Die Branche gibt sich zuversichtlich

Zwischen Geschäft und Tierwohl - die Agrarmesse Grüne Woche

Woher kommt das Schnitzel? Der Fleischkonsum wächst weltweit. Doch Verbraucher interessieren sich immer mehr für die Bedingungen, unter denen ihr Braten produziert wurde. Foto: dpa

Berlin. Am Freitag beginnt die Agrarmesse Grüne Woche in Berlin. Bei Verbrauchern rücken Fragen der Tierhaltung und Umweltstandards immer mehr in den Blickpunkt. So zeigt etwa der „Fleischatlas“ der Umweltorganisation BUND die Folgen des steigenden Fleischkonsums.

Für Hans-Peter Friedrich wird es eine Premiere, bei der traditionell Ausdauer zählt: Beim Eröffnungsrundgang auf der Grünen Woche erwarten den neuen Bundeslandwirtschaftsminister von der CSU am kommenden Freitag Probierhäppchen und kleine gefüllte Gläser im Minutentakt. Eigentlich geht es auf der Leitmesse der internationalen Ernährungswirtschaft in Berlin aber natürlich um größere Produktionsmengen. Die globale Nachfrage trägt das Geschäft auch der deutschen Bauern. Die Branche, die sich selbstbewusst „Agribusiness“ nennt, startet einigermaßen optimistisch ins Jahr.

Lesen Sie auch

- Wie viele Tiere verträgt der Planet?

- Veganer Imbiss: Ansturm auf den fleischlosen Vöner

„Die Stimmung und das Investitionsklima sind relativ positiv“, heißt es beim Bauernverband, der seine Prognosen lieber vorsichtig formuliert. Trotz einiger Wetterkapriolen fiel die Getreideernte 2013 positiv aus, allerdings gingen die Erträge tausender Hektare beim Sommerhochwasser in mehreren Bundesländern verloren. Aktuell sind die Getreidepreise auf den Märkten wieder empfindlich gesunken, wie der Verband registrierte. Milchbauern sehen nach Einbußen dagegen wieder eine positive Tendenz bei den Preisen, die sie am Hoftor bekommen. Insgesamt arbeiten die meisten Betriebe aktuell auf solider Basis. Der Gewinn, der als Durchschnittseinkommen je Arbeitskraft berechnet wird, stieg 2012/13 auf 42 800 Euro, das waren rund 3600 Euro mehr als im Wirtschaftsjahr zuvor. Davon sind aber noch Investitionen zu bezahlen. Generell werden für die Ernährungsbranche Exporte immer wichtiger, von denen der Löwenanteil nach wie vor in andere EU-Länder geht. Kritiker prangern jedoch den Bau großer „Agrarfabriken“ an, die Fleisch für Exporte produzieren sollen. Am 18. Januar haben Umwelt- und Tierschutzgruppen zu einer Demonstration in Berlin aufgerufen.

Viele Kunden interessieren sich zusehends dafür, unter welchen Bedingungen Tiere gehalten werden. Dafür soll in diesem Jahr ein Anreizsystem von Ernährungswirtschaft und Handel starten, das höhere allgemeine Standards bei Schweinen und Geflügel honoriert. Dabei geht es um kein neues Logo. Landwirte sollen einen Kostenausgleich aus einem Fonds bekommen, wenn sie freiwillig besondere Bedingungen schaffen, etwa beim Platzangebot im Stall. Gemeinsam werben Branche und Politik seit Längerem dafür, dass hochwertige Lebensmittel auf Dauer nicht als Schnäppchen zu haben sind. Allerdings stiegen die Preise für Nahrung in deutschen Supermärkten zuletzt schon stärker als die allgemeine Teuerungsrate. „Die Zeiten, in denen die Lebensmittel Inflationsbremse Nummer eins waren, sind vorbei“, sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied und verweist auf die weltweit gestiegene Nachfrage.

Bei den Landwirten komme allerdings ohnehin nur ein Bruchteil davon an, heißt es beim Bauernverband - vom Verkaufspreis eines Brötchens landeten zwei Prozent beim Bauern. (dpa)

Hintergrund: Agrarmesse Grüne Woche

Die Internationale Grüne Woche in Berlin ist die weltgrößte Schau der Land- und Ernährungswirtschaft. Präsentiert werden rund 100.000 Nahrungs- und Genussmittel. Regelmäßig kommen mehr als 1500 Anbieter aus 60 Ländern. Partnerland 2014 ist Estland.

Dauer: 17. bis 26. Januar Ort: Messeglände, Messedamm 22 in Berlin Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr, am 18., 24. und 25. Januar bis 20 Uhr Tickets für Privatbesucher: Tageskarte 13 Euro, Sonntags-Ticket 10 Euro, Ermäßigungen für Gruppen, Schüler, Studenten und Familien. Anfahrt: Sonderticket der Deutsche Bahn mit Zugbindung für 99 Euro in der zweiten und 159 Euro in der ersten Klasse. Buchung spätestens drei Tage vor Reisetag. Tickets und Infos online: www.gruenewoche.de

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.