Piepgras im Gespräch mit der HNA, wollen die Eltern nicht mehr bleiben. Obwohl sie Deutschunterricht bekommen, die Kinder in die Grundschule und den Kindergarten gehen können, möchten sie lieber in der Nähe einer Großstadt leben. Piepgras kann das nachvollziehen, findet eine dezentrale Unterbringung von Flüchlingen aber besser, schon allein, um die deutsche Sprache zu lernen. Das sei umso schwieriger, je mehr man unter Landsleuten sei, sagt Piepgras, das kenne man ja selbst.

„Wir befinden uns nun in der Phase der Enttäuschung.“ Schließlich hatten sich etliche Einwohner engagieren wollen. „Vor hundert Jahren sind aus dieser Region viele Menschen ausgewandert, weil sie große Not litten. Jetzt geben wir etwas zurück in den großen Kreislauf.“ Das hatte Piepgras vor einer Woche gesagt.

Womit er nun nicht sagen will, dass er die Eltern für undankbar hält: „Darum geht es nicht. Wer weiß, was man ihnen erzählt hat.“ Vielleicht wüssten sie auch einfach nicht, wie ein Asylverfahren abläuft in Deutschland.

Wie es nun weitergeht, weiß der Bürgermeister nicht, er hat sich aber bereits mit dem Kreis in Verbindung gesetzt. „Wir bedauern, dass wir so wenig hilfreich sein können, aber wir haben viel gelernt.“ Krisen, so Piepgras fast schon philosophisch, entstehen, wenn man an Bildern festhält, die der Realität nicht standhalten.“

Leid tut es ihm um die Kinder: „Sie tollen trotz des Schietwetters draußen herum, ihnen gefällt es hier.“

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