Kampf gegen die Taliban

Afghanistan: Brief aus dem Widerstand - Bisheriger Vizepräsident erklärt sich zum Staatsoberhaupt

Der bisherige afghanische Vizepräsident Amrullah Saleh will zum Gesicht des Widerstands gegen die Taliban werden.
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Der bisherige afghanische Vizepräsident Amrullah Saleh will zum Gesicht des Widerstands gegen die Taliban werden.

Afghanistans bisheriger Vizepräsident Amrullah Saleh soll sich im Pandschirtal zum neuen Präsidenten erklärt haben. Von dort plane er den Widerstand gegen die Taliban.

Kabul - In einem handschriftlichen Brief an das deutsche Nachrichtenmagazin Spiegel erklärt der bisherige Vizepräsident in Afghanistan*, Amrullah Saleh, seinen Anspruch an die Nachfolge des ins Ausland geflohenen Präsidenten Ashraf Ghani. Die Nato und die USA* kritisiert er für ihre Kurzsichtigkeit und Naivität gegenüber den Taliban*. Er selbst halte sich im Pandschirtal im Norden des Landes auf, wo Anti-Taliban-Milizen Gegenschläge gegen die islamistische Organisation vorbereiten.

Den Brief verschickte er in abfotografierter Form über den Instant-Messaging-Dienst Whatsapp an Spiegel-Journalistin Susanne Koelbl. „Aus Sicherheitsgründen“, so heißt es, sei er nicht in der Lage ihre Fragen präzise zu beantworten. Auch den Luxus, rückblickend darüber nachzudenken was schief gelaufen ist, könne er sich „im Moment nicht leisten“, bezeichnete aber die Verhandlungen in Doha zwischen Taliban und Vertretern der US-Regierung unter Donald Trump* als „Anfang vom Ende“. Diese seien von Anfang an „fehlerhaft, trügerisch und töricht“ gewesen. Die „Naivität“, „die Erschöpfung und Kurzsichtigkeit des Weißen Hauses“ hätten die Taliban, die nie an eine politische Lösung geglaubt hätten, einfach ausgenutzt - unter Ex-Präsident Trump genau wie unter dem amtierenden Staatsoberhaupt Joe Biden*.

Ex-Vizepräsident Amrullah Saleh ruft dazu auf „politische Lösung“ für Afghanistan zu fordern

Amrullah Saleh ruft den Westen in seinem Brief auf, „Pakistan mit konkreten Sanktionen“ zu drohen und eine „politische Lösung“ zu fordern. Außerdem gelte es, die „legitime Herrschaft des nationalen Widerstands“, der auch er angehöre, anzuerkennen und diese moralisch wie politisch zu unterstützen: „Wir sind hier, um die Werte und die Würde der afghanischen Menschen zu verteidigen, um für das Recht von Mädchen und Frauen zu kämpfen, damit sie sie selbst sein können und nicht nur ein identitätsloser Schatten von Männern“. Saleh und seine Milizen* kämpften für die Verteidigung von Pluralismus und Vielfalt in Afghanistan. Das sei vor allem „ein Kampf des Willens“.

Seinen ehemaligen Staatschef Ashraf Ghani, zu dessen legitimen Nachfolger er sich erklärte, verurteilt Saleh in seinem Brief aufs Schärftste. „Selbst wenn die Taliban ihn gefangen genommen hätten, wäre zwar sein Körper eingesperrt gewesen, aber seine Seele wäre frei. Jetzt ist nur sein Körper frei. Seine Seele jedoch liegt für immer in Ketten, bis zu seinem Ende“.

Bisheriger Vizepräsident Amrullah Saleh und Milizen in Afghanistan gegen die Taliban

Die Taliban ruft Saleh dazu auf, einen Zeitplan vorzulegen, „wann und wie sie die afghanische Öffentlichkeit, die Massen in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen wollen.“ In diesem Fall seien Saleh und die Milizen dazu bereit, mit den Islamisten Gespräche über den zukünftigen Charakter des Staates aufzunehmen. Das ausgerufene Emirat erkenne er nicht an, „und werde es nie tun“. Das Land werde nie zu „Talibanistan“ werden.

„Wenn die Taliban eine militärische Lösung im Konflikt mit uns wollen, dann ist das ihre Entscheidung“, kündigt Saleh in seinem Brief an. Ähnliche Entschlossenheit demonstrierten in den vergangenen Tagen auch bereits die Kämpfer im als „uneinnehmbar“ geltenden Pandschirtal. Die Truppen um Anführer Ahmad Massoud, den Sohn des berühmten afghanischen Nationalhelden Ahmad Schah Massoud demonstrieren seit Tagen, dass sie sich nicht einfach geschlagen geben werden und offenbar bereit sind Salehs Worten auch Taten folgen zu lassen. (ska) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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