Verhandlungen in Doha

Karsai boykottiert Friedensgespräche mit Taliban

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Der afghanische Präsident Hamid Karsai

Kabul - Die afghanische Regierung von Präsident Hamid Karsai will sich nicht an Friedensgesprächen mit den Taliban im Golf-Emirat Katar beteiligen.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat einen Boykott der geplanten Friedensgespräche mit den Taliban und den USA im Golf-Emirat Katar angekündigt. Der afghanische Hohe Friedensrat werde nicht an Verhandlungen teilnehmen, solange es sich nicht um einen vollständig von Afghanen geführten Friedensprozess handele, teilte der Präsidentenpalast am Mittwoch in Kabul mit. Zuvor hatte Karsai bereits aus Protest Verhandlungen mit Washington über ein bilaterales Sicherheitsabkommen ausgesetzt. Die Taliban kündigten in Doha an, Anschläge und Angriffe in Afghanistan fortzusetzen.

US-Präsident Barack Obama verteidigte die geplanten Gespräche der USA mit den Taliban. Auf Karsais Kritik reagierte er gelassen. „Wir wussten, dass es Spannungen geben würde“, sagte Obama bei seinem Besuch in Berlin. „Das ist keine Überraschung.“ In Afghanistan herrsche großes Misstrauen. „Wir sind mitten im Krieg.“ Trotzdem rief Obama dazu auf, den Prozess der Verständigung zwischen den Konfliktparteien fortzusetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte die amerikanische Initiative.

"Afghanistan verfolgt politische und militärische Optionen"

Die Taliban hatten am Dienstag ein Verbindungsbüro in Katars Hauptstadt Doha eröffnet. Die US-Regierung hatte daraufhin direkte Gespräche mit den Aufständischen dort angekündigt, die nach einem Bericht der "Washington Post" bereits an diesem Donnerstag beginnen sollen. Karsai besteht darauf, dass die Taliban mit seiner Regierung verhandeln. Die Aufständischen lehnen das bislang ab.

Trotz der bevorstehenden Gespräche mit den USA wollen die Taliban ihre Angriffe und Anschläge in Afghanistan fortsetzen. „Das Islamische Emirat Afghanistans verfolgt politische und militärische Optionen“, sagte Mohammed Sohail Shaheen vom Taliban-Verbindungsbüro in Doha am Mittwoch dem Sender Al-Dschasira. „Es gibt jetzt keinen Waffenstillstand. Sie greifen uns an und wir greifen sie an. Die Angriffe werden parallel zu den Friedensgesprächen weitergehen.“

"Widersprüche zwischen Taten und Aussagen der USA"

In der Mitteilung Karsais hieß es weiter, Afghanistan wolle Friedensgespräche mit den Taliban auf Basis der Errungenschaften der vergangenen zehn Jahre. „Aber von diesem Büro geht eine Botschaft von Krieg und Blutvergießen aus.“ Jüngste Entwicklungen deuteten darauf hin, dass „ausländische Mächte“ hinter den Friedensgesprächen steckten. Zudem habe die Art und Weise, wie das Büro eingeweiht worden sei, den von den USA gegebenen Garantien widersprochen. Die Taliban hatten an dem Gebäude unter anderem ihre Flagge gehisst.

Zum Aussetzen der Verhandlungen über ein bilaterales Sicherheitsabkommen mit den USA teilte der Präsidentenpalast mit, Grund seien „Widersprüche zwischen den Taten und den Aussagen der Vereinigten Staaten von Amerika hinsichtlich des Friedensprozesses“. Zentraler Teil des Abkommens ist das Truppenstatut, das ausländischen Soldaten auch nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 Immunität zusichert. Ohne das Abkommen steht die geplante Folgemission infrage.

Bei einem Raketenangriff auf die US-Basis in Bagram nördlich von Kabul wurden in der Nacht zu Mittwoch nach offiziellen Angaben vier US-Soldaten getötet. In der südafghanischen Provinz Helmand erschoss ein Taliban-Kämpfer in Polizeiuniform fünf Polizisten. Der Gouverneur des Distrikts Gereschk, Fahim Musasai, sagte, der Attentäter habe die Polizei unterwandert gehabt. Die Taliban bekannten sich zu beiden Angriffen.

Das sind die Taliban

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dpa

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